Ehrentag

Er bastelte mit Draht ein Tornetz – Karl Fehling vom SV Mariendorf feiert heute seinen 91. Geburtstag

Auf dem Foto sind zwei Männer zu sehen.
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Geburtstagsgeschenk im vergangenen Jahr: Karl Fehling (links) bekam einen Sitzplatz neben dem Spielfeld mit einer Überdachung. Rechts: Dirk Reinhardt.

Heute hat ein Urgestein des SV Mariendorf Geburtstag. Wir haben Karl Fehling vorab getroffen.

Mariendorf – Karl Fehling, er ist die gute Seele des Vereins und die Integrationsfigur beim SV Mariendorf. Heute wird er 91 Jahre alt, gefeiert werden kann, wie leider auch schon der 90. Geburtstag, nur im kleinen Familienkreis.

Karl Fehling kommt allein mit dem Auto zum Fototermin, das kann er noch, genau wie bei gutem Wetter einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Rollator unternehmen – in sein Heimatdorf Udenhausen.

Dort hat Fehling 1943, während des zweiten Weltkriegs, mit dem Fußballspielen begonnen. Er ging ins Tor und das blieb fast 40 Jahre auch seine Position.

Karl Fehlings erster Spielerpass ist aus dem Jahr 1949

Zunächst wurden im Jugendbereich nur Freundschaftsspiele gegen benachbarte Vereine abgemacht. Seinen ersten Seniorenspielerpass erhielt Fehling im Jahr 1949. Den hat er heute noch in Besitz. Der 91-Jährige erzählt von damals: „Da gab es noch keine Tornetze und die Pfosten waren aus Holz. Ich habe dann immer einen Draht mitgebracht und damit ein Netz gebastelt. Leider habe ich einen Finger dabei so schwer verletzt, dass es heute noch sichtbar ist.“ Als er das sagt, muss Fehling dann schon mal schmunzeln.

1956 zog es ihn zu seiner Frau nach Mariendorf und es wurde geheiratet. Tochter Petra kam zur Welt. Trotzdem blieb „Karle“, wie sie ihn fast alle nennen, immer dem TSV Udenhausen treu.

Karl Fehling änderte vieles in Mariendorf – Er gründete zunächst eine Betriebsmannschaft

In Mariendorf wurde ja auch gar kein Vereinsfußball gespielt. Doch das änderte Karl Fehling. Zunächst gründete er 1975 eine Betriebsmannschaft, die „Betonwerk Firma Schweitzer“ hieß. Fünf Jahre später war er dann Mitbegründer des Sportvereins Mariendorf 1980.

Vorsitzender war Hans Schweitzer und Fehling wurde Spartenleiter vom Fußball. Der Bolzplatz am Heideweg wurde verlängert, später eine Flutlichtanlage angebracht und eine Verkaufshütte gebaut, alles in Eigenleistung mit Unterstützung der Stadt Immenhausen.

Fehling half immer kräftig mit und als ehemaliger Kraftfahrer transportierte er auch so einiges Material zum Sportplatz. Sechs Trainer und etwa 70 Spieler erlebte Fehling und in den sogenannten Hochzeiten hatte der SV zwei Senioren- und zwei Damenmannschaften.

Karl Fehling fährt auch noch mit 91 Jahren mit zu Auswärtsspielen des SV Mariendorf

Mit seinem ehemaligen Stellvertreter, Manfred Möhle, schaut sich der 91-Jährige die Heimspiele an und fährt hin und wieder mit ihm auch noch zu Auswärtsspielen.

„Wenn Karle einen Wunsch hat, wird der erfüllt“, sagen sie beim SV Mariendorf. Gesagt getan, Fehling wünschte sich zum 90. Geburtstag einen Sitzplatz neben dem Spielfeld mit einer Überdachung. Dirk Reinhardt, ein großer Unterstützer des SV, sorgte mit dafür, dass es seit dem vergangenen Jahr einen „Karl-Fehling-Platz“, der sich unter den Eichen befindet, gibt.

SV Mariendorf trägt Karl Fehling als Betreuer auf dem Spielbericht ein

Fehlings liebenswerte und offene Art kommt auch bei den Jüngeren an. „Er interessiert sich, versucht, immer da zu sein und der ganze Verein liegt ihm am Herzen“, sagt der jetzige Trainer Julian Brückmann, der 60 Jahre jünger als Fehling ist.

Fehling darf übrigens bei Auswärtsspielen mit bei der Mariendorfer Auswechselbank stehen, trotz der seit der Pandemie abgegrenzten Zonen. Denn der Kreisfußballausschuss und die Vereine einigten sich darauf, dass Fehling als „Betreuer“ auf dem Spielbericht eingetragen wird.

Damit ist er sicher der älteste Fußball-Betreuer Hessens, vielleicht sogar deutschlandweit. Und so wie seine anständige Art ist, hat er sich persönlich beim stellvertretenden Kreisfußballwart Olaf Hamel dafür bedankt. (Ralf Heere)

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