Vor 40 Jahren spielte die A-Jugend des TuSpo Grebenstein um die Hessenmeisterschaft

Triumph in der Niederlage

Nordhessischer Meister: Grebensteins A-Jugend sorgte vor 40 Jahren für Furore. Von links: Erich Bartsch (Platzwart), Heinrich Lindemann (Jugendleiter), Gunter Henner Göring, Dietmar Fehling, Lothar Heine, Eberhard Kliese, Berthold Römer, Hans Gerrit Lüdicke, Dieter Schäfer, Christoph Heuser und Heini Freitag (Trainer). Unten von links: Friedhelm Brede, Dieter Paterek, Robert Kalenka, Wolfgang Berndt, Walter (Anschie) Hofer und Harald Vinson. Es fehlen im Bild: Günther Wolf, Heinz Walter Nickisch und Werner Becker. Foto:  nh

Grebenstein. Es war eine richtige Klatsche, die die Grebensteiner A-Jugend kassierte. 0:8 ging sie unter. Aus der Traum von der Hessenmeisterschaft. Und dennoch war es ein Triumph, von dem Grebensteiner Spieler und Fußballfans heute noch schwärmen. Heute – das ist 40 Jahre nach dem wohl größten Erfolg der Grebensteiner Fußballgeschichte: am 9. und 16. Mai spielte die A-Jugend um den Hessentitel.

Es war die goldene Zeit des Grebensteiner Jugendfußballs. Einige Jahre zuvor, so erzählt der damalige Jugendleiter des TuSpo, Reinhard Bohle, habe man verstärkt auf die Jugendarbeit gesetzt. Und Mitte der 70 Jahre hatte man eine schlagkräftige Mannschaft zusammen, deren Namen auch heute noch im heimischen Fußball einen guten Klang haben: Wolfgang Berndt, beispielsweise, Christoph Heuser, Henner Göring, um nur einige zu nennen.

Grebenstein war so etwas wie das Sammelbecken der heimischen Fußball-Talente. „Die kamen zu uns, spielten bis sie erwachsen waren - und gingen dann zurück zu ihren alten Vereinen“, erinnert sich Walter Hofer, den jeder nur Anschie nennt, und der damals zur A-Jugend zählte. So hat der ganze Umkreis von der Grebensteiner Jugendarbeit profitiert. Dass alles reibungslos klappte, war unter anderem ein Verdienst des bei einem Verkehrsunfall vor über 20 Jahren ums Leben gekommenen Kral-Otto Kraft. „Er hat die Jugendlichen aus anderen Orten abgeholt und wieder heimgefahren“, erinnert sich Gunter Göring, der in Fußballkreisen nur „Henner“ genannt wird. Kraft habe viel gemacht und blieb stets im Hintergrund. „Er wollte nie auf ein Foto“, sagt Göring.

Und fotografiert wurde in jenen Zeiten viel, denn die A-Jugend eilte von Sieg zu Sieg. Völlig überraschend für die großen nordhessischen Vereine stand der vergleichsweise kleine TuSpo an der Spitze der Landesleistungsklasse Nord. „Nach dem 0:0 in Battenberg sind die Schützlinge von Heinrich Lindemann und Heini Freitag Meister“, schrieb die HNA im April 1976. Die Folge: Die Grebensteiner spielten um den Titel des Hessenmeisters.

Gegner war Eintracht Frankfurt. Trainer der Frankfurter war Hans-Dieter Tippenhauer, der zwei Jahre später mit Fortuna Düsseldorf DFB-Pokalsieger wurde. Und auch in den Reihen der Frankfurter waren bekannte Kicker, die damals in der A-Jugendnationationalmannschaft spielten. Rudi Bommer (sechsmaliger Nationalspieler, 54 Bundesligatore), Hans-Dieter Wacker (spielte ein Jahr später in der Profi-Mannschaft von Frankfurt, musste aber verletzungsbedingt die Profi-Karriere aufgeben) und Ronny Borchers (wurde später mit der Eintracht UEFA- und DFB-Pokalsieger)

1700 Zuschauer

Gegen diese Truppe also spielten die Grebensteiner. „Die waren schon viel professioneller als wir“,erinnert sich Göring. Schon zwei Tage vor dem ersten Endspiel reisten die Frankfurter nach Nordhessen. Und beim Aufwärmen auf dem Platz „haben wir immermal wieder zu denen geschielt, wie die das machen“, so Göring. Sie waren nicht die einzigen, die zu den Frankfurter schielten. Im Stadion im Sauertal waren 1700 Zuschauer, die natürlich vor allem den TuSpo anfeuerten. Genutzt hat es nicht viel. 0:2 verloren die Nordhessen. „Klar, die waren besser als wir“, gestehen die Grebensteiner unumwunden ein. Aber allein das Erreichen des Endspiels sei ein Riesenerfolg gewesen. Das Rückspiel in Frankfurt ging übrigens 0:8 verloren. Unter den Zuschauern war damals auch die Bundesliga-Mannschaft der Eintracht. Hölzenbein beispielsweise, der Weltmeister, oder Charlie Körbel.

So war es nicht das Ergebnis das zählte, sondern das Erlebnis. Es hat gezeigt, sagt Göring, dass man etwas erreichen kann und „es hat uns Selbstvertrauen fürs Leben gegeben.“ Noch heute haben die meisten der damaligen Spieler Kontakt untereinander und „in den nächsten Wochen werden wir uns auch mal zusammensetzen und ein bisschen das Jubiläum feiern“, sagt Hofer.

von Michael Rieß

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.