Sieben Gründe, warum der TSV Langenthal anders als der Großteil der anderen Klubs ist

Ein ziemlich einmaliger Verein

Kampf ist Trumpf: Die Langenthaler Handballer, hier Steffen Temme, haben sich in der Bezirksliga A etabliert. Morgen geht es gegen den Tabellenzweiten. Fotos: Rieß 

Langenthal. Der TSV Langenthal spielt in der Handball-Bezirksliga. Derzeit ist er Tabellenneunter. Mit dem Abstieg wird er voraussichtlich nichts zu tun haben, selbst wenn er am Samstag, 17.30 Uhr sein Heimspiel gegen Eintracht Baunatal III verlieren sollte. Die Großenritter stehen derzeit auf Tabellenplatz zwei. Wir nennen fünf Gründe, die den TSV Langenthal ziemlich einmalig im Bezirk, vermutlich sogar auf Landesebene machen.

1Karl-Heinz Schäfer. Wenn der Mann mit der Nummer 62 eingewechselt wird, hebt das den Altersschnitt der Mannschaft um etwa fünf Jahre. Schäfer ist Jahrgang 62, wird dieses Jahr also 56 Jahre alt. Der Rest der Mannschaft, Ausnahme Torsten Weisbender, ist um die 20 – oder jünger.

2Eigengewächse: Wer beim TSV Langenthal spielt, kommt im Regelfall aus Langenthal. „Die Jungs kennen sich von Kindesbeinen an“, sagt TSV-Chef Dieter Trittner. Sie sind, auch abseits des Hallenparketts eine eingeschworene Gemeinschaft. Und die beiden Auswärtigen – es sind die beiden Oldies (siehe Punkt 1) – werden da nicht ausgegrenzt.

3 Dieter Trittner: Der 68-Jährige ist seit rekordverdächtigen 40 Jahren Handball-Chef in Langenthal. Möglich ist dies nur, so sagt er, weil die Familie mitzieht. Die Namen Trittner und Handball sind in Langenthal eng verbunden. Und Dieter Trittner ist auch über die Vereinsgrenzen hinaus aktiv: Er ist Schiedsrichter – ebenfalls schon seit Jahrzehnten,

4 Die Sparte ist der Verein. Turn- und Sportvereine, kurz TSV, gibt es viele. Vom Traditionsverein TSV 1860 München bis zum heimischen TSV Holzhausen. Allen gemein: Unter dem Dach des TSV sind viele Sportarten vereint. Die Holzhäuser beispielsweise bieten neben Fußball noch Wandern, Laufen, Jedermannsport, Zumba, Tanzen und Kinderturnen an. Beim TSV Hümme sind neben den Kickern auch Tischtennisspieler, Linedancer, Schützen und Gymnastik/Rückenschule beheimatet. Nur beim TSV Langenthal ist es anders. Der TSV hat eine Sparte: Handball.

5Rück-Schritt bring Fortschritt: Handball-verrückte Orte gibt es in der Region viele. Ein Blick an die Oberweser reicht, um eine Handvoll auszählen zu können. Um eine schlagkräftige und zukunftsorientierte Mannschaft aufbieten zu können, schlossen sich vor einem viertel Jahrhundert immer mehr Vereine zu Handball-Spielgemeinschaften, kurz HSG, zusammen. Auch Langenthal versuchte diesen Weg. Von 1992 bis 1996 bildete man mit Gottsbüren und Trendelburg die HSG Reinhardswald. Doch die Identifikation der Langenthalter mit der HSG ließ zu wünschen übrig. Der Handball in Langenthal wäre vor die Hunde gegangen, erkannte Trittner und leitete den Schritt zurück in die Eigenständigkeit ein. Erst firmierten die Handballer unter dem Dach des Schützenvereins als SV Langenthal. Aus steuerrechtlichen Gründen trennte man sich vor acht Jahren und wählte als Namen TSV, da es früher eine TSV 1911 Langenthal gab. Dem Handball tat die Trennung gut. Der TSV stellt eine Herrenmannschaft, hat Minis und zwei E-Jugend-Teams.

6 Heimspiele auswärts. Auch wenn sich die Langenthalter Handballer, vorsichtig ausgedrückt, nicht als die besten Freunde der Reinhardswald-Handballer betrachten (Spielerwechsel von einem zum anderen Verein gab es so gut wie keine), so müssen die TSV-Sportler zu ihren Heimspielen doch nach Trendelburg fahren. Eine eigene Halle hat der kleine Ort nicht.

7 Mitgliederstark. Der TSV hat etwa 260 Mitglieder. Für einen Handballverein ist das nicht außergewöhnlich. Vor dem Hintergrund der Einwohnerzahl jedoch schon. Gerade einmal 700 Menschen wohnen in Langenthal. Dass ein so kleiner Ort eine Mannschaft in der Bezirksliga A stellt, ist weit und breit einmalig.

Von Michael Rieß

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