Fußball-Torwart Max Roß von der JFV Söhre erlebt die perfekte Minute

15-jähriger Torwart schießt Tor aus 80 Metern

Das Tor in weiter Ferne: Trainer Cem Kasal (links) und Torwart Max Roß stehen auf dem Kunstrasen in Lohfelden. Von ihrem Standort aus traf der Keeper am Samstag in das gegenüberliegende Tor. Foto: Koch

Lohfelden. Diese so außergewöhnliche Geschichte nimmt ihren Anfang am Ende eines bis dahin gewöhnlichen Fußballspiels: In der Gruppenliga stehen sich am Samstag die C-Junioren der JFV Söhre und des OSC Vellmar II gegenüber, Sechster gegen Elfter, Kunstrasenplatz Lohfelden.

Es steht 1:0 für die Gastgeber. Die 70 Minuten Spielzeit sind gleich vorüber, als ein Torwart in den Mittelpunkt rückt und die perfekte Minute in seiner noch jungen Fußball-Laufbahn erlebt.

Dieser Torwart heißt Max Roß, ist 15 Jahre alt, 1,83 Meter groß, größer als fast alle anderen auf dem Spielfeld. Seine perfekte Minute geht so: Kurz vor Schluss fischt er den Ball nach einem Freistoß der Vellmarer aus dem Winkel. „Eine super Parade“, sagt sein Trainer Cem Kasal, „jeder hat schon gedacht, der Ball würde reingehen.“ Max Roß aber klärt zur Ecke. Auch nach der anschließenden Flanke ist er zur Stelle. Es ist die Voraussetzung für das furiose Finale, das noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Max Roß läuft mit dem Ball in der Hand im eigenen Strafraum ein paar Meter nach vorn. „Ich habe gesehen, dass die komplette gegnerische Mannschaft vorgerückt ist - auch der Torwart“, erzählt der Neuntklässler der Gesamtschule Kaufungen zwei Tage später, immer noch aufgewühlt. „Da habe ich mir im Eifer des Gefechts gedacht, einfach abzuziehen.“

Er schlägt ab - mit der Wucht eines Profis. Der Ball fliegt weit, er fliegt über alle Feldspieler hinweg, er springt auf, über den Torwart des Gegners, der sich 25 Meter vor seinem Tor befindet und den Ball nicht aufhalten kann. Tor. 2:0.

Das Kunststück ist vollendet, die Geschichte perfekt: Die Geschichte vom Torwart, der in der letzten Minute erst hält und dann trifft - und das mit erst 15 Jahren. „Ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt er. „Und dann konnte ich nicht mehr denken, weil alle auf mich losgestürmt sind.“

Fortan wird Max Roß gefeiert. Trainer Cem Kasal sagt: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Die Teamkollegen sprechen vom Tor des Jahres - und hofieren den Helden auf ihre Art: Nach dem Schlusspfiff machen sie Max Roß erst einmal nass und schütten ihm einen Eimer Wasser über den Kopf.

Der Held nimmt es gelassen, zumal die Glückwünsche in der Folge nicht abreißen: „Viele haben mir persönlich gratuliert, viele haben geschrieben“, berichtet der Torwart, der aus Lohfelden kommt und dessen Traum es ist, später mal in der Bundesliga oder in England zu spielen.

Mit dem Tor hat er auf sich aufmerksam gemacht, auch wenn das i-Tüpfelchen bei dieser Geschichte fehlt: „Wir haben herumgefragt, aber leider hat das Tor keiner aufgezeichnet“, sagt Max Roß. Er kann es verkraften, weil er und alle Augenzeugen wissen, dass ihm etwas Außergewöhnliches gelungen ist. Denn: „So etwas passiert nicht oft.“ Schon gar nicht in der C-Jugend.

Die Vorbilder von Max Roß: 

In der Fußball-Bundesliga ist es bisher nur drei Torhütern gelungen, ein Tor zu erzielen - und zwar nicht vom Elfmeterpunkt aus. In dieser Saison schaffte das der Augsburger Marwin Hitz, der das 2:2 gegen Leverkusen in letzter Minute schoss. 2002 war es Frank Rost, der für Bremen gegen Hansa Rostock traf. Der erste Torhüter, der aus dem Feld heraus erfolgreich war, spielte für Schalke 04 und heißt Jens Lehmann. Er machte 1997 im Derby gegen Borussia Dortmund das 2:2 per Kopf.

Allerdings: Das Kunststück, das dem Juniorenspieler Max Roß von der JFV Söhre gelang, bekam noch kein Bundesliga-Torwart hin: aus dem eigenen Strafraum heraus zu treffen. In England freilich ist genau das schon geschehen: 2012 drosch Tim Howard vom FC Everton gegen die Bolton Wanderers den Ball nach vorn - und war aus knapp 100 Metern erfolgreich.

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