Was war denn da los?

Abschiedsspiel gegen Ex-Klub: Eugen Haas verlässt die ACT Kassel

+
Den Korb im Blick: Eugen Haas spielte gegen Gelnhausen das letzte Mal für die ACT Kassel.

Nach 18 Jahren bei der ACT Kassel ist Schluss. Eugen Haas gab am Sonntag sein Abschiedsspiel für die ACT Kassel – und das gegen seinen Ex-Klub. Allerdings blieb das Happy End aus, der Basketball-Oberligist unterlag dem BC Gelnhausen 86:90 (50:54). Was war denn da los?

Diese Partie hatte sich Haas schon lange für seinen Abschied ausgeguckt. Schließlich spielte er in seiner Laufbahn fast nur für die ACT. Ausgenommen von einem kleinen Intermezzo: 2010 hatte es ihn beruflich nach Südhessen verschlagen. Sechs Spiele machte er für Gelnhausen, ehe er zügig zur ACT zurückkehrte. Da bot es sich an, sein letztes Spiel gegen die Barbarossa-Städter zu absolvieren. Zumal mit Hüseyin Eser und dem Gelnhäuser Sven Blendin seine einzigen beiden Trainer im Herrenbereich dabei waren.

Seit der U 16 spielte Haas für die ACT, seit 2004 für die erste Mannschaft und ab 2013 war er Kapitän. Das Amt hatte er bis Sommer 2019 inne – seine letzte reguläre Spielzeit. In dieser Saison war es für ihn erst die zweite Partie, eine Woche zuvor hatte er gegen Roßdorf gespielt. „Um wieder reinzukommen“, sagt der 32-Jährige.

Und mit welchem Gefühl ging er in sein letztes ACT-Spiel? „Normalerweise bin ich derjenige, der seine Mitspieler anfeuert und anspornt“, sagt Haas. „Diesmal war ich ruhig und gelassen. Ich habe jede einzelne Spielminute genossen.“ Und das waren nicht wenige. 30 Minute war er auf dem Feld und mit 17 Zählern der zweitbeste Punktesammler seines Teams. „Es hätten mehr sein können, aber es ist egal. Es ging vorrangig nicht um meine Punkte oder um den Sieg, sondern darum, das Spiel zu genießen.“ Die erste Überraschung gab es für ihn vor der Partie. „Es waren viele Kollegen, Freunde und die Familie da. Es waren mehr Zuschauer als sonst, sie haben uns richtig eingeheizt.“

Das Publikum sah eine packende Partie. Die Gäste stellten die ACT mit ihrem Zug zum Korb und dem Dreierschützen Dennis Köchling (28 Punkte) vor Probleme. Nach einem 0:7 kam Kassel besser ins Spiel, Florian Höhlschen erzielte im ersten Viertel (23:29) 13 Punkte. Im zweiten Abschnitt funktionierte das Offensivspiel der Gastgeber besser – 50:54. Nach dem Seitenwechsel steigerte sich die ACT in der Defensive, dafür wurde es in der Offensive holpriger. Nach einem 66:74 im Schlussviertel gelang den Kasselern ein 9:0-Lauf zum 75:74 – die erste und einzige Führung der ACT.

In der letzten Minute lag Kassel 86:88 zurück. Dann kam der große Auftritt von Haas. Coach Eser sagte Spielzüge an, bei denen der 32-Jährige zum Abschluss kam. „Ich habe mich riesig gefreut, dass mein Trainer das riskiert hat. Ich war nicht der beste Schütze des Teams“, sagt Haas. Er vergab allerdings einen Dreipunktewurf. Beim zweiten Versuch wurde er gefoult – beide Freiwürfe gingen daneben. Nur fast wäre Haas zum Matchwinner geworden, aber so unterlag die ACT 86:90. „Wenn ich getroffen hätte, wäre das hollywood-reif gewesen“, sagt er. „Für einen Film hat es dann aber leider nicht gereicht.“ Nach der Partie wurde Haas verabschiedet. „Das war dann schon sehr emotional nach Spielende“, sagt Trainer Eser.

Bleibt noch die Frage, warum Haas die ACT verlässt? Ganz einfach, wegen der Liebe. Vor einem Monat zog er von Baunatal nach Düsseldorf, wo seine Freundin schon länger lebt. Anfang Februar tritt der Polizeibeamte seine neue Stelle an und will sich ein neues Basketball-Team suchen. Was sein alter Verein macht, wird Haas natürlich aus der Ferne verfolgen. Kein Wunder, nach 18 Jahren bei der ACT.

ACT: Höhlschen (29), Haas (17), Ripke (10), Toth (7), Michelis (7), Wiebe (6), Vogt (4), Wirth (3), Schuster (2), Tripp (1), Eckard, Englmann.

Von Manuel Kopp und Ralph Görlich

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.