Interview mit Trainerin Marion Kühn

ACT Kassel startet in die Playdowns der Jugend-Basketball-Bundesliga

+
Ruhig bleiben: Trainerin Marion Kühn will mit den U16-Basketballern der ACT Kassel den Klassenerhalt in der Bundesliga schaffen. 

Für die U16-Basketballer der ACT Kassel ist die reguläre Saison in der Bundesliga beendet. Jetzt aber wird es erst richtig ernst. In den am Sonntag (14 Uhr) beginnenden Playdowns kämpfen die Kasseler um den Klassenerhalt. Zunächst muss die ACT beim Bramfelder SV im Norden Hamburgs antreten.

Wir haben mit der Trainerin Marion Kühn über die bisherige Spielzeit und den Abstiegskampf gesprochen.

Frau Kühn, wie haben Sie die Bundesliga erlebt?

Die Bundesliga ist schon ein Abenteuer. Wenn man die JBBL (Jugend-Basketball-Bundesliga) nur aus der Ferne oder als Zuschauer kennt, wirkt immer alles sehr professionell. Bei renommierten Vereinen, die auch in der Herren-Bundesliga spielen, gibt es beispielsweise Anzeigetafeln, bei denen die Namen eingeloggt sind. Aber es war schön zu sehen, dass andere Vereine die Spieltage auch nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten organisieren. Deswegen sind wir froh, dass wir das Abenteuer Bundesliga angegangen sind.

Haben Sie sich von anderen Vereinen etwas abgeschaut?

Ja, auf jeden Fall. Es ist wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Beim Scouting haben wir Neuland betreten und gemerkt, dass dies in der Spielvorbereitung schneller gehen musste. Beim Aufwärmen vor den Partien habe ich beim Gegner geschaut, was wir selbst übernehmen können. Das ist hilfreich, auch wenn wir in diesem Punkt kaum etwas geändert haben.

Ihr Team hat in dieser Saison erst ein Spiel gewonnen. Unabhängig von den Ergebnissen, wie zufrieden sind Sie mit den Leistungen?

Ganz zufrieden bin ich nicht, dafür gab es zu viele Spiele, die wir hergeschenkt haben. Zum Beispiel haben wir beim letzten Spiel gegen Berlin drei sehr gute Viertel gespielt, und dann nachgelassen. Wir haben meist nicht wegen dem Basketballerischen verloren, sondern die anderen Teams waren mental stärker und abgezockter als wir. Das können wir nur durch Spielerfahrung und in Drucksituationen auf höchstem Niveau lernen.

Welche schönen Erinnerungen haben Sie an die reguläre Saison?

Wir hatten einige schöne Erlebnisse wie bei der Partie in Dresden, bei der wir übernachtet und die Stadt erkundet haben. Dazu gehören aber auch die Zugfahrten. Einmal haben wir die Trikottasche im Restaurant vergessen, anstatt sie mit in den Zug zu nehmen. Das ist im ersten Moment ärgerlich, aber später dann eine lustige Anekdote. Und da waren noch die langen Busfahrten. Ich kam mir manchmal vor wie in einem Partybus. Auch wenn wir verloren hatten, wurde die Musik aufgedreht. Solche Erlebnisse verbinden.

Wie hat sich die Mannschaft entwickelt?

Sie durfte auf hohem Niveau spielen und hat sich gut weiterentwickelt. Die Intention des Vereins ist es, es nicht nur diesen Spielern zu ermöglichen, in der Bundesliga anzutreten. Wir wollen auch den Jahrgängen darunter eine Perspektive bieten und ihnen zeigen, dass sie Leistungsbasketball in der Bundesliga bei der ACT spielen können, und sie dazu nicht unbedingt zu seinem anderen Verein wie nach Göttingen wechseln müssen.

Kommen wir zu den Playdowns. Wie ist der Modus?

Es ist eine Best-of-three-Serie. Das heißt, derjenige, der zweimal gewinnt, bleibt drin und spielt auf jeden Fall in der kommenden Saison in der Bundesliga. Der Verlierer ist raus und muss sich neu für die Bundesliga-Qualifikation bewerben – und bei einer Zusage diese überstehen. Wir müssen zunächst in Bramfeld antreten und haben dann das zweite Spiel zu Hause. Wenn es eine dritte Partie geben sollte, müssen wir noch einmal auswärts ran, da mein Team in der Relegations-Tabelle Letzter und Bramfelde Drittletzter geworden ist.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, die Klasse zu halten?

Wir sind der Außenseiter. Aber das Schöne ist, dass jetzt alles wieder bei Null losgeht. Bramfeld hat allerdings häufiger in dieser Saison gewonnen als wir. Wenn du das Siegen nicht gewöhnt bist, ist es schwierig einen Erfolg herauszukratzen. Aber wir haben als Underdog nichts zu verlieren. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass von den Mannschaften, die in der Relegation sind, jeder jeden schlagen kann. Bei den Jugendlichen treten Leistungsschwankungen häufiger auf. Nur die Topteams der Bundesliga haben noch einmal eine ganz andere Konstanz.

Zur Person

Marion Kühn (44) wohnt in Niestetal, arbeitet als Lehrerin mit den Fächern Sport und Chemie am Kasseler Goethe-Gymnasium. Sie trainiert das U16-Bundesliga-Team der ACT Kassel. Kühn ist ledig und hat einen Sohn.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.