Vor Ort beim Blitzturnier des KSV Hessen mit dem USV Jena und Arminia Bielefeld

Blitzturnier des KSV Hessen zeigt: So schön ist Frauenfußball

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Kein Tor für Bielefeld: Als Sarah Grünheid diese Chance verpasst, bleibt Kassels Torhüterin Anna Lena Schellhase ganz gelassen. 

Kassel. Wer am Samstag Frauenfußball der Spitzenklasse sehen wollte, der war auf dem G-Platz an der Damaschkestraße besser aufgehoben als vor dem heimischen TV-Gerät. 

Der KSV Hessen, dessen Frauen-Mannschaft in die Verbandsliga - das ist im Frauenfußball die fünfte Liga - aufgestiegen ist, hatte sich einen Bundesligisten (USV Jena) und einen Zweitligisten (Arminia Bielefeld) zu einem Blitzturnier eingeladen. Wir waren vor Ort.

DIE VORGESCHICHTE des Turniers

Eigentlich wollte der USV Jena im Auestadion ein Testspiel gegen Arminia Bielefeld austragen und nahm deshalb Kontakt zum KSV Hessen auf. „Wir haben den Thüringern dann erklärt, dass das Auestadion gemietet werden muss, und das dies natürlich auch mit Kosten verbunden ist“, sagen Marion Sandrock und Stefanie Risch. Die Abteilungsleiterin und die Managerin im Bereich Frauen- und Mädchenfußball wollten die Anfrage aus Thüringen jedoch nicht so ohne Weiteres zu den Akten legen, sondern hatten eine tolle Idee. In Jena waren die Gesprächspartner sofort angetan von dem Vorschlag, ein Blitzturnier (jedes Spiel sollte 45 Minuten dauern) mit drei Mannschaften auf dem G-Platz zu veranstalten, und so ergab sich eine Lage, die auf neudeutsch „Win-win-Situation“ heißt. Jenenser und Bielefelder hatten die gewünschte Spielpraxis, und der KSV freute sich auf den Vergleich mit zwei Mannschaften, die unter normalen Umständen für den Verbandsligisten unerreichbar gewesen wären. DIE ZUSCHAUER

Der schöne Nachmittag fängt allerdings enttäuschend an, denn es wollen sich einfach keine Zuschauer auf dem G-Platz einfinden. Später werden es dann rund 100, aber das ist weit weniger, als sich der KSV erhofft hatte, und was den Leistungen der drei Mannschaften angemessen gewesen wäre.

DIE SPIELE

Es ist keine Überraschung, dass der KSV gegen Arminia Bielefeld auf verlorenem Posten steht, und der Klassenunterschied ist in jeder Phase der Begegnung zu erkennen. Aber die KSV-Frauen erreichen ihr Ziel, denn sie hatten sich vorgenommen, nicht zweistellig zu verlieren. 0:7 ist keine zweistellige Niederlage, und es ist gegen einen Zweitligisten auch keine Schande, in der Offensive nicht stattgefunden zu haben.

Im zweiten Spiel zeigen Jena und Bielefeld, dass Frauenfußball ansehnlich sein kann. Die Partie zweier gleichwertiger Mannschaften gewinnt der Bundesligist 2:1 und bedankt sich besonders bei zwei Spielerinnen, die noch ein bisschen besser sind als ihre Kolleginnen. Auf die Entwicklung von Annika Graser und Annalena Rieke darf man gespannt sein. Ebenso wie auf Maxine Birker und Lena Schulte, die bei den Arminen den besten Eindruck hinterlassen.

Zum Abschluss verliert der KSV gegen Jena 0:8 und vermeidet somit erneut eine zweistellige Niederlage.

DIE REAKTIONEN

Günter Sandrock, der als Coach das Team in die Verbandsliga geführt hatte, agierte noch einmal an der Seitenlinie, weil der neue Trainer Matthias Eisenbach am Samstag verhindert war. Sandrock zog sein Fazit mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Mit den sportlichen Leistungen bin ich zufrieden, aber ich hätte mir mehr Zuschauer gewünscht“, sagt der Coach. Lisa Lattermann, in der Aufstiegssaison Mittelfeldspielerin und Co-Trainerin in einer Person, glaubt, dass die Lektionen ihre Mannschaft sportlich voranbringen. „Ich habe viel gelernt“, sagt die 27-Jährige.

Ein wenig anders sieht das Lena Krause, die vom TSV Zierenberg zum KSV Hessen zurückgekehrt ist. „Wir waren kaum am Ball und mussten somit immer nur auf die Defensive achten, aber in der Verbandsliga wird das anders sein“, sagt die 17-Jährige, die beim KSV in der Offensive auf einer der beiden Außenbahnen eingesetzt wird.

In einem aber waren sich Lisa Lattermann und Lena Krause einig. Sie hatten trotz der Klatschen Spaß am Spiel mit den übermächtigen Gegnern und sind froh, dass sie zu einem bemerkenswerten Fußball-Nachmittag beigetragen haben.

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