Blick zurück: Sein erstes Profispiel absolvierte der nun verstorbene Wolfram Wuttke gegen den KSV

Als die Baunataler den Dribbler trafen

Wolfram Wuttke

Baunatal. Wenn Gerhard Reinbold (59) an den früheren Fußball-Nationalspieler Wolfram Wuttke denkt, dann fallen ihm Schlagwörter ein wie „Enfant terrible“ und „Dribbler“. Er erinnert sich an den nun verstorbenen Wuttke wie jeder andere Fußballinteressierte auch. „Persönlich kannte ich ihn nicht“, sagt Reinbold. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Tatsächlich war Reinbold ein ziemlich naher Augenzeuge eines besonderen Spiels für Wuttke. Der nämlich bestritt seine erste Partie im Profifußball als 17-Jähriger für den FC Schalke gegen den damaligen Amateur-Oberligisten KSV Baunatal – mit Reinbold im Mittelfeld.

Lang, lang ist es her: Die Begegnung fand am 29. September 1979 im Gelsenkirchener Parkstadion statt – ganz zum Leidwesen von Reinbold: „Damals gab es die Regelung noch nicht, dass Amateurvereine Heimrecht haben. So waren die Amateure in der Regel chancenlos.“ Außerdem: Im damals neu errichteten Baunataler Parkstadion wären womöglich 10 000 Zuschauer gekommen, auf Schalke sahen gerade einmal 4000 Menschen die Partie.

Trotzdem: „Das war etwas ganz Besonderes: Das Stadion war damals hochmodern, wir sind mit der berühmten Rolltreppe runter zum Platz gefahren“, sagt Reinbold, der sich in erster Linie an die erfahrenen Schalker Norbert Nigbur, Klaus Fichtel, Helmut Kremers und Klaus Fischer erinnert – und weniger an Wolfram Wuttke. „Ihn werde ich da zum ersten Mal gesehen haben.“

Wuttke spielte 55 Minuten, wurde dann ausgewechselt. Zu diesem Zeitpunkt stand es 2:0 für den favorisierten Bundesligisten. Peter Schüler im Baunataler Tor war ein Eigentor unterlaufen, Rüdiger Abramczik erhöhte auf 2:0. Nach Wuttkes Auswechselung stellte Klaus Fischer den Endstand von 3:0 her.

Insgesamt bekamen die unterlegenen Baunataler aber viel Anerkennung. Die Hessische Allgemeine schrieb am 1. Oktober 1979: „Baunatal sah tatsächlich gut aus.“ Ein Spieler ragte dabei heraus: „Ein Sonderlob verdiente sich Reinbold: Konditionsstark, tatendurstig, kaltschnäuzig – die Galionsfigur in einem Außenseiter-Team, das sich in vielen Szenen Beifall beim überaus kritischen Schalker Publikum holte.“

Und Wuttke? Bekam auch eine gute Note – zumindest von Schalkes damaligem Präsidenten, dem aus Kassel stammenden Günter Siebert. Der wird so zitiert: „Positiv bewerte ich die Leistung des kleinen Wuttke. Er kann eine Bereicherung werden.“ Der 1,72 Meter große Offensivspieler absolvierte später tatsächlich 299 Bundesligaspiele, viermal lief er für die Nationalmannschaft auf. Er sorgte auf und neben dem Platz für Schlagzeilen. Zu seiner Zeit in Lautern unter Trainer Sepp Stabel nahm er mal seinen kleinen Sohn mit in die Kabine. Als Grund gab er später an: „Ich wollte ihm nur mal zeigen, was für einen dummen Trainer wir haben.“

Wuttke, das Enfant terrible und der Dribbler, starb am Sonntag im Alter von 53 Jahren an multiplem Organversagen.

Von Florian Hagemann

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