Vor Ort beim Hockey: Bundesliga-Vorbereitungsturnier des HC Kassel

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Posieren mit den Profis: Die Kasseler B-Knaben (vorn in roten Jacken) bezwangen die Mannheimerinnen in einem späteren, wohl nicht ganz ernst zu nehmenden, Trainingsspiel 4:2. Das Bundesliga-Team mit mehreren deutschen und internationalen Nationalspielerinnen gewann kürzlich die Deutsche Hallenmeisterschaft.

Kassel. Die Jugendfußballer nebenan staunen nicht schlecht, als sie erfahren, wer sich beim benachbarten Hockeyclub die Klinke in die Hand gibt. Der HC Kassel hat zum Bundesliga-Vorbereitungsturnier eingeladen und Damen-Teams aus Braunschweig, Hamburg und Mannheim sind dem Ruf gefolgt.

Wir waren vor Ort.

Motivation für die Basis

Dass ausgerechnet elf- bis zwölfjährige Jungs den Anstoß geben, ein Turnier dreier Bundesligamannschaften in Kassel zu veranstalten (wir berichteten), spricht für die Gemeinschaft im Hockeysport. „Die Zugfahrt mit den Mannheimerinnen war richtig lustig, wir haben gesungen, irgendwas mit Kassel und Mannheim. Dann gab’s noch Gesichtsbemalung in ihren Klubfarben“, erzählt Moritz Rietze von den Kasseler B-Knaben die Kennenlern-Geschichte. Mitspieler Marlon Pfaffenbach ergänzt: „Jetzt bin ich noch motivierter zu trainieren!“

Für Philipp Stahr, Cheftrainer der Mannheimer Damenmannschaft, ist der Besuch in Kassel alles andere als ein Witz: „Wir messen uns mit zwei direkten Konkurrenten, das ist ein sehr wichtiger Test für uns“, betont Stahr. „Die Kasseler haben sich unglaublich viel Mühe gegeben und beste Bedingungen geschaffen. Man spürt die Leidenschaft“, lobt der Cheftrainer die Gastgeber. „Als Bundesliga-Mannschaft können wir ruhig etwas an die Basis zurückgeben“, meint Stahr.

Kasselerin im Tor

Einen besonderen Tag erlebt die Kasseler Spielerin Paula Rüdiger. Die Mannheimerinnen sind ohne Torfrau angereist, weil alle Stammkräfte ausfallen. „Heute Morgen hat sie schon viel weniger erzählt als sonst“, berichtet Vater Enrico Schäfer auf der Tribüne. „Als ich es gestern erfahren habe, war ich baff, es sind immerhin internationale Topspielerinnen dabei. Alle sind nett und offen zu mir. Ich kann hier viel lernen“, sagt die Kasseler Torfrau.

Videoanalyse vom Turm

Einen interessanten Blick aufs Geschehen hat Janick Thum, Co-Trainer des Mannheimer HC. Thums Arbeitsplatz ist auf einem etwa acht Meter hohen Turm am Rande des Feldes. Dort steht er, dick eingepackt im eisigen Wind, mit einer Videokamera und einem Tablet. „Jede Situation, die im Spiel passiert, trage ich in meine App ein. Später schneidet das Programm das Filmmaterial automatisch anhand der eingegebenen Spielzüge oder Standardsituationen. Wenige Minuten nach dem Abpfiff ist die Videoanalyse fertig“, erklärt Thum seine Aufgabe.

Hoch oben fühlt sich Thum an seine Hockey-Anfänge in Ludwigsburg erinnert: „Ein ehrliches, kleines Klubhaus direkt am Platz, das fehlt uns in Mannheim irgendwie. Wir haben zwar eine große, moderne Anlage, eine Bratwurst bekomme ich da aber nicht“, schwelgt Thum leicht ironisch in Hockey-Romantik.

Von Gregory Dauber

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