1000 Leute waren da 

Vor Ort im Cinestar beim Eintracht-Film: Pokal-Triumph im Kinosessel

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Brachten einen Hauch von Stadion-Atmosphäre ins Kasseler Cinestar-Kino: Zahlreiche Fußball-Anhänger von Eintracht Frankfurt waren gekommen, um sich den Film über den Pokaltriumph ihrer Mannschaft gegen den FC Bayern München anzuschauen. 

„Die Rückkehr des Pokals“ – ein Fußballfilm über den DFB-Pokal-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Bayern München. In einem Kasseler Kino? Wen interessiert das schon? Wir waren vor Ort.

Die Erkenntnis: Es interessiert viele. Mehr als 1000 Zuschauer kamen ins Cinestar. Bisher. Drei weitere Termine sollen folgen. Der Streifen läuft bundesweit in 66 Kinos. Sogar in München, der Stadt der damaligen Verlierer.

Eine Stunde vor Beginn treffen die ersten Eintracht-Fans ein. Schon wenig später prägen die mit Fahnen, Schals und Trikots gekommenen Anhänger das Bild im Foyer. Sie kommen aus der gesamten Region. Aber trägt das? Ein 90-minütiger Film über ein Spiel, dessen Ergebnis jeder kennt?

Zweite Erkenntnis: Es geht. Zumindest, wenn man Fan der Eintracht ist. Der Streifen ist kurzweilig, in schnellen Schnitten, die Spielszenen beschränken sich auf wenige Situationen. Es geht um die Tage vor dem Finale und den Tag danach. Aussagen der Spieler, des Trainers Niko Kovac, den Verantwortlichen wechseln mit Bildmaterial, das Hintergründe sichtbar macht. Spannung wird aufgebaut. Der vermeintlich chancenlose Außenseiter. Zusammenhalt wird beschworen, das Wir-Gefühl auch zwischen Klub und Anhängern. Klischees werden bedient.

Das wirkt bisweilen anachronistisch. Denn die schöne heile Fußballwelt, so es sie jemals gab, wich längst dem knallharten Geschäft. Doch noch immer ist Platz für Emotionen – und ein Sieg von David gegen Goliath, wie am 19. Mai 2018 geschehen, setzt sie frei.

Wir begleiten also die Eintracht auf dem Flug nach Berlin und sind dabei, als die Spieler am Tag vor dem Finale immer mehr im Tunnel sind. Wir lassen uns berichten, dass angeblich ein besonderer Geist im Team entsteht. Auch als Trotzreaktion darauf, dass die Eintracht im Ligafinale noch die nahezu sicher geglaubte Europa-League-Teilnahme vergeben hatte. Die Spieler kaspern, sie sind auch mal nachdenklich, sie machen sich Mut.

Angeblich seit 1000 Jahren Eintracht-Fan: Fynn-Tayler Fenske aus Borken-Trockenerfurth. 

Das Publikum bleibt verhalten. Stadion-Atmosphäre kommt im Kinosaal nicht auf. „Und die Pyrotechnik haben wir draußen gelassen“, sagt Chris Lorenz aus Ihringshausen, der mit einer Gruppe von Freunden erschienen ist und die gleiche Euphorie wie einst im Mai verspürt: „Wir sind alle Pokalsieger und lassen die Emotionen im Herzen noch mal aufblühen.“

Applaus brandet kurz bei den ersten beiden Eintracht-Treffern sowie dem Sololauf von Mijat Gacinovic zum entscheidenden 3:1 auf. Stille herrscht, als Schiri Felix Zwayer kurz zuvor am Videomonitor prüft, ob die Aktion von Kevin-Prince Boateng gegen den Münchner Javi Martinez im Strafraum mit Elfmeter zu ahnden ist.

„Das waren die längsten zwei Minuten meines Lebens. Lieber wäre ich durch einen Käfig voller Löwen gegangen“, sagt Eintracht-Präsident Peter Fischer im Film, und viele der Zuschauer empfanden ähnlich.

Fynn-Tayler Fenske aus Borken-Trockenerfurth eher noch nicht. Der jüngste Kinobesucher läuft aber schon im Fan-Trikot auf. Das Finale hat er in der heimischen Garage auf Großbildleinwand verfolgt. Wie lange er schon Eintracht-Anhänger ist? Der Sechsjährige überlegt, grinst und sagt verschmitzt: „Seit 1000 Jahren.“

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