Der Kasseler Jens Perlwitz über seine Arbeit als Präsident des Kanuverbandes

„Das ist eine Mammut-Aufgabe“

Herr der Boote und Boards: Jens Perlwitz, der neue Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, im Bootshaus des CSK 98 Kassel.
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Herr der Boote und Boards: Jens Perlwitz, der neue Präsident des Deutschen Kanu-Verbandes, im Bootshaus des CSK 98 Kassel.

Jens Perlwitz ist dem Kanusport seit Jahrzehnten als Leistungssportler, Trainer und Funktionär verbunden. Vor Ort ist der 73-Jährige zudem Vorsitzender des CSK 98 Kassel und immer noch gern selbst auf der Fulda unterwegs. Seit wenigen Tagen steuert der Bettenhäuser als neuer Präsident die Geschicke des Deutschen Kanu-Verbandes. Wir sprachen mit ihm über seine Pläne.

Ihr erster Wettkampf im Kanuslalom war 1968. Was schätzen Sie am Kanusport?

Die Vielseitigkeit dieser Sportart. Im nicht-oplympischen Bereich gibt es Wanderfahrten, Wildwasser-Touren und natürlich der Slalom und der Rennsport im olympischen Bereich.

Sie waren und sind noch immer aktiv aber eben auch Trainer und Funktionär. Jetzt also Präsident des DKV – da gibt es viel zu tun, oder?

Das ist schon eine Mammut-Aufgabe. Daher war es für mich auch nicht einfach, diesen verantwortungsvollen Posten zu übernehmen. Ich habe es dann gemacht, weil ich wusste, dass ich Rückhalt im Präsidium und in den Landeskanuverbänden habe.

Die Landeskanuverbände haben Sie besonders im Blick. Warum?

Wir wollen den gesamten Verband stärken. Ich würde mir daher eine Verschlankung wünschen. In Rheinland-Pfalz gibt drei einzelne Verbände. Wenn die zusammengehen würden, könnten Sie mehr erreichen. Geschehen ist das bereits mit den beiden Landesverbänden Baden und Württemberg.

Was ist Ihnen als Präsident besonders wichtig?

Ich will ein Präsident der Mitte sein. Ich komme zwar selbst aus dem Leistungssport, will aber die Vereine und den Breitensport stärken. Über diesen Weg können wir dann bereits früh die Kinder erkennen, die vielleicht für den Leistungssport geeignet sind.

Die Olympischen Spiele haben für viele Sportarten nicht die gewünschte Bilanz gebracht. Wie sieht das aus DKV-Sicht aus?

Wir haben sehr hohe Ansprüche. Die Ergebnisse bei den Olympischen Spielen haben unseren Ansprüchen leider nicht genügt. Wir müssen für die Olympischen Spiele in Paris nun hart arbeiten.

Wie kam aus Ihrer Sicht zu dem Leistungsabfall?

Vielleicht wurde den Athleten vor Olympia zu stark das Gefühl gegeben, gut genug zu sein, weil es zuvor viele Weltcup-Erfolge gegeben hat. Die Motivation, um noch einen draufzusetzen hat dann gefehlt.

Was sollte man aus Ihrer Sicht für Spitzenathleten wie Sarah Brüßler aus Kassel tun?

Die Maßnahmen im Leistungssportbereich sind recht gut. Ein zusätzlicher Trainer steht noch auf unserer Wunschliste an das Bundesinnenministerium. Wir haben auch einen neuen Trainer für die Damen eingesetzt, er kommt aus Karlsruhe. Das könnte auch für Sarah von Vorteil sein.

Es gibt viele Hobby-Kanuten. Wollen Sie die auch stärker einbinden?

Wir haben im Deutschen Kanu-Verband 125 000 Mitglieder haben. Eine von uns beauftragte Untersuchung geht allerdings von mindestens 400 000 nicht organisierten Kanuten in Deutschland aus. Einen Teil von denen möchten wir gern einfangen, denn mit deren Beiträgen könnten wir wiederum die gesamte Sportart fördern und auch an der Basis mit mehr Trainern arbeiten.

Wie wollen Sie diese vereinslosen Kanuten ansprechen?

Zuversichtlich stimmt mich die immer noch recht neue Sportart Standup-Paddling. Dadurch werden Menschen auch auf die Vereine und unsere Bootshäuser aufmerksam. Beim Verkauf der Einsteiger-Boards wollen wir Flyer beilegen.

Der Kontakt zur Basis ist Ihnen wichtig. Wie läuft das aus Ihrer Sicht am besten?

Wir haben eine Geschäftsstelle in Duisburg und eine Vielzahl von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Gerade diese Ehrenamtlichen möchte ich besser mitnehmen und einbinden. Dazu müssen wir vom Präsidium stärker an Veranstaltungen teilnehmen und uns die Sorgen anhören. Das was sich die Basis wünscht, sollten wir dann auch umsetzen.

Sie sind selbst noch auf der Fulda unterwegs. Was gab es zuletzt für Erfolge?

Im Stand-Up-Paddling habe ich in diesem Sommer an den Süddeutschen Meisterschaften am Bodensee teilgenommen. Zum Glück bin ich in meiner Altersklasse nicht Letzter geworden. Für mich ist es wichtig, dass ich bei gutem Wetter aufs Wasser gehen kann. Die Freiheit nehme ich mir. (Martin Scholz)

Zur Person
Jens Perlwitz (73) ist Vorsitzender des CSK 98 Kassel und seit einigen Tagen Präsident des Deutschen Kanuverbandes. Der Bettenhäuser ist verheiratet und hat einen Sohn sowie eine Tochter. Bis zu seinem Ruhestand war Perlwitz an der Verwaltungsfachhochschule Rotenburg im Fachbereich Rechtspflege tätig. Der frühere A-Lizenzinhaber fuhr viel Wildwasser-Kajak und ist heute auch im Stand-Up-Paddling aktiv. 

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