Autocross-Fahrerin aus Martinhagen

Das Warten nimmt kein Ende: Jana Ehrlich darf keine Rennen fahren

Jana Ehrlich sitzt auf ihrem neuen Rennfahrzeug vor der heimischen Garage.
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Jana Ehrlich aus Martinhagen hofft, bald wieder Autocross-Rennen fahren zu dürfen: Hier sitzt sie auf ihrem neuen Rennfahrzeug vor der heimischen Garage. Die Saison in diesem Jahr wurde wegen Corona abgesagt.

Ein ganzes Jahr. So lange wartet Jana Ehrlich nun schon darauf, endlich wieder Rennen absolvieren zu dürfen. Die 17-Jährige fährt Autocross, ein Autorennen im Sprintstil.

Martinhagen - Eine Saison hat in der Regel rund neun Wettkämpfe. In diesem Jahr fand gar keiner statt – wegen Corona. Und das bleibt auch erst mal so. „Das ist richtig ärgerlich – für uns alle“, sagt die junge Frau aus Martinhagen, die bei VW eine Ausbildung zur Elektronikerin macht und im zweiten Lehrjahr ist. Immer wieder mal hat sie über ihr Handy Kontakt zu ihren Konkurrenten, von denen einige zugleich auch Freunde sind. Sie alle sind in Wartestellung.

In diesem Jahr stand für Ehrlich eigentlich der Sprung in die Wettkampfklasse 12 an, für Fahrer zwischen 16 und 18 Jahren. Dafür schaffte sie mit ihrem Stiefvater und ebenfalls begeisterten Autocross-Fahrer Torsten Fischer ein neues Fahrzeug an, von Dezember 2019 an bauten sie den Suzuki Swift MK2 GTi ein halbes Jahr lang um. „Das war zuvor ein Rallyeauto mit einem Bügel. Wir mussten allerhand um- und ausbauen – Innenausstattung, Sitze, Motorgetriebe, Kabelbaum, Fahrwerk und Lackierung“, erzählt Fischer. „Bis Februar hat Torsten ständig an dem Wagen gearbeitet und ich immer, wenn ich Zeit hatte“, blickt Ehrlich zurück.

Alle Wettkämpfe wurden abgesagt

Doch dann machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Im April setzte der Deutsche Autocross Verband den Terminplan komplett aus, auch der Westdeutsche Autocross-Verband zog – vorerst bis Ende August – mit. „In Sachsenberg sollte vor zwei Wochen ein Testrennen stattfinden, das war auch genehmigt worden. Weil die Teilnehmer aber alle aus verschiedenen Regionen und Bundesländern kommen, war es den Veranstaltern coronabedingt doch zu heikel“, bedauert Fischer mit Verständnis.

Die Sorge, die Fischer und Ehrlich nun haben, ist, dass der Kauf und Umbau des neuen Wagens umsonst gewesen sein könnte. Denn: Findet auch die Saison 2021 nicht statt, wechselt Jana Ehrlich in den Erwachsenen-Bereich. „Und da wäre der Wagen nicht mehr konkurrenzfähig – ein neues Auto müsste her“, so Fischer. Mit einem neuen Fahrzeug gehen immer Ausgaben einher, der neue Wagen habe insgesamt etwas mehr als 5000 Euro gekostet.

In Uelzen im Einsatz: Nach langer Pause testete Jana Ehrlich ihr neues Fahrzeug.

Am vorletzten Wochenende war dann aber endlich mal so etwas wie Besserung in Sicht: Endlich saß Ehrlich da in ihrem neuen Fahrzeug, endlich durfte sie wieder Gas geben. Gemeinsam mit ihrem Stiefvater und zwei Bekannten ging es für eine Probefahrt zur Rennstrecke nach Uelzen (Niedersachsen). „Das hat mega viel Spaß gemacht, auch wenn ich am Anfang etwas Probleme mit dem Schalten hatte. Die Strecke war top“, sagt Ehrlich.

Trainingsaufwand ist riesig

So konnte sie ihr neues Fahrzeug in Aktion testen und überprüfen, ob alles hält – für den Ernstfall. „Es waren keine Wettkampfbedingungen, dort fährt man nach und nach – vom Audi A8 bis zum kleinen Swift“, erklärt sie. Der Aufwand, für ein Training nach Uelzen zu fahren, ist groß: 250 Kilometer mit Autotrailer und VW-Bus ging es am Freitagnachmittag nach Niedersachsen, samstags folgte die Rückfahrt. Sollte 2021 die Saison Ende Mai starten, gibt es bis dahin nur noch eine übliche Trainingsmöglichkeit. „Das macht nichts. Fahren kann sie“, glaubt Torsten Fischer nicht an einen Wettbewerbsnachteil.

Von Björn Friedrichs

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