100 Teilnehmer beim Herkulesturnier

Degenturnier in Kassel: Fechten wie die Musketiere

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So geht das: Fechtmeister Daniel von der Ahé unterstützt Pauline Glaser.

Kassel – Beim Betreten der Kasseler Olebachhalle ist schnell klar, welche Sportart hier heute im Mittelpunkt steht: Das Klirren der Degenklingen ist nicht zu überhören. Auf zwölf Planchen – wie die Fechtbahnen genannt werden – stehen sich jeweils zwei junge Sportler gegenüber. Wir sind vor Ort beim Herkules-Degenturnier des Fechtclubs Kassel.

In den Altersklassen U11, U13 und U15 – getrennt nach männlich und weiblich – treten 100 junge Fechter an. Matteo Philippi ist einer von 15 Teilnehmern des Ausrichters. Schon lange bevor der 13-Jährige an diesem Tag zu seinem ersten Gefecht antritt, kommt er in der Halle an. Er muss zur Anmeldung bei der Turnierleitung seinen Fechtpass abgeben. Danach geht es zur Waffenkontrolle. Die Kampfrichter überprüfen den Degen, den Ersatzdegen, die Maske und den Handschutz. Danach macht sich Matteo warm. Erst läuft er, dann ficht er mit Vereinskollegen. Und dann heißt es Warten. Warten darauf, dass er ins Turnier starten darf.

Aber wie ist Matteo zu dem ungewöhnlichen Hobby gekommen? „Mit fünf Jahren habe ich mit dem Fechten begonnen, weil ich Ritter und die Musketiere toll fand. Es ist eine andere Sportart als viele andere machen. Ich bin nicht so der Ballsport-Typ“, sagt er. Und wirklich: Beim Blick durch die Halle muss man unweigerlich an die Filme der Musketiere denken. Aber was fasziniert Matteo heutzutage an seinem Sport? „Beim Fechten sind Körper und Geist im Einklang. Man muss strategisch denken und körperlich fit sein.“

Im vergangenen Jahr qualifizierte sich Matteo für die Deutsche Meisterschaft. Das will er auch in diesem Jahr schaffen. Das Herkulesturnier ist eine von fünf bis sechs Veranstaltungen, an denen er Qualifikationspunkte sammelt. Die fünf besten hessischen Fechter jeder Altersklasse qualifizieren sich.

Während Matteo noch warten muss, ist seine Vereinskameradin Pauline Glaser schon mittendrin im Wettkampf. Bevor ihr nächstes Gefecht beginnt, wird sie von ihrer Mutter verkabelt. An der Spitze des Degens der Elfjährigen befindet sich ein Knopf. Wenn Pauline den Gegner trifft, wird dieser eingedrückt und ein Signal über die Kabel an die Anzeigentafel gesendet. Es ertönt ein Geräusch und auf der elektronischen Tafel blinkt ihre Trefferzahl. In der K.o.-Runde gewinnt der Fechter, der als Erster zehn Treffer hat, das Duell dauert aber nicht länger als zweimal drei Minuten.

Pauline liegt schnell 0:2 zurück, dann gestaltet sie das Gefecht aber auf Augenhöhe. Dreimal in Folge treffen beide Fechterinnen gleichzeitig – wenn dies innerhalb einer Viertelsekunde geschieht, bekommen beide einen Punkt. So steht es 3:5, am Ende unterliegt die Kasselerin 6:10. Für Pauline war es das letzte Gefecht, sie beendet das Turnier auf dem neunten Platz. Eine starke Leistung, zumal 15 der 18 Gegnerinnen bis zu zwei Jahre älter sind. So fällt auch das Fazit der Elfjährigen positiv aus. „Es hat heute Spaß gemacht.“

Dann startet Matteo in das Turnier. Wie in den anderen Altersklassen tritt er in der U15 zunächst in einer Vorrundengruppe gegen sieben andere Fechter an. Danach geht es im K.o.-System weiter. Für alle Teilnehmer ist es eine Herausforderung, die Konzentration über den langen Wettkampftag hochzuhalten. Der kann schließlich bis zu fünf Stunden dauern.

Matteo belegt am Ende den 13. Platz. Nach seinem letzten Gefecht holt er seinen Fechtpass ab. Als Erinnerung an das Turnier bleiben ein paar blaue Flecken am Arm. „Aber die gehen schnell wieder weg“, sagt der junge Fechter.

Ergebnisse der Kasseler Fechter:U11 männlich: 7. Platz Joris Guicking, 9. Arseny Tatarov, 11. Jasper Mackensen.

U13 weiblich: 5. Emma Rühl, 9. Pauline Glaser, 17. Jana Dreyer

U13 männlich: 3. Viktor Tatarov, 20. Tom Mock, 25. Aidan Tauscher

U15 weiblich: 11. Franziska Grassewitz, 15. Emma Rühl, 16. Mathilda Lauerwald

U15 männlich: 6. Moritz Glaser, 12. Remi Leon Peters, 13. Matteo Philippi.

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