Interview mit Ex-Bundesligatrainer Dragoslav Stepanovic

Interview über die Arbeit mit beeinträchtigten Fußballern: „Die ehrlichsten Menschen“

Engagiert sich sozial: Seit 2013 ist der ehemalige Bundesliga-Trainer Dragoslav Stepanovic für die Hessenauswahl für Menschen mit Beeinträchtigungen zuständig. Foto:  dpa

Kassel. Dragoslav Stepanovic spricht im Interview über seine Arbeit als Trainer der Hessenauswahl des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes, die Gründe, warum er den Posten übernommen hat, und seine Zukunftspläne.

Herr Stepanovic, kennen Sie eigentlich Kassel? 

Dragoslav Stepanovic: Ich stand in meiner aktiven Zeit als Spieler einige Male in Kassel auf dem Platz und kenne das Stadion, die Stadt selbst aber weniger.

Seit 2013 sind Sie Trainer der Landesauswahl beim Hessischen Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband. Wie ist es dazu gekommen? 

Stepanovic: Der Geschäftsführer hat mich angerufen und gefragt. Dann habe ich mich mit ihm zu einem Gespräch getroffen. Das Projekt hat mir gefallen. Ich bin von klein auf sozial eingestellt. Zu meiner aktiven Zeit als Spieler habe ich manchmal Fans bei mir übernachten lassen, die keinen Schlafplatz hatten.

Ich möchte mit meiner Arbeit Menschen helfen, die es verdienen, neben uns in unserer Gesellschaft einen Platz zu haben. Manchmal schämen sich die eigenen Familien, wenn jemand eine Beeinträchtigung hat, und diese Menschen kommen kaum aus dem Haus. Das möchte ich ändern. Ich bin aber noch nicht zufrieden. Es gibt viele, die den Weg zu uns noch nicht gefunden haben.

Was macht die Arbeit mit diesen Menschen aus? 

Stepanovic: Das sind die ehrlichsten Menschen, die es gibt. Wenn man etwas fragt, bekommt man eine ehrliche Antwort. Sie können gar nicht lügen. Das ist in unserer Gesellschaft heute selten geworden. Ich bekomme auch das Feedback von Firmen, bei denen meine Spieler arbeiten, dass sie durch den Fußball fröhlicher und engagierter sind. Die gleiche Rückmeldung kommt von den Familien. Durch den Sport werden sie zu ganz anderen Menschen, sind lernfähiger.

Wie oft trainieren Sie die Auswahl im Jahr? 

Stepanovic: Bevor ich Trainer wurde, hat sich die Auswahl sieben Mal im Jahr getroffen. Durch Sponsoren, die meine Arbeit gesehen haben, sind es jetzt 27 Termine. Wir sehen uns dann nicht nur einen Tag, sondern meistens ein ganzes Wochenende – zwei Trainingseinheiten pro Tag und ein Testspiel.

Beim Training lege ich viel wert auf die Grundlagen: Annahme, Abgabe und Kopfball. Gerade beim Kopfball ist es bei meinen Spielern manchmal so, als würde von oben etwas Unerwartetes auf sie zukommen, und der Ball geht irgendwohin.

Haben Sie die Arbeit bei einem Profiverein schon abgeschrieben? 

Stepanovic: Nein, ich würde gerne noch einmal eine Nationalmannschaft trainieren. Da ich das bis jetzt aber noch nicht gemacht habe, bin ich nicht in dem Trainer-Pool, der angefragt wird. Das Türchen lasse ich mir aber immer offen. Ansonsten interessiert mich der Job des Jugendkoordinators, wo ich mein Wissen an junge Trainer weitergeben kann. So lange aber kein Angebot kommt, mache ich meinen Job. Mich freut es, dass es meinen Spielern Spaß macht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.