Sie haben es ohne Training besonders schwer

Die Sehnsucht der Handball-Torhütern nach Paraden

Mit vollem Einsatz: Vellmars Torwart Christian Gumula (hier gegen Bruchköbels Milos Kreckovic) fehlen das Training und die Spiele.
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Mit vollem Einsatz: Vellmars Torwart Christian Gumula (hier gegen Bruchköbels Milos Kreckovic) fehlen das Training und die Spiele. Archiv

Wie halten sich Handball-Torhüter in Corona-Zeiten ohne Mannschaftstraining fit? Wir haben bei Keepern der Region nachgefragt.

Kassel – Handball-Torhüter zeichnen sich durch blitzschnelle Reflexe und gutes Stellungsspiel aus, kennen die Wurfbilder der gefährlichsten Konkurrenten. Natürlich müssen sie auch Kondition haben, aber die wahren Laufwunder sind sie allgemein nicht. Fit halten in Zeiten von Corona ist das eine, aber wie sichern sich die Keeper ihre speziellen Fähigkeiten?

Christian Gumula

„Ohne das Tor, ohne einen Spieler, der auf dich zustürmt, ohne das Gefühl urplötzlich gefordert zu sein, nützt das ganze Training dem Torwart nichts“, sagt Christian Gumula, der Keeper des Oberligisten TSV Vellmar, es ganz deutlich. „Man kann vieles versuchen, verrückte Ideen entwickeln, aber für den Ernstfall ist das nicht genug.“ Der 35-Jährige hält sich mit Laufen fit, macht Kraftübungen und spielt mit seinen Söhnen Tischtennis oder mit dem Softball. Gumula hat sich die „Handplatten“ von Mattias Anderson, Torwart des Bundesligisten THW Kiel, zur Augen-Hand-Koordination angeschafft: „Das ist schon gut, aber noch mal, es ist alles kein Ersatz für echtes Training in der Halle mit der Mannschaft.“ Gumula hofft, dass es im Herbst mit der Saison 2021/22 weitergeht, „aber wir müssen rechtzeitig ins Training können, nach so einer langen Zwangspause ist die Verletzungsgefahr sehr groß“.

René Hüsken

Der frühere Zweitliga-Torwart hatte seit März 2020 Bandscheibenprobleme und kann erst jetzt wieder trainieren. „Bei mir lief da gar nichts und ich habe erstmal das Papa-Tochter-Dasein genossen“, sagt der 39-Jährige, Tochter Mara ist acht Monate alt. Aktuell beschränkt sich Hüsken auf das Fahrradfahren als sportliche Betätigung und macht seine krankengymnastischen Übungen. „Natürlich ist die Situation ohne spezielles Training ausgesprochen schlecht“, sagt Hüsken, der beim Landesligisten VfB Viktoria Bettenhausen spielt. „Aber ich kann mich bei meiner Erfahrung auf meine Reflexe verlassen. Und wenn es im Herbst wieder losgehen sollte, dann haben wir vorher sicher genug Zeit, um wieder reinzukommen.“

Katja Zeller

Für Katja Zeller, die beim Landesligisten TSV Vellmar als Torfrau-Trainerin und Standby-Keeperin eingeplant war, hat Corona ihre sportliche Situation völlig umgekrempelt. Wenn es im Sommer wieder losgehen sollte, dann ist sie nicht mehr dabei. „Der neue Job, Kind und Kegel und noch Handball, das bekomme ich doch nicht mehr unter einen Hut“, sagt die 36-Jährige. Also war Training für sie nicht mehr angesagt, das eigentliche Problem in Coronazeiten sieht die erfahrenen Keeperin aber natürlich trotzdem. „Man kann sich allgemein fit halten und versuchen, beim Joggen gewisse Übungen mit einzubauen, um die Reflexe zu schulen“, sagt Katja Zeller. Aber echtes Torwarttraining in der Halle sei einfach nicht zu ersetzen.

Max Henkel

Der 28-jährige Keeper des Landesligisten HSG Baunatal hat sich im Keller einen kleinen Kraftraum eingerichtet. „Da kann ich Krafttraining machen, dazu laufe ich hin und wieder“, sagt Henkel. Außerdem habe er bei Internet-Workouts mitgemacht. Und mit der Koordinationsleiter gearbeitet, „ansonsten ist es schwer, etwas zielgerichtet für Torhüter zu tun“. Seit einiger Zeit erlaubt die Stadt Baunatal die Hallennutzung in Zweiergruppen. „Das ist dann schon etwas anderes, wenn man da mit dem Ball und einem Mannschaftskollegen arbeiten kann“, sagt Henkel. Anfangs habe er aber schon die Defizite des fehlenden speziellen Trainings gemerkt.

Franziska Brückmann

Die Torhüterin des Bezirksoberligisten SVH Kassel hat am 17. Oktober 2020 zum letzten Mal im Kasten gestanden, beim 31:18 ihres Teams über die SHG Hofgeismar/Grebenstein. Eines der wenigen Spiele im Amateurhandball der Saison 2020/21. Seitdem gibt es auch für sie Training über Zoom, das Coach Vanessa Künzli anbietet. „Dazu mache ich noch meine Homeworkouts auf der Fitnessmatte, gehe viel spazieren und versuche, mir so meine Beweglichkeit zu erhalten“, sagt die 27-Jährige. Ein echter Ersatz für das Training mit der Mannschaft in der Halle sei das aber nicht, spezifisches Training für Torleute könne man eben allein kaum machen, so Brückmann. Sollte es im Herbst einen Start in eine Saison 2021/22 geben, „dann ist es zwingend notwendig, dass wir nach der langen Pause auch eine lange Vorbereitungsphase haben“. (Peter Fritschler)

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