Wie heimische Handballer mit der erneuten Zwangspause umgehen

„Die Situation ist zermürbend“

Tim Räbiger (Mitte) von Oberligist TSV Vellmar wird ein weiteres Mal durch eine coronabedingte Unterbrechung gestoppt.
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Ausgebremst: So wie Tim Räbiger (Mitte, in einem früheren Spiel gegen Pohlheim) von Oberligist TSV Vellmar werden die Handballer in den verschiedenen Spielklassen ein weiteres Mal durch eine coronabedingte Unterbrechung gestoppt.

Kassel – Bevor die Saison im heimischen Handball richtig begann, war sie bereits wieder ausgesetzt. Wir fragten in verschiedenen Spielklassen nach, wie Klubs und Sportler damit umgehen.

Oberliga

„Die Situation ist für einen Sportler nicht zufriedenstellend, aber die Gesundheit geht vor“, sagt Gordon Hauer, sportlicher Leiter des TSV Vellmar. Die Vellmarer hatten schon vor dem Lockdown das Training bei allen Mannschaften ausgesetzt, von der Oberliga bis zur Jugend. Für junge Leute, die sich beim Sport bewegen wollen und müssen, sei die Situation, in der lediglich individuelles Training möglich ist, besonders schlecht. „Ich bewundere die Trainer, die es trotz allem schaffen, Spielerinnen und Spieler immer wieder zu motivieren“, sagt Hauer.

Chris Ludwig trainiert die Oberliga-Handballerinnen der HSG Hoof/Sand/Wolfhagen. „Es war ja nach dem ersten angesetzten Spieltag schon klar, dass es so nicht weitergehen kann“, sagt er. „Trotzdem war es ein kleiner Schock, als jetzt gar nichts mehr ging.“ Kein Training, keine Spiele, da sei es schwer, die Motivation im Team aufrecht zu halten. „Ich bin froh, dass alle mitziehen und für sich selbst etwas tun“, so Ludwig. Über die Mannschafts-App hat der Trainer Videos verschickt, so hält man sich auf dem Laufenden.

Landesliga

„Als Aufsteiger hatten wir uns auf die Saison bestimmt noch mehr gefreut als andere Mannschaften. Zudem ist es besonders schade, dass nicht gespielt wird, weil wir auch körperlich in toller Verfassung waren“, sagt Jessica Klinke von der HSG Baunatal. Schwer findet sie es, die Motivation dennoch auch jetzt hochzuhalten. „Man weiß halt nicht, wann es losgeht. Das Ziel ist immer wieder weg.“ Gemeinsam versuchen die Baunatalerinnen, die Enttäuschung aufzufangen. „Wir haben uns zusammengesetzt und darüber geredet, uns über die Situation ausgetauscht.“ Mit Trainingsplänen wolle sich das Team nun individuell fit halten und ab den Winterferien wieder intensiver trainieren. „Und wir treffen uns virtuell. Das stärkt die Motivation.“

„Die Unterbrechung ist enttäuschend. Aber sie war richtig, und jetzt müssen wir damit leben“, sagt Co-Trainer Jendrik Janotta von der HSG Fuldatal/Wolfsanger. Einen Einwand bringt er dennoch an: „Mitte September waren die Infektionszahlen nicht so schlimm. Da hätte man schon mal zwei oder drei Spieltage durchziehen können.“ Schon als die Absage zum Spiel beim TV Hersfeld kam, sagt Janotta, „war in den Augen der Spieler eine gewisse Leere zu sehen. Das hat Frust ausgelöst“. Was handballerisch durch die Unterbrechung möglicherweise auf der Strecke bleibe? „Das Tempospiel und andere Bewegungsformen. Das kann man durch Läufe oder Intervallsprints nicht simulieren. Und das Gefühl für die Abläufe, wie man Situationen richtig erfasst“, erklärt Janotta.

Bezirksoberliga

„Das war die längste Saisonvorbereitung meines Lebens“, sagt Florian Waßmann. Und das will etwas heißen, denn der Torhüter der HSG Zwehren/Kassel ist 43. Obwohl er die Situation als „zermürbend“ empfindet, übt er sich in Gelassenheit. „Was einem ohne Handball fehlt, merkt man erst in so einem Moment. Aber ich habe ja schon viel erlebt, für die Jüngeren ist das sicher noch schlimmer.“ Eines weiß Waßmann bei aller Ungewissheit um den Neustart genau: „Aufhören will ich so nicht. Nicht mit solch einer nicht vorhandenen Saison.“

Seit Februar ist Carina Löber am Daumen verletzt. Und hatte daher auch nicht beim Sieg der HSG Lohfelden/Vollmarshausen in Ederbergland mitwirken können – einer der wenigen Partien, die stattfanden. Umso mehr hatte sie gehofft, nun endlich loslegen zu können. Daraus wird zunächst nichts. „Wir hatten ja eine sechsmonatige Vorbereitung. Die hat sich ewig gezogen. Umso enttäuschender ist das jetzt alles“, sagt sie. Hängen lassen wird sie sich nicht, auch wenn die Hallen zu sind und kein richtiges Training möglich ist. „Jetzt müssen wir eben noch disziplinierter werden, um fit und am Ball zu bleiben. Sollte es im Januar losgehen, brauchen wir aber drei bis vier Wochen Vorlauf.“

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