Diese Fußballer aus der Region halten ihrem Verein schon lange die Treue

400 Spiele für Korbach: Christoph Osterhold. Foto: zmp

Kassel. Ein Leben lang bei einem Fußball-Klub – geht nicht? Geht doch. Zuletzt wurde immer mal wieder auch über fehlende Vereinstreue diskutiert.

Willi Nebe, der Sportliche Leiter von Hessenligist KSV Baunatal, meinte sogar, dass nur vier von 100 Spielern langfristig bei ihren Klubs bleiben. Wir haben uns in der Region umgeschaut und sind auf einige Fußballer gestoßen, die schon eine halbe Ewigkeit für ein und denselben Klub spielen.

Timo Rudolph und Sascha Beetz (beide 33 Jahre, beide Melsunger FV 08):  Seit August 1989 ist Torwart Beetz für den MFV 08 spielberechtigt. Im Alter von sieben Jahren kam er zum Traditionsklub – und da ist er bis heute noch. „Sicher, es gab auch mal Anfragen anderer Klubs. Ich hatte aber nie wirklich einen Grund für einen Wechsel“, erklärt der langjährige Verbandsliga-Schlussmann, „wir haben immer in einer ordentlichen Klasse gespielt, und außerdem wohne ich nur 300 Meter vom Sportplatz entfernt.“

Nur einige Monate nach Beetz stieg auch Rudolph beim MFV ein, der ähnliche Erfahrungen wie sein gleichaltriger Mitstreiter machte: „Wir hatten über viele Jahre immer einen Kern von mehreren Spielern. In diesem Umfeld fühle ich mich wohl, es sind Freundschaften entstanden.“ Seit Dezember 2014 fungieren der Verteidiger und der Schlussmann als Spielertrainer.

Rainer Preisinger (50 Jahre, SG Haselgrund):  Mit zehn Jahren fing der Junge aus Schwarzenhasel bei seinem Heimatklub im Kreis Hersfeld-Rotenburg an. Das war 1975. Selbst mit 50 spielt Preisinger jetzt noch für die Reservemannschaft der SG. Vom Niveau her hätte Preisinger die eine oder andere Klasse höher spielen können. „Manchmal“, erzählt der 50-Jährige, „sagt man sich schon: Ich hätte es ruhig probieren können.“ Enttäuscht ist er allerdings auch nicht, dass er den Schritt zu einem anderen Verein nicht gemacht hat: „Es hat mir immer Spaß gemacht, einige Spieler waren über viele Jahre Weggefährten. Außerdem habe ich die erfolgreichen Zeiten miterlebt.“ Sein Können demonstrierte er unter anderem in der damaligen Bezirksoberliga. Preisinger hilft nicht nur in der zweiten Mannschaft aus, sondern ist Vorsitzender der SG Haselgrund.

Gerd Hainmüller (37 Jahre, TSV Mengsberg):  Vor ein paar Wochen wurde Hainmüller vom TSV ausgezeichnet. Achtung, bitte festhalten: für 500 Punktspiele in der ersten Mannschaft. Seine Verbundenheit zu diesem einen Klub hat einen einfachen Grund: „Viele meiner Freunde sind hier. Zudem wird Zusammenhalt in Mengsberg groß geschrieben.“ Zurzeit fällt Hainmüller wegen einer muskulären Verletzung aus. Dennoch ist er eine feste Größe im TSV. „Er macht einen richtig fitten Eindruck und hat zu dieser Spielzeit wieder den Sprung in die Erste gepackt“, lobt auch Mengsbergs Sportlicher Leiter Martin Kubitschko den Routinier.

Pascal Krauss (32 Jahre/VfL Kassel):  Der Kasseler spielte schon mal im A-Jugend-Alter für den VfL. Nach kurzen Gastspielen beim FC Großalmerode und beim TSV Rothwesten kehrte er 2003 an den Hochzeitsweg zurück – und blieb. „Wegen des guten Gemeinschaftsgefühls“, berichtet der Gruppenliga-Kicker. „Mittlerweile habe ich einen gewissen Status im Team und bin zum Beispiel seit drei, vier Jahren Kapitän. Das will man nicht mal eben aufgeben.“

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Christoph Osterhold (32 Jahre, TSV/FC Korbach):  Am kommenden Sonntag stehen bei den Korbachern Ehrungen auf dem Programm. Christoph Osterhold, seit vielen Jahren Korbachs Top-Torjäger, trug 400 Mal das Trikot der Mannschaft aus dem Hauerstadion. Neben ihm werden noch sein Bruder Jan Hendrik und Matthias Rösner, die sogar noch einige Begegnungen mehr für die Waldecker bestritten haben, ausgezeichnet. Christoph Osterhold erlernte bei den F-Junioren der Korbacher das Fußball-Einmaleins und hat seitdem grob geschätzt mehr als 600 Treffer für diesen Verein erzielt. Vorübergehend stand er in Diensten des KSV Hessen. „Als ich den wieder verließ, gab es für mich nur ein Ziel: den TSV Korbach. Das ist mein Heimatverein“, erklärt Osterhold, der aus einer goldenen Generation stammt. Viele gute Fußballer aus diesem Team kamen Anfang der 80er-Jahre zur Welt. „Immer eine Freude“, ergänzt der 32-Jährige, „mit diesen Jungs zu spielen.“

Seit 25 Jahren beim Melsunger FV Seite an Seite: Timo Rudolph (links) und Sascha Beetz. Foto: Kasiewicz

Hannes Drube (32 Jahre, Tuspo Grebenstein).  Hannes Drube ist in Grebenstein aufgewachsen, lebt in Grebenstein, arbeitet in Grebenstein und spielt seit Menschengedenken in Grebenstein Fußball. „Ich war sechs Jahre alt, als ich mein erstes offizielles Spiel in der Grebensteiner F-Jugend absolviert habe“, sagt Drube. Später war der Innenverteidiger so gut, dass ihn sogar der KSV Hessen haben wollte, aber Hannes Drube wollte seine Mitspieler, die gleichzeitig seine Freunde waren, nicht im Stich lassen. Schon gar nicht, als der Tuspo aus der Verbandsliga in die Gruppenliga abgestiegen war. „Wenn ich damals gegangen wäre, hätte es womöglich Auflösungserscheinungen gegeben“, sagt Drube. Der ist mittlerweile der älteste Spieler der Grebensteiner Mannschaft. Die Verbundenheit mit dem Verein aber wird immer bleiben. Ein paar Jahre will Hannes Drube noch spielen. Für den Tuspo Grebenstein.

Von Björn Mahr

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