Jubel beim Freizeitklub

Dynamo Windrad feiert ersten Aufstieg seit 25 Jahren

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Sie können auch feiern: Die Dynamos mit (hinten von links) Johannes Brunnengräber, Lukas Vorwerk, Thorsten Bodenbach, Andi Friedlein, Nikolas Teschauer, Johannes Thielmann, Nadim Natour, Kilian Stroh, Focko Pieper, Steve Thomas, Julian Haase, (mittlere Reihe von links) Lukas Dessoy, Markus Kraiczy, Patrick Zenner, Florian Mirwald, Dominic Ochs, Johannes Rangel Gonzales, Julian Latka, Jannick Müller, Leonardo Zlotos, Alan Monetha sowie (vorn) Maher Abdu.

Kassel. Dynamo Windrad ist alles, nur kein normaler Fußballverein. Nun ist der FSC zum ersten Mal seit 25 Jahren aufgestiegen - in die Kreisliga A. 

Es ist die Mannschaft eines Freizeitsportklubs. FSC Dynamo Windrad. Mit einem stattlichen Durchschnittsalter von über 32 Jahren. Trotzdem sind die Fußballer Meister und steigen mit dem tollen Torverhältnis von 139:14 in die Kreisliga A auf – der erste Aufstieg seit 25 Jahren. Was steckt hinter dem Erfolg des FSC Dynamo Windrad?

Leicht fiel der Aufstieg nicht. „In der Winterpause lagen wir acht Punkte hinter der Spitze. Zwei Spiele hatten wir verloren, drei Punkte wurden uns wegen nicht erfüllten Schiedsrichtersolls abgezogen“, berichtet Teammanager und Spieler Yannick Müller. Doch in 2018 gab die Mannschaft des Trainergespanns Leonardo Zlotos und Steve Thomas keinen Zähler mehr ab. Vor dem letzten Spieltag lagen die Kasseler gleichauf mit der SG Ahnatal II vorn. „In der Nacht vor dem Spiel haben wir ganz schlecht geschlafen. Und nach dem Sieg haben wir gefeiert wie mindestens seit 15 Jahren nicht mehr“, sagt Müller. Da drehten die Dynamos am Windrad.

Souverän holte das Team den Titel mit einem 3:0-Sieg. Der 39-jährige Torschützenkönig Nadim Natour steuerte seine Saisontreffer 37 und 38 bei, der frühere Kaufunger Steve Thomas traf einmal. Ein Zufallsprodukt ist der Titel nicht. „Wir waren Dreizehnter, Zehnter, Siebter, Dritter und zuletzt Zweiter. „Der Aufstieg war schon unser Ziel. Irgendwann musste es mal so weit sein“, sagt Müller. Und das, obwohl der Verein nicht nur sportliche Ziele verfolgt. 1982 in der links-alternativen Szene gegründet, sah sich Dynamo Windrad immer auch als Gegenmodell.

Nach der zunächst verweigerten und erst nach dem Mauerfall erteilten Anerkennung durch den Hessischen Fußballverband nahm der Klub den Spielbetrieb auf. Welche Rolle spielen die Ideale heute noch? „Eine ganze Menge. Der Dynamo-Spirit lebt. Es gibt keinen Leistungsdruck. Wir sind nicht verbissen, nehmen alles nicht so ernst und haben viel Selbstironie“, sagt Müller. Alle Spieler würden eingesetzt, nicht unbedingt leistungsbezogen. Zudem halten die Dynamos das Fairplay hoch. „Alle unsere Mannschaften liegen in der Wertung vorn“, betont Müller. So sammelte die erste auf dem Weg zum Titel nur neun Gelbe Karten.

Bedenken angesichts der Herausforderung Kreisliga A hat der Verein nicht. Obwohl es womöglich Grund dazu gäbe. Unter anderem wegen des hohen Durchschnittsalters. „Na ja, wir könnten einige neue, junge Spieler schon ganz gut gebrauchen. Unsere zweite Mannschaft könnte der nötige Jungbrunnen sein“, ist sich Müller des Problems bewusst. Weniger Sorgen macht ihm eine andere Auffälligkeit. Die Dynamos gewannen alle Partien auf Gegners Platz, verloren aber zweimal zuhause. Was tun also gegen den Heimfluch? „Den gibt es nicht. Das war nur Zufall“, ist Müller sicher. Und ergänzt scherzhaft: „Vielleicht gingen diese Spiele auch verloren, weil ich nicht dabei war.“

Sollte sich das Team später an den Triumph erinnern wollen, hilft ein Werk von Julian Haase. Der Abwehrspieler schildert die Saison in einer literarischen Kurzgeschichte. „Natürlich ist sie dramatisch“, sagt Jannick Müller, „aber auch“, wie könnte es bei Dynamo Windrad anders sein, „selbstironisch.“

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