Christian Wolf nach elf Jahren in Los Angeles vorübergehend zurück

Ein Hauch von Hollywood in Vellmar

Mit seinem Aufnahme-Set kann der Schauspieler Christian Wolf im Vellmarer Stadion Texte einsprechen, wenn er nicht als Fußballer Christian Wolf auf dem Rasen steht.
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Mit seinem Aufnahme-Set kann der Schauspieler Christian Wolf im Vellmarer Stadion Texte einsprechen, wenn er nicht als Fußballer Christian Wolf auf dem Rasen steht.

Elf Jahre lang war er weg. Weit weg. Mehr als 9240 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Kassel und Los Angeles in Kalifornien. Dorthin hatte es Christian Wolf, den früheren Hessenliga-Fußballer von KSV Baunatal und OSC Vellmar verschlagen. Die Traumfabrik Hollywood hatte den damals 22-Jährigen gelockt, Schauspieler wollte er werden. Seit einigen Wochen ist er zurück.

Nicht nur in der Region, sondern auch auf dem Platz.

Die Rückkehr

Hatte er der Heimat bisher meist immer zu Weihnachten einen Besuch abgestattet, so ist Wolf nun bereits ein Dreivierteljahr hier. In Corona-Zeiten dauerten Formalitäten bei der Verlängerung seines Visums länger als gewohnt. „Daher musste ich die USA vorerst verlassen“, berichtet der 33-Jährige. Wobei das Ankommen hier nicht leichtfiel. „Beim Weggehen hätte ich nicht damit gerechnet, plötzlich wieder nach Kassel geschossen zu werden. Erst fühlte es sich an wie im Urlaub, dann war es für mich nichts Halbes und nichts Ganzes“, erklärt Wolf. Inzwischen hat er sich arrangiert. Könnte es sein, dass er gar nicht mehr in die USA zurückwill? „Das will ich trotzdem, habe mir jedoch vorgenommen, öfter mal hier zu sein.“ Aber, ergänzt er, „ich wollte immer weg und meiner Passion nachgehen. Jetzt habe ich Deutschland und Europa neu schätzen gelernt.“

Der Werdegang

Nach seiner Schauspielausbildung in Los Angeles wirkte Wolf in zahlreichen, in Deutschland weniger bekannten Serien und Filmen auch aus dem Independent-Bereich mit. Wie es läuft? „In diesem Geschäft ist es wie bei Ebbe und Flut, eine ständige Achterbahnfahrt der Gefühle mit jeder Menge Nervenkitzel. Aber ich komme gut klar“, sagt er. Wobei die Corona-Pandemie ihm auch Vorteile brachte, zumal er Sprach-Schauspiel sowie Synchronisation ins Englische und ins Deutsche betreibt. „Ich war früh dran mit meinem Home-Set-Up, also der Möglichkeit, Texte sprechen und aufnehmen zu können“, sagt er. Besagte Ausrüstung – Laptop mit spezieller Software, Mikrofon, Pop-Filter und Kopfhörer – ermöglicht es ihm, überall seinem Beruf nachzugehen. Wenn es sein müsste, sogar auf der Tribüne des Vellmarer Stadions. Zumal er das Trikot der OSC -Reserve trägt.

Der Fußball

Matthias Hartwig, Co-Spielertrainer des OSC II, hatte von Wolfs Anwesenheit erfahren. „Matze hat dann gefragt, ob ich nicht wieder kicken will“, sagt Wolf. Er fand Gefallen an der Idee seines früheren Mitspielers. Und kam zum Training des Gruppenligisten. „Ich hatte ja drüben auch gespielt. Aber nicht regelmäßig und strukturiert, sondern in Kleinfeldligen des unteren Bereichs“, berichtet er. Rasch stellte sich heraus, dass der OSC ihn gut gebrauchen kann. „Die Technik verlernt man ja nicht. Aber die Spielpraxis fehlt, in entscheidenden Situationen muss ich souveräner werden“, betont er. Co-Spielertrainer Christian Guthof und eben Hartwig kennt Wolf noch von früher. Oft werden Fußballer bezichtigt, auf dem Platz zu schauspielern. Ist er somit im Vorteil? „Nee, ich war noch nie jemand, der viel geschwalbt hat“, lacht er und fügt an: „Ich wurde ohnehin so oft gefoult, ich musste gar nicht so tun als ob.“

Die Perspektive

Nicht immer wird Wolf dem OSC zur Verfügung stehen. „Ich versuche schon, ein bisschen rumzukommen und bin oft in Berlin oder Hamburg, wo meine Freundin lebt“, sagt er und ergänzt: „Sie kenne ich eigentlich aus Los Angeles, aber erst hier haben wir uns wiedergetroffen und zusammengefunden. Ohne die Probleme mit dem Visum wäre das nicht passiert.“ Fast schon ein Filmstoff. Immerhin ist die Aufenthaltserlaubnis inzwischen erteilt. Früher oder später spielt Wolf dann nicht mehr beim OSC Vellmar, sondern wieder in den Studios von Hollywood. „Ich habe schon auch mächtig Heimweh nach LA.“ (Wolfgang Bauscher)

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