Was war denn da los?

Ein Tor von Tor zu Tor: Wolfsangers Torwart erzielt 1:0 per Abschlag

So in etwa muss es gewesen sein: Björn Aschenbrenner von der Reserve des TSV Wolfsanger traf vom eigenen Kasten in den gegnerischen. Foto: Fischer

Kassel. Wenn Torhüter selbst Tore erzielen, dann meistens per Elfmeter – so wie Hans-Jörg Butt in der Bundesliga. Eine Spezialität von José Luis Chilavert aus Paraguay waren Freistöße. So schoss er mehr als 60 Tore in seiner Karriere – als Torwart.

Und wenn ein Team in der Schlussphase zurückliegt, geht der Rückhalt gern mal mit in den gegnerischen Strafraum. So machte Jens Lehmann einst das 2:2 für Schalke gegen Dortmund. Aber ein Treffer eines Torhüters zum 1:0 in der 25. Minute aus dem Spiel heraus?

Das gelang am vergangenen Wochenende Björn Aschenbrenner, Torwart der zweiten Mannschaft des TSV Wolfsanger, in der Kreisliga A gegen die TSG Wilhelmhöhe II. Der 35-Jährige schildert das so: „Ich habe einen Ball abgefangen und wollte das Spiel schnell machen. Mein Abschlag ist zwei, drei Mal aufgetippt. Dann war er drin.“

Im ersten Moment sei er sprachlos gewesen. Dann kamen seine Mitspieler auf ihn zugestürmt. Noch überraschter war aber Aschenbrenners Trainer Stefan Werner. Lange Abschläge seien eigentlich nicht die Spezialität seines Torwarts, sagt er. „Die kommen sonst bis zur Mittellinie. Eigentlich ist das auch gar nicht unser Spielsystem. Wir versuchen, flach von hinten heraus zu spielen“, erklärt der 36-Jährige. Deswegen habe er das Tor zunächst gar nicht wahrgenommen. „Ich hatte den Blick erst auf die Mitte des Spielfelds gerichtet, weil ich den Ball da erwartet habe.“

Sauer war Werner aber nicht, dass sein Schlussmann die Vorgaben nicht umgesetzt hatte. „Lange Bälle kommen ja oft postwendend zurück. Das 1:0 war aber wichtig für uns. Der Gegner war gerade zu Beginn stärker. Nach dem Tor haben wir dann besser ins Spiel gefunden“, sagt der Trainer. Und wirklich: Vor der Pause legten Aschenbrenners Kollegen noch das zweite und dritte Tor nach. Am Ende stand ein ungefährdetes 5:0 für Wolfsanger II.

Verständnis für den Fehler des gegnerischen Torhüters zeigten aber sowohl Werner als auch Aschenbrenner. Der Platz sei knüppelhart gewesen und der Ball dadurch weit nach oben abgesprungen. Das sah auch der Wilhelmshöher Torwart Johannes Jansen ähnlich: „Ich habe in die Sonne geguckt und den Ball gar nicht mehr gesehen. Durch den Platz springt der dann noch in Richtungen, in die er normalerweise nie springen würde.“ Im ersten Moment ein reines Ärgernis, habe er später dann darüber lachen können.

Und was nun? Aschenbrenner in den Sturm? Der sagt selbst: „Eigentlich habe ich in dieser Saison ja eine 100-Prozent-Quote: ein Spiel, ein Tor.“ Sein Trainer ist da aber anderer Meinung: „Björn bleibt im Tor. Er ist unsere Nummer eins und bleibt unsere Nummer eins.“

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