Wie der Espenauer 1997 Andreas Köpke überwand

Jörg Odensaß und sein Treffer gegen die DFB-Elf

Jahre später: Espenaus Spielertrainer Jörg Odensaß (vorn im roten Trikot) behauptet 2015 den Ball in einem Kreisoberliga-Spiel gegen Grebenstein.
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Jahre später: Espenaus Spielertrainer Jörg Odensaß (vorn im roten Trikot) behauptet 2015 den Ball in einem Kreisoberliga-Spiel gegen Grebenstein.

Meist geht es in unserer Serie „Unvergessliche Momente“ um große Siege, manchmal um große Niederlagen. Nicht so bei Jörg Odensaß, dem Ex-Torjäger des OSC Vellmar und FSC Lohfelden. Denn das Ergebnis war zweitrangig. Was für den damals 19-Jährigen zählte, war das Spiel selbst. Wann bietet sich schließlich einmal die Chance, gegen die deutsche Fußballnationalelf anzutreten?

Odensaß spielte 1997 für den kurz vor dem Konkurs stehenden FC Hessen Kassel, Nachfolger des einstiegen und Vorgänger des heutigen KSV Hessen Kassel. Seit mehreren Jahren lief er bereits für Auswahlmannschaften des hessischen Verbandes auf. Dann flatterte plötzlich die Einladung zu einem Freundschaftsspiel ins Haus. Nicht gegen irgendeinen Gegner, sondern die DFB-Elf. Mit Spielern wie Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff und Jürgen Kohler. Ein Jahr nach dem Gewinn der Europameisterschaft und kurz vor dem WM-Qualifikationsspiel in der Ukraine wollte Trainer Berti Vogts noch einmal testen.

„Das war eine tolle Sache. Gegen solche Leute spielst du nur einmal im Leben. Wenn überhaupt“, sagt der als Betriebsleiter Vertrieb bei der Continentale BKK beschäftigte Odensaß heute. Auch 13 000 Zuschauer und die Atmosphäre auf dem Bieberer Berg in Offenbach machten die Partie zum unvergesslichen Erlebnis. Im Hessichen Fernsehen wurde sie zudem live übertragen. Und als ob das alles noch nicht reichte, schoss der inzwischen 42-Jährige in der 73. Minute gegen Schlussmann Andreas Köpke auch noch das Ehrentor zum 1:6-Endstand. Nach einer Flanke stand er wie so oft in seiner weiteren Karriere goldrichtig und traf mit dem rechten Fuß. „Das war für mich das Sahnehäubchen“, sagte er damals, und das sieht er heute noch genauso.

Nach dem Spiel fragten Lehrer und Mitschüler – Odensaß stand im Abitur – nach, wollten wissen, wie es gewesen sei. „Aber damals gab es ja noch keine Handys und Sozialen Medien. Der Hype war also längst nicht so groß, wie er heute wäre. Jetzt könnte ich mich vor Sprüchen und Kommentaren kaum retten“, sagt der 42-jährige Jugendleiter des Kreisoberligisten SV Espenau und fügt an: „Was das Spiel für mich bedeutete, ist mir eigentlich erst viel später klar geworden.“

Immerhin brachte der Torjäger ein Trikot mit nach Hause: „Das von meinem Vorbild Mario Basler, der danach nicht mehr mein Vorbild war, habe ich nicht bekommen. Aber in der Kabine lag noch eins rum, das habe ich eingepackt. Es hat die Nummer 16.“ Wer das Trikot trug, war für Odensaß zunächst nicht von besonderer Bedeutung. Erst die jetzige Nachfrage entfachte sein Interesse. „Ich habe nachgeschaut. Es war wohl Didi Hamann“, sagt Odensaß. Auch sonst gestaltete sich der Kontakt zu den Nationalspielern eher spärlich: „Die haben sich nicht mit uns unterhalten.“ (Wolfgang Bauscher)

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