Vor Ort: Bei den nordhessischen Meisterschaften im Gewichtheben gibt es Rekorde zu bestaunen

Eine extrem starke Familie

Starke Leistung: Salih Suvar brillierte bei den Nordhessischen Meisterschaften im Gewichtheben. Fotos: Schachtschneider

KASSEL. Als Salih Suvar in die Hocke geht, die mit Kreide bedeckten Hände an die Hantelstange legt und tief durchatmet, ist sein Blick hochkonzentriert. 40 Zuschauer sitzen vor ihm in der Kasseler Auepark-Sporthalle, es herrscht gespannte Stille. Nach 95 Kilo im Reißen stößt der 66-Jährige 115 Kilo nach oben, stoppt kurz an der Brust und bringt die Hantelstange dann über den Kopf. Die Arme des amtierenden Weltmeisters der Klasse M65 zittern, doch er hält das Gewicht und kann bereits in der Belastung lächeln.

Noch nie hat ein Heber in diesem Alter ein höheres Gewicht gestemmt. 95 Kilo im Reißen und 115 Kilo im Stoßen sind eine Weltrekordleistung. Da Weltrekorde allerdings nur bei internationalen Meisterschaften anerkannt werden, muss sich Suvar bei diesen Nordhessischen Meisterschaften im Gewichtheben mit dem nordhessischen, hessischen und deutschen Rekord begnügen. „Im Sport spielt Nationalität keine Rolle. Wir sind hier eine Familie, helfen uns gegenseitig und haben mit Bernd Dietrich einen Trainer und Präsidenten, der uns sowohl auf sportlicher als auch auf menschlicher Ebene unterstützt“, erklärt Suvar.

Dreimal drei Stunden Training pro Woche investiert er, hinzu kommt eine bewusste Ernährung – alles, damit er die Nummer eins der Welt bleibt. Im September möchte er dies bei den Weltmeisterschaften im finnischen Rovaniemi mit dem erneuten Weltrekordversuch unter Beweis stellen.

Doch nicht nur Suvar brillierte bei den nordhessischen Meisterschaften. Auch Barbara Herrmann stellte mit 32 Kilo im Reißen und 42 Kilo im Stoßen zwei deutsche Rekorde auf. Ihr Ehemann Richard war in der AK6 mit 88 Kilo im Reißen und 105 Kilo im Stoßen nicht zu schlagen. „Wir trainieren zusammen und unterstützen uns gegenseitig“, schilderte Barbara Herrmann das sportliche Eheleben.

Die Kampfgemeinschaft Nordhessen, die aus dem SAV Kassel, AC Adler Kassel und dem GSV Eintracht Baunatal besteht, ist ein eingespieltes Team und hat organisatorische Abläufe von Wettkämpfen verinnerlicht. Dies hilft den heimischen Hebern, da diese am Wettkampftag vom Helfen befreit sind und sich auf sich selbst fokussieren.

„Athletik-Training ist derzeit stark im Kommen, da Sportler aus ganz verschiedenen Sportarten die Wichtigkeit von Stabilität im Körper entdecken“, sagt Stützpunkt-Trainer und SAV-Präsident Bernd Dietrich. So versuchten sich bei den Nordhessischen Meisterschaften einige Crossfit-Athleten an der Hantelstange. Die Crossfit-Sportler pflegen mit den Kasseler Gewichthebern eine Kooperation. Doch auch Handballer und Fußballer suchen immer häufiger Rat bei den Hebern. Dietrich kommt dies sehr gelegen, da Gewichtheben so an Interesse gewinnt und man Nachwuchstalente wie zuletzt den Baunataler Georg Wenner entdecken kann. An Vorbildern fehlt es den jungen Hebern in der Kampfgemeinschaft nicht.

Von Tobias Kisling

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.