Herbert „Vati“ Dölle ist eine echte Institution beim VfL Kassel und begeht heute seinen 90. Geburtstag

Er hat einen Platz mit seinem Namen

Ein Platz mit seinem Namen: Auf dem Gelände des VfL Kassel am Hochzeitsweg gibt es den „Vati-Dölle-Platz“. Fotos: privat/nh

KASSEL. Er ist beim VfL Kassel eine Institution, Herbert Dölle, der heute 90 Jahre alt wird. „Vati“, wie ihn alle nennen, die ihn kennen, ist seit 84 Jahren Mitglied im Kirchditmolder Verein. Wir unterhielten uns mit „Vati“ Dölle über

Uralte Zeiten

Dölle wurde in Kirchditmold im Kapellenweg geboren, im Elternhaus seiner Mutter, quasi mit Blick auf den VfL-Platz. Als er am 1. April 1932 eingeschult wurde, meldete ihn sein Vater beim Vorgängerverein Hessen 09 an. „Seitdem bin ich dem VfL treu geblieben. Der Verein war für mich immer wie eine Heimat“, sagt Dölle, der als Leichtathlet, Turner, Handballer und Fußballer aktiv war. Kurz nach der Einschulung zog die Familie ins Elternhaus seines Vaters in den Hochzeitsweg 18. Mit 13 Jahren begann er eine Lehre bei der damaligen Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, dort arbeitete er bis zur Frühverrentung im Jahr 1986.

Ganz alte Zeiten

Aus dem Zweiten Weltkrieg kehrt Herbert Dölle mit einer Verletzung des linken Armes, der steif blieb, zurück. Daher musste er seine sportlichen Aktivitäten auf Tischtennis und Fußball beschränken. Der Fußball war seine Passion, sein Pass trägt das Datum vom 1.6.1947. Dölle absolvierte die meisten seiner Spiele für den VfL in den unteren Mannschaften, später dann bei den Alten Herren. Er war bekannt für seine „butterweichen“ Flanken. Aber „Vati“ war einer, der immer da war, wenn er gebraucht wurde. „Ich habe meine Sachen immer im Kofferraum des Autos gehabt“, erzählt er. „Dann konnte ich einspringen, wenn Not am Mann war.“ So kam es auch, dass er in der „Ersten“ aushalf und kurz nach dem Krieg hin und wieder mit dem späteren Nationalspieler „Gala“ Metzner in einer Mannschaft kickte. Über 20 Jahre war Dölle dazu aktiver Schiedsrichter.

Alte Zeiten

Neben seinen sportlichen Aktionen im Trikot des VfL war „Vati“ Dölle ein unermüdlicher Arbeiter im Verein: Jugendtrainer, Mannschaftsbetreuer, Haupt- und Platzkassierer, „Chef“ der Altherren-Mannschaft, Ansprechpartner der Seniorenkameradschaft. Und Dölle hat immer mit Hand angelegt, wenn tätige Hilfe nötig war. „Einmal habe ich mit dem Handmäher vor einem Punktspiel den ganzen Sportplatz gemäht“, erinnert er sich. Und lacht, wenn er an die „langen Arme“ denkt, die er danach hatte.

Gestern

Das Vereinsgelände am Hochzeitsweg lag Dölle immer sehr am Herzen. Als das Klubhaus Mitte 1990 erweitert wurde, war „Vati“ selbstverständlich dabei. Der VfL dankte Dölle, indem er die Terrasse vor dem Klubhaus „Vati-Dölle-Platz“ taufte und ihn zum Ehrenmitglied machte. Müßig wäre es, an dieser Stelle alle Vereins- und Verbandsehrungen aufzuzählen.

Heute

Für Dölle, seit 1951 übrigens Leser dieser Zeitung, ist der VfL Kassel seit der Kindheit und vor allem nach dem Tod seiner Frau (2010) wie eine Familie. „Ihm gehörte immer meine große Liebe“, sagt er. „Davor rangieren allerdings, seit sie auf der Welt sind, meine drei Enkel Melanie, Niklas und Marius.“ Die Spiele seines VfL und die der Nationalmannschaft konnte sich „Vati“ bis heute nie anschauen, „das regt mich zu sehr auf, da werde ich von einer inneren Unruhe befallen“. Also geht er so lange ins Klubhaus, auf einen anderen Platz oder schaltet den Fernseher aus.

Morgen

Herbert „Vati“ Dölle feiert seinen 90. Geburtstag am 11. Juni ab 14 Uhr mit einer Fete im Garten des väterlichen Elternhauses im Hochzeitsweg 18. Einladungen wird es keine geben: „Wer kimmet, kimmet.“ Geschenke möchte Dölle keine haben, nur eine freiwillige Spende zum Erhalt des VfL-Klubhauses.

Von Peter Fritschler

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