Einst Hochburg der Geher

In Kassel war der Gehersport schon vor Bernd Kannenbergs Goldmedaille zu Hause

Legendär: Die Geher des früheren KSV Hessen Kassel am 13. Juni 1970 bei den hessischen Meisterschaften in Wolfhagen mit (von links) Gerhard Müller, Arnold Müller, Otto Dörner, Detlef Heidenreich, Alfred Reinhardt und Werner Schmidt.

Kassel. Als „Goldener Sonntag“ ging der 3. September 1972 in die Geschichte des bundesdeutschen Sports ein. Da gewannen drei Deutsche bei den Olympischen Spielen in München die Goldmedaille.

Nacheinander holten sich Klaus Wolfermann (90,48 Meter mit dem Speer), Hildegard Falck (1:58,6 Weltrekord über 800 Meter) und Bernd Kannenberg (3:56:11,6 im Gehen über 50 km) den Sieg. Und Heide Rosendahl gewann im Fünfkampf Silber.

Kannenberg machte damals mit seinem Sieg das meist belächelte Gehen auch in der Bundesrepublik populär. Gerhard Weidner, Bernhard Nermerich oder Adolf Schwarz waren zu dieser Zeit weitere bekannte Geher des DLV. In der damaligen DDR sorgten Athleten wie Peter Frenkel, Hans-Joachim Pathus (später DLV-Bundestrainer), Peter Selzer, Christoph Höhne oder Hartwig Gauder schon damals für einen höheren Bekanntheitsgrad.

Kassel war Geher-Hochburg

In Aktion: Gerhard Müller auf der Strecke.

Bekannt war Gehen in Nordhessen zu dieser Zeit aber schon allemal, Kassel war schon vor 1960 sicher so etwas wie eine Geher-Hochburg. Dafür sorgten größere Gruppen in mehreren Vereinen. Und vor allem Dr. Werner Hupfeld, der von der Läufergarde der ACT Kassel zu den Gehern wechselte. Hupfeld baute bei der ACT eine starke Mannschaft im Jugend- und Juniorenbereich auf. Er bestritt neun Geher-Länderkämpfe und war später Bundestrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

Mitte der 1960er Jahre gab es für das Gehen einen weiteren Aufschwung in Nordhessen, durch das Volksgehen in Verbindung mit den Volksläufen. Vorreiter war der frühere KSV Hessen Kassel, der im November 1965 den ersten Volkslauf nördlich des Mains ausrichtete. Der erste Volkslauf hatte am 13. Oktober 1963 in Bobingen am Rande des Lechfeldes stattgefunden. In Kassel gab es neben den Volksläufen weitere attraktive Wettbewerbe für die Geher, zum Beispiel das Fuldatal-, das Auepark- oder das Auedammgehen. Sogar eine Olympiaausscheidung wurde in Kassel ausgetragen.

Leistungsgeher geworden

Aus den „Volksgehern“ wurden seinerzeit nach und nach Leistungsgeher. Zu ihnen zählten, um nur ein paar Namen zu nennen, Otto Dörner, Klaus Regenbogen, Karl-Hermann Schwabe, Karl Degener, Hans-Joachim Kloppe, Rolf Fricke, Friedhelm Holsträter, Wilfried Härtel, Helga Günther oder der legendäre Cornel Holeczy. Auch Werner Schmidt und Gerhard Müller (KSV Hessen) gehörten dazu.

Starke Senioren: Gerhard Müller, Friedhelm Holsträter und Helmut Kirchhoffs (von links) im Jahr 1980. 3 Fotos: Regiowiki/nh
Werner Schmidt

Schmidt, inzwischen 79 Jahre alt, hatte sich im Rahmen der Reihe „Historische Sportbilder“ an die alten Geherzeiten erinnert und ein Foto von 1970 von den hessischen Meisterschaften in Wolfhagen gefunden. Damals wurde der KSVer Otto Dörner Dritter über 20 Kilometer, die Mannschaften des KSV Hessen wurden Vierter (Dörner, Heidenreich, Reinhardt) und Fünfter (A. Müller, Schmidt, G. Müller). Gerhard Müller (81) hatte in seinem Fundus eine ganze Reihe alter Bilder, unter anderem vom Oktober 1980. Da schnitt die „Starke KSV-Garde“ bei den hessischen Senioren-Bestenkämpfen im Kasseler Stadtteil Wolfsanger erfolgreich ab. 

Fotos: Fritschler

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