Kasseler Basketballer Jonas Weitzel glänzt für Würzburg in der Bundesliga

Er punktet auch ohne Nowitzkis 14

Der frühere Kasseler Jonas Weitzel (links) – hier im Zweikampf mit Frankfurts Michael Kessens – spielt inzwischen für s.Oliver Würzburg auf der Center-Position.
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Der frühere Kasseler Jonas Weitzel (links) – hier im Zweikampf mit Frankfurts Michael Kessens – spielt inzwischen für s.Oliver Würzburg auf der Center-Position.

Das Spiel hatte er mit seinem Team verloren. Als Gewinner durfte er sich trotzdem fühlen. Denn der aus Kassel stammende und in der Basketball-Bundesliga für s.Oliver Würzburg spielende Jonas Weitzel war bei der 85:99-Niederlage bei Alba Berlin mit 20 Punkten erfolgreichster Werfer der Partie. Heute Abend möchte sich der 22-Jährige abermals beweisen, wenn der Elfte bei EWE Baskets Oldenburg antritt.

„Das wird aber ganz schwer. Oldenburg ist Dritter, da müssen wir ganz schön was reißen. Zumal ich momentan unser einziger Center bin und der Gegner zwei bis drei hochklassige hat“, sagt Weitzel. Im Oktober 2019 debütierte er in der Bundesliga, entwickelte sich allmählich weiter. „Bis zum Frühjahr war ich eher nur Trainingsspieler. Dann ging es aufwärts“, sagt Weitzel. Wegen Corona sei das Budget des Klubs geschrumpft, nur zwei Ausländer stehen im extrem jungen Kader. Auch wegen einiger Erkrankungen und Verletzungen im Aufgebot gibt ihm Trainer Dennis Wucherer derzeit mehr Gelegenheiten, sich zu bewähren. So wie eben in Berlin, als er zudem erstmals in der Startformation stand. Mehr als sechs Punkte in einem Match hatte er zuvor noch nicht erzielt. Bereits nach fünf Minuten standen jetzt sieben Zähler für ihn zu Buche.

Fühlte er sich wie im falschen Film? „Das  war schon ein verrücktes Gefühl. Aber ich hatte den Tunnelblick, viel Adrenalin, und habe alles erst halbwegs realisiert, als ich ausgewechselt wurde und alle mir auf die Schulter geklopft haben“, erinnert sich Weitzel. Auch im weiteren Verlauf überragte er und fand es „cool, dass sich Alba gegen uns so richtig bemühen musste“. Womöglich wurde er ein wenig unterschätzt, wie er findet: „Mich hatte keiner auf dem Schirm.“

Das könnte sich ändern, denn nach Abschluss seines Studiums der Sportwissenschaften und Pädagogik im Sommer möchte Weitzel noch entschlossener angreifen. „Ich will mich dann für ein oder zwei Jahre ganz auf Basketball konzentrieren und schauen, wie weit ich komme“, sagt er und bleibt besonnen: „Ob es mir dann mit dem ganzen Druck immer noch so viel Spaß macht, weiß ich nicht. Bisher gab es ja bei sieben bis acht mal Training pro Woche immer den Ausgleich durch die Uni.“

In Würzburg fühlt sich der Kasseler pudelwohl. Nach Jahren beim TSV Vellmar und der ACT Kassel kam er für ein Freiwilliges Soziales Jahr beim jetzigen Klub nach Unterfranken. „Allmählich bin ich dann reingerutscht und habe in der Jugend-Bundesliga sowie danach in der ProB gespielt“, berichtet Weitzel. 2019 habe ihn der Klub mit dem ersten Profivertrag ausgestattet. „Falls man das so nennen kann. Es gab ein Taschengeld und ein WG-Zimmer“, sagt er.

Nach Kassel hat der 2,04 Meter große Spieler noch gute Drähte, Besuche sind derzeit jedoch selten. „Aber im Sommer werde ich bei der ACT ein vierwöchiges Praktikum machen“, sagt er und freut sich auf das Wiedersehen mit vielen alten Bekannten wie Jonny Klink. „Er war mein Trainer bei der U 18 sowie den zweiten Herren und hat mich am längsten und stärksten geprägt.“

Bleibt bei jemand, der in Würzburg Basketball spielt, die scheinbar unvermeidliche Frage, ob der Mythos des von dort stammenden Dirk Nowitzki im Klub allgegenwärtig ist. „Eigentlich nicht so sehr. Eher fragen Leute von außerhalb danach. Thema ist er aber schon oft“, sagt Weitzel. Betroffen ist er gleichwohl doch. „Ich wollte gern das Trikot mit der 14, die Nowitzki hatte, tragen. Das durfte ich aber nicht“, erklärt Weitzel. So entschied er sich für die 27, die er in seiner ACT-Zeit trug. Und mit der er heute in Oldenburg wieder überzeugen will. (Wolfgang Bauscher)

Zur Person:

Jonas Weitzel (22), geboren in Kassel, war in Fußball, Handball und Leichtathletik aktiv, bevor er beim TSV Vellmar mit Basketball begann. In der U 16 und U 18 gehörte er der Oberligamannschaft der ACT Kassel sowie danach deren erster und zweiter Mannschaft an. Nach dem Abitur an der Max-Eyth-Schule wechselte der Center 2017 nach Würzburg und spielte dort für das Farmteam von Bundesligist s.Oliver Würzburg. Im Oktober 2019 lief Weitzel erstmals für die Unterfranken in der höchsten deutschen Spielklasse auf. Er ist ledig, aber vergeben, und studiert Sportwissenschaften und Pädagogik.

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