96-jähriger Günter Jordans ist seit 81 Jahren im Casseler Kanu-Club

„Es lag alles in Schutt und Asche“

Günter Jordans ist 96 Jahre alt – und seit 81 Jahren aktives Mitglied im Casseler Kanu-Club.
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Günter Jordans ist 96 Jahre alt – und seit 81 Jahren aktives Mitglied im Casseler Kanu-Club.

Wenn man sich im Vereinshaus des Casseler Kanu-Clubs in der Jahnstraße so umsieht, hat Günter Jordans im Laufe der Jahre seine Spuren hinterlassen. Ein Aquarium ist beispielsweise in eine Wand eingebaut – das war Jordans Idee. „Passt doch zum Thema Wasser“, sagt der 96-Jährige und lacht dabei.

Im Laufe des Gesprächs stellt sich schnell heraus, dass Jordans immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Und er hält viel von alten Sprichwörtern. „Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter“ ist nur eines von vielen.

Wie schafft man es, 81 Jahre Mitglied in einem Verein zu sein? „Ganz einfach: früh beitreten und Spaß daran haben“, sagt Jordans. Und das hat er. Zweifellos. Sein Slogan sei „Der Verein lebt von den Mitgliedern. Nicht die Mitglieder vom Verein.“ Damit appelliert der 96-Jährige an alle Vereinsmitglieder, dass jeder sich beteiligen und etwas für den Verein tun muss. Da reiche nicht den ganzen Abend an der Theke zu stehen und Bier zu trinken: „Klar ist das auch schön, aber man sollte immer etwas für den eigenen Verein tun“, sagt das Ehrenmitglied.

Jordans ist 1924 geboren, seit 1940 ist er im Verein. Er ist zwar Mitglied geworden, doch er hatte kein Boot. „Ich habe mir dann für 20 Reichsmark ein Kajak gekauft“, erinnert sich Jordans zurück.

Doch das neue Kajak konnte er erstmal nicht benutzen, weil er in den Krieg ziehen musste. Nach drei Jahren und sieben Monaten kam er nach Kassel zurück. „Hier lag alles in Schutt und Asche.“ Das war nicht das einzige Problem. In dieser Zeit war es problematisch, Zement und beispielsweise Steine für einen Wiederaufbau des Klubhauses aufzutreiben.

Doch Jordans und einige Weggefährten schafften es, ein neues Haus zu errichten. „Ich weiß noch, dass auch unsere Frauen tatkräftig mitgeholfen haben“, erinnert er sich. Mittwochs, samstags und sonntags trafen sie sich zum Wiederaufbau.

So hatte Jordans erheblichen Anteil an dem Klubhaus in der Jahnstraße. Und um seine Arbeit, seinen Einsatz, und ihn zu würdigen, pflanzten Vereinsmitglieder im Auftrag vom derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Volker Führer eine Eiche mitten auf das Grundstück. Sie wurde auf den Namen „Jordans-Eiche“ getauft. „Die kann 400 bis 600 Jahre alt werden. Also das schaffe ich nicht“, scherzt der 96-Jährige. Er sei sehr ergriffen und gerührt gewesen, als er „seine“ Eiche sah.

„Wir haben uns für die Mitte des Platzes entschieden, weil Günter der Mittelpunkt unseres Clubs ist“, sagt Führer. Er und Jordans kennen sich nicht nur durch den Verein, sondern auch durch die Arbeit. Als Jordans 1984 in Rente ging, hat Führer bei der Polizei in Kassel angefangen zu arbeiten. Aus Arbeitskollegen wurden Freunde. „Günter kann mir so viel von damals erzählen. Mit seinen Erfahrungen versuche ich, den Verein adäquat weiterzuleiten“, sagt Führer. Der Vorsitzende ist stolz auf die Weichen, die die älteren Kameraden gestellt haben. Die Jüngeren führten das jetzt fort. „Und das kann er gut“, sagt Jordans über Führer.

Die regelmäßigen Vereinsabende, die es laut Jordans hoffentlich bald wieder geben wird, sind großer Bestandteil im Leben von ihm und seiner Frau Inge, die auch zum Verein gehört. Sie sind seit 62 Jahren verheiratet: „Wir haben uns auf der Fulda kennengelernt“, berichtet Inge Jordans. Beim Kennenlernen hätten sie also keinen festen Boden unter den Füßen gehabt, ergänzt sie und lacht. Den Humor, die flotten Sprüche und die Liebe zum Kanusport verbindet das Ehepaar Jordans eng miteinander.

Von Cora Zinn

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