Evis Hofverberg trainiert bis Saisonende die Wehlheider Oberliga-Damen

„Ich lebe Volleyball“

Auf der Grimmwelt mit Blick über die Südstadt: Evis Hofverberg wird bald wieder mehr Zeit in der Sporthalle verbringen, als Trainerin der Wehlheider Damen in der Volleyball-Oberliga.
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Auf der Grimmwelt mit Blick über die Südstadt: Evis Hofverberg wird bald wieder mehr Zeit in der Sporthalle verbringen, als Trainerin der Wehlheider Damen in der Volleyball-Oberliga.

Eigentlich hatte sie mit 39 Jahren ihre Karriere beendet. Und eigentlich wollte sie dann endlich mal Zeit haben für die Dinge, die nicht mehr so viel mit dem Sport zu tun haben, der sie vor allem in Kassel bekannt gemacht hat. Eigentlich.

Doch Evis Hofverberg wäre nicht Evis Hofverberg, wenn sie sich nicht ein Hintertürchen offen gelassen hätte. „Ich lebe Volleyball, ich kann nicht anders. Und ich habe ja mal versprochen, dass ich aushelfe, wenn die Not groß ist“, sagt die 45-Jährige.

Nun ist die Not groß. Weil Trainer Horst Dristram aus privaten Gründen nicht mehr zur Verfügung steht, übernimmt Hofverberg, die eine B-Lizenz besitzt, zunächst interimsmäßig bis zum Saisonende die Wehlheider Frauen in der Oberliga. Gleich am Samstag ab 19 Uhr gibt sie ihre Premiere im wichtigen Heimspiel gegen Tabellennachbar VfL Marburg (Sporthalle vor der Söhre in Bergshausen). „Im ersten Training haben sich alle richtig ins Zeug gelegt. Ich glaube, sie wollten mir zeigen, wie gut sie sind“, sagt Hofverberg, die eben nie so richtig loslassen konnte.

An der Uni gab sie nach wie vor Beachvolleyballkurse, stand nach ihrem letzten Spiel in der Halle jeden Sommer im Sand. „Ich bin einfach total irre, vielleicht auch ein bisschen positiv bekloppt“, sagt sie über sich. 2020 kommt es dann wirklich zum Comeback für die TG Wehlheiden. „Meine Freundinnen Gundula Grund und Pia Richter haben mich quasi überredet“, sagt die Angreiferin, die dann allerdings vier Wochen später schon wieder aufhören muss. Mit einer Menge Ibuprofen spielt sie zwar noch weiter, doch der Befund ist klar: Bandscheibenvorfall. „Ich war sechs Wochen krankgeschrieben – eine harte Zeit. Mein Arzt meinte dann: Nur wenn ich wahnsinig wäre, sollte ich wieder Volleyball spielen. Die abrupten Bewegungen sind eben in diesem Sport nicht zu kontrollieren.“

Als dann der Anruf kommt, ob sie nicht das Traineramt übernehmen könne, muss Hofverberg überlegen. „Mein Job steht bei mir an erster Stelle, und er erfordert 40 Stunden in der Woche meine gesamte Aufmerksamkeit“, sagt die ehemalige Juniorennational- und Bundesligaspielerin, die in der Kasseler Südstadt wohnt. Beim Jugendamt des Landkreises Kassel ist sie in der ambulanten Jugendhilfe tätig, außerdem arbeitet sie ehrenamtlich im Fanshop der Kassel Huskies. „Ich lebe in Visionen. Wenn ich etwas sehe, will ich es auch erreichen oder zumindest so lange versuchen, bis es eine Entscheidung gibt. Halbe Sachen mache ich nicht, und deshalb habe ich den Wehlheider Volleyballerinnen dann auch gesagt, dass ich erstmal interimsmäßig bis zum Sommer zur Verfügung stehe“, erklärt Hofverberg.

Trotz des vorletzten Platzes in der Vorrundengruppe 2 der Oberliga glaubt sie an den sicheren Klassenerhalt. „Da steckt eine Menge Potenzial im Team, und ich bin total gerührt und stolz, dass ich diesen Weg nun mitgehen kann“, erzählt die gebürtige Albanerin, die am Wochenende übrigens nicht zum ersten Mal an der Seitenlinie stehen wird. „Ich habe die Jugend in Nieste und Wehlheiden trainiert, auch mal die Männer des TV Jahn. Und dann habe ich gegen Ende der langen Trainerkarriere von Fredy Zech ja auch in Wehlheiden das eine oder andere Spiel gecoacht“, erinnert sie sich. Und selbst nochmal aufschlagen? „Ich sage niemals nie. Deshalb kann es auch sein, dass man mich noch einmal als Spielertrainerin erlebt.“

Mit der Ruhe und dem Abstand zu ihrer Sportart ist es nun also erstmal vorbei. Vielleicht bekommt Evis Hofverberg dies nun bei ihrer neuen Leidenschaft. Im Golfclub Kassel-Wilhelmshöhe hat sie ihre Platzreife gemacht. Warum? „Ich will endlich die Dinge machen, die mich richtig glücklich machen. Beim Golfen kann ich gut runterkommen“, erzählt sie. Eigentlich wollte sie dafür jetzt mehr Zeit investieren. Eigentlich.

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