Hessischer Fußballverband stellt Verfahren infrage

Verhandlungen im Juni: Fällt Gesichtskontrolle weg?

Die lästige, ungeliebte Pflicht: Fußballer des niedersächsischen TSV Gronau und der Schiedsrichter vor dem Spiel bei der Pass- und Gesichtskontrolle. Archivfoto: nh

Kassel. Müller? Hier! Maier? Hier! Schulze? Hier! – Was nach Kasernenhof klingen mag, ist am Wochenende tausendfach in den Umkleidekabinen der Fußballplätze zu hören.

Und zwar wenn der Schiedsrichter im Rahmen der obligatorischen Passkontrolle die Gesichtskontrolle vornimmt. Letztere soll gemäß einem Antrag entfallen, der auf dem nächsten Verbandstag des Hessischen Fußballverbandes (HFV) Anfang Juni verhandelt wird. In den meisten anderen Landesverbänden des DFB gehört die Gesichtskontrolle schon länger der Vergangenheit an.

„Ich finde die Änderung sinnvoll und glaube, dass der Antrag Unterstützung finden wird“, bezieht Kai Graviat Stellung. „Auch deshalb“, so der Kreisschiedsrichterobmann weiter, „weil manche Schiedsrichter doch sehr salopp kontrollieren und Vereine, die betrügen wollen, das ohnehin schaffen.“ Allerdings passiere dies viel seltener als früher.

Anhand der modernen elektronischen Datenübermittlung über das DFBnet müsste der Schiedsrichter dann vor dem Anpfiff nur noch die spielberechtigt gemeldeten Akteure mit den Pässen abgleichen. „Wir müssten dann nicht mehr extra in die Kabinen kommen, was für alle Beteiligten manchmal unangenehm ist“, erklärt Christoph Rübe vom OSC Vellmar. Auch der kürzlich zum Hessenliga-Schiedsrichter Aufgestiegene würde eine Änderung begrüßen: „Es gibt bei der Kontrolle immer mal wieder Peinlichkeiten. Manch ein schüchterner junger Kollege wird zum Beispiel ausgelacht, wenn er Namen falsch ausspricht. Außerdem sind Spieler und Unparteiische vor dem Anpfiff angespannt. Da kommt die Passkontrolle ungelegen.“

Auch David Altschmied, Kapitän von Gruppenligist TSG Sandershausen, erachtet die Gesichtskontrolle als überflüssig. „Früher kam es öfter vor, dass einer mit einem falschen Pass aufgelaufen ist. Aber das gibt es höchstens noch in den untersten Klassen. Dafür kennen sich die Leute innerhalb der Ligen viel zu gut.“

Nicht umsonst kontrollieren sich die Mannschaften in einigen Bundesländern vor der Partie selbst. Sie wissen besser als viele Schiedsrichter, wen sie vor sich haben, und schließen Missbrauch somit von vornherein aus. 

 Archivfotos: nh

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