Vor Ort bei der Kasseler Fight Night: Zwölf Box-Kämpfe, 1000 Zuschauer und ein glücklicher Sieger

Fäuste, Bratwurst, Nummerngirls

Zeit für einen Imbiss: Trainer Manfred Jassmann.

Kassel. Die großen Zeiten von Henry Maske und den Klitschkos, sie waren einmal. Der Boxsport aber lebt. Das zeigt sich beim Besuch der Fight Night im Autohaus Dürkop am Samstagabend. Zwölf Kämpfe, darunter zum Abschluss der des Gudensbergers Özcan Cetinkaya, stehen auf dem Programm. 1000 Zuschauer sind gekommen.

Diese Kasseler Boxwelt ist zunächst einmal eine fremde, neue Welt für Außenstehende. Doch wer sich ein paar Minuten Zeit nimmt und ins Gespräch kommt, der erhält schnell einen Überblick über die vielen kleinen Rädchen, die bei einer solchen Veranstaltung ineinandergreifen. Sportler, Nummerngirls, Ringrichter, Söhne – vor Ort bei einem Event, bei dem die Kreuze so mancher Besucher deutlich breiter sind als die von jenen Männern, die man für gewöhnlich auf der Königssstraße trifft.

Der Sport

Manfred Jassmannn, der Cetinkaya in den vergangenen Wochen in Form gebracht hat, steht mit der Bratwurst in der Hand vor dem Gebäude. Es ist 20.20 Uhr. Gerade ist der zweite Kampf zu Ende gegangen. Von seinem Schützling keine Spur. „Er hat sehr, sehr viel um die Ohren. Jeder will was von ihm. Ich hoffe, er liegt jetzt im Auto und schläft“, sagt Jassmann. Er berichtet auch davon, dass der Georgier Giorgi Abuladze kurzfristig abgesprungen ist und Cetinkaya nun gegen Ergin Solmaz antritt. Ein unangenehmer Gegner. „15 Kilo schwerer als Özcan. Er ist stark, aggressiver als der andere“, weiß der Trainer. Und weil es gerade ums Thema Gewicht geht: „Özcan wollte erst 97 Kilogramm haben. Jetzt wiegt er 102. Er ist bei 75 bis 80 Prozent seiner Fitness.“ Sollte Cetinkaya im November tatsächlich gegen Ex-Weltmeister Marco Huck in den Ring steigen, müsse er noch hart arbeiten.

Tatsächlich ist Cetinkaya, der die Veranstaltung auf die Beine gestellt hat, verschwunden. Im Ring fliegen derweil die Fäuste. Einige Kämpfe enden früher als die angesetzte Rundenzahl. Andere aber fesseln, wogen hin und her. In diesen Momenten versprüht Boxen seinen ganzen Reiz.

So dauert es fast fünf Stunden, bis es für Cetinkaya ernst wird. Um kurz vor Mitternacht ist das. Lauten Applaus und ein Rapper geleiten ihn in den Ring. Doch dann geht alles ratzfatz. Sein Gegner ist alles andere als auf Augenhöhe. Die Folge: Schon in Runde drei ist das Duell der Schwergewichte beendet. Technischer K.o., nachdem Cetinkaya Solmaz dreimal auf die Bretter geschickt hat. „Ich hätte auch zehn Runden gehen können“, erklärt Cetinkaya später grinsend, bevor er zum Selfie-Marathon neben dem Ring antritt.

Die Familie

Nicht ohne unsere Jungs ist eines jener Mottos, die diesen Abend auszeichnen. Denn der Nachwuchs darf natürlich nicht fehlen. Taycan Cetinkaya (14) und Edris Esmaili (12) packen an, wo sie können. Mal sitzen sie am Eingang und verteilen Karten und VIP-Bänder. Dann unterstützen sie ihre Papas am Ring. Mit Erfolg. Sowohl Abdul Ghafour Esmaili als auch Cetinkaya machen mit ihren Gegner kurzen Prozess. Die noch schmächtigen Kreuze ihrer Jungs, sie werden nach den Erfolgen ein klein wenig größer. Stolz lässt ein wenig wachsen.

Die Show

Boxen ohne Nummerngirls wäre wie Sommer ohne Sonne. In kurzer Sportkleidung drehen Jennifer Hilgers und Kimberly Müller ihre Runden, halten Tafeln in die Höhe. Lächeln. Posen. Der Ringrichter wird nicht müde, ihre Namen zu erwähnen.

Um kurz nach halb eins ist ihr Job beendet. Der zwölfte Kampf ist vorbei. Und nach fünfeinhalb Stunden wissen Außenstehende nun auch: Diese Boxwelt hat ihren ganz eigenen Reiz.

Von Michaela Streuff

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