Was war denn da los?

Fair Play in der Fußball-Kreisoberliga: Das doppelte Elfmeter-Geständnis des TSV Rothwesten II

Rothwestener Spieler zeigen Fair Play in der Kreisoberliga.
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Rothwestener Spieler zeigen Fair Play in der Kreisoberliga.

Der TSV Rothwesten II hat in der Kasseler Fußball-Kreisoberliga noch keinen Punkt geholt. Umso bemerkenswerter ist das, was sich am Wochenende in der Partie beim FC Bosporus Kassel ereignet hat. Die Rothwestener lebten den Fair-Play-Gedanken.

Kassel - Zweimal bekamen sie in der Schlussphase einen Strafstoß – zweimal teilten sie dem Schiedsrichter mit, dass er mit seiner Einschätzung falsch lag. Am Ende verlor die TSV-Reserve zwar auch das zehnte Saisonspiel mit 1:2, gewann aber für das doppelte Elfmeter-Geständnis viele Sympathien dazu. Was war denn da los?

Auf dem Kunstrasenplatz im Kasseler Nordstadtstadion lief die 75. Minute, der Tabellenzweite Bosporus führte 2:1. Nach einem Pass in die Schnittstelle war Konstantinos Drizis allein vor Kassels Torhüter Murat Özgen. Er wollte den Keeper umkurven, rutschte dabei aus. Als er wieder aufstehen wollte, rutschte er erneut aus. Plötzlich entschied der Unparteiische Daniel Franke auf Elfmeter. „Der Schiedsrichter hatte einen schlechten Blickwinkel. Alle anderen auf dem Sportplatz haben gesehen, dass mich der Torhüter nicht berührt hat“, sagt Drizis.

Einige Bosporus-Spieler stürmten danach auf ihn zu. Und der Schiedsrichter fragte ihn, ob er berührt worden wäre. Der 29-Jährige gab zu, dass er ausgerutscht sei, der Unparteiische nahm den Strafstoß zurück. „Ich habe mich erst gefreut, dass er auf Elfmeter entschieden hat“, sagt Drizis. Aber er sei auch mit Torhüter Özgen sowie den Gegenspielern Adnan Sirip und Oktay Seyit befreundet. „Vielleicht hat mich das instinktiv dazu gebracht, es dem Schiedsrichter zu sagen.“ Eines bereute Drizis allerdings im Nachhinein: „Ich hätte gleich schießen und nicht versuchen sollen, ihn zu umkurven.“

Bleibt noch die Frage, warum Drizis wegrutschte. War der Kunstrasenplatz nass? Nein, es war viel kurioser. „Eigentlich war ich nur als Zuschauer da“, erklärt der spielende Co-Trainer des Gruppenliga-Teams. Aber TSV-Coach Andreas Geisler überredete ihn vor der Partie, sich auf die Bank zu setzen. In der 70. Minute wurde Drizis eingewechselt – und lief in den Fußballschuhen von Geisler auf, der dieselbe Größe hat wie er. In besagter Szene fehlte ihm wohl deswegen zweimal der Halt.

Es dauerte nicht lange, da kam es zur nächsten unübersichtlichen Situation im Bosporus-Strafraum. Diesmal kam Oguzhan Özgen zu Fall – beteiligt war ein Bosporus-Innenverteidiger und erneut Torhüter Özgen, der Onkel des Angreifers. Und wieder entschied Schiedsrichter Franke auf Strafstoß. Und wieder gab es Widerspruch von Rothwesten – diesmal von Oguzhan Özgen. Und wieder nahm der Unparteiische daraufhin den Foulelfmeter zurück.

Viel Lob gab es von den beiden Trainern. „Großen Respekt an die beiden Rothwestener Spieler und an den Schiedsrichter“, sagte Bosporus-Coach Nima Latifiahvaz und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, ob das meine Spieler so gemacht hätten.“ Rothwestens Andreas Geisler war zu seiner aktiven Zeit als Stürmer dafür bekannt, dass er gerne mal einen Strafstoß geschickt herausholte. Er sagt: „Ich finde es sportlich richtig, dass meine Spieler das so gemacht haben. Es ging für beide Teams um viel. Daher ist es beiden umso höher anzurechnen.“ (Manuel Kopp und Horst Schmidt)

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