Was war denn da los? Kuriose Treffer in Gudensberg

Fairplay in der Verbandsliga: SV Türkgücü Kassel schießt absichtlich ins eigene Tor

Augen zu und durch: Türkgücüs Kevin Janek (rechts) im Zweikampf mit Gudensbergs Tom Siebert.
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Augen zu und durch: Türkgücüs Kevin Janek (rechts) im Zweikampf mit Gudensbergs Tom Siebert.

Es war ein ungewöhnlicher Nachmittag, den der SV Türkgücü Kassel am Sonntag bei der FSG Gudensberg erlebte. Die Partie in der Fußball-Verbandsliga endete 1:1 – und beide Tore fielen sehr kurios. Daher fragen wir: Was war denn da los?

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt SVT-Innenverteidiger Kevin Janek, der bei den Szenen rund um die 74. Minute eine Hauptrolle einnahm. Was war passiert? Nach einem Zweikampf blieb Gäste-Stürmer Memduh Eryilmaz verletzt am Boden liegen. „Die Gudensberger wollten gerade angreifen, haben den Ball dann aber fairerweise ins Aus geschossen“, sagt Janek. Nach der Behandlung von Eryilmaz passierte der Fauxpas: Nach dem Einwurf wollte Kassels Dennis Kwiedor den Ball zu FSG-Torhüter Tom Stieghorst schießen. Für Kwiedor überraschend stand Stieghorst weit vor seinem Kasten – der Ball flog über den Torwart hinweg und kullerte ins Tor. „Wir haben uns alle fassungslos angeschaut und konnten es gar nicht richtig glauben“, sagt Janek.

Groß sei die Aufregung bei den Gudensbergern gewesen – vor allem außerhalb des Platzes. Die Kasseler berieten sich kurz und entschieden sich dazu, ebenfalls ein Tor zu kassieren. So lief Gudensbergs Stürmer Tom Siebert nach dem Anstoß unbedrängt durch die Hälfte der Kasseler. „So 20 Meter vor dem Tor stand ich ihm im Weg und habe gesagt: Du schießt das Tor nicht, das machen wir selbst“, sagt Janek. „Er hat ja auch schon ein paar Tore in dieser Saison geschossen. Da mussten wir auch an unseren Enver Maslak und seinen Platz in der Torschützenliste denken“, sagt der 24-Jährige.

Der Innenverteidiger übernahm den Ball und schaute zu seinem Torhüter Lukas Perzel. „Lukas schüttelte nur den Kopf. Er ist ein guter Freund von mir, wir verstehen uns blind und daher wusste ich, dass er das Eigentor nicht schießen wollte“, sagt Janek und fügt hinzu: „Ich habe mir gedacht: Ich habe sowieso einen Lauf, habe schon letzte Woche ein Eigentor geschossen, dann mache ich es halt selbst.“ Gedacht, getan – und schon stand es 1:1. „Eigentlich war es ja ein 0:0-Spiel ohne große Chancen“, sagt Janek.

Und wie fand das Torhüter Perzel, der zum ersten Mal in der Saison hätte zu null spielen können? „Das spielte in dem Moment eine untergeordnete Rolle. Uns ist eher allen ein Stein vom Herzen gefallen, dass sich die Situation so aufgelöst hat. So ein Geschenk möchte man nicht annehmen“, sagt Perzel. Und weiter: „Ich würde es immer wieder so machen.“

Das sieht auch Janek so: „Es war logisch, dass wir das so gemacht haben. Wir wollten die Punkte so nicht holen, auch wenn wir im Abstiegskampf jeden Punkt gebrauchen können.“ Aber der Fairplay-Gedanke stand für Türkgücü im Vordergrund. „Wir sind ja keine Profis, sondern Amateure. Wir wollen nach dem Spiel mit dem Gegner auch ein Bierchen trinken. Dann sind wir schon glücklich“, sagt Janek.

Das Bierchen tranken die Kasseler dann nach dem Spiel noch mit den Gudensbergern. Und natürlich waren auch die beiden kuriosen Tore eines der Gesprächsthemen. (Manuel Kopp und Horst Schmidt)

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