Umfrage: Fußballer aus der Region sind geteilter Meinung

Regel-Vorschläge der Fifa: „Fan der klassischen 90 Minuten“

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Gehen die Uhren bald anders? Die Regelhüter haben ein Strategiepapier erarbeitet, das vorsieht, die Zeit eines Fußballspiels von 90 auf 60 Minuten zu reduzieren. Bei jeglicher Art von Unterbrechungen würde dann die Uhr gestoppt.

Kassel. Die Fifa-Regelhüter vom International Football Association Board haben mal wieder mit einem revolutionären Strategiepapier auf sich aufmerksam gemacht. Spiele sollen statt 90 nur noch 60 Minuten dauern, dafür wird die Uhr bei Unterbrechungen angehalten.

Außerdem sollen keine Nachschüsse bei Elfmetern mehr erlaubt sein, und nur noch der Kapitän darf mit dem Unparteiischen sprechen. Dies sind nur drei von mehreren möglichen Regeländerungen. Wir haben uns im heimischen Fußball umgehört, wie die Vorschläge ankommen.

• Adrian Bravo Sanchez, Mittelfeldspieler des KSV Hessen: Er hat grundsätzlich eine klare Meinung gegenüber den Plänen der Fifa: „Ich bin ein Fan der alten Regeln, die sollten auch so weiterhin gelten. Die neuen Vorschläge sind doch nur vor allem auf Kommerz aus, um noch mehr Einnahmen zu generieren. Wir alle lieben den Sport doch so, wie er ist.“

Nicht ganz abgeneigt allerdings ist er der Idee, den Ball nach Standards mehrmals berühren zu können. „Klar, bei einer Ecke würde das schon was bringen, wenn der Abschlusswinkel sich ändert. Da wären wir viel flexibler. Der gegnerische Torwart bekommt dann natürlich Probleme, weil er die Mauer nicht richtig stellen kann.“ Kein Wunder, er ist Experte für Freistöße und Eckbälle.

• Andre Schreiber, Torwart des FSC Lohfelden: Generell sieht der Hessenliga-Keeper Regeländerungen eher skeptisch: „Der Sport ist so gut, wie er ist, da sollte man nicht viel verändern.“ Nicht abgeneigt ist der 32-Jährige aber bei den Regel-Ideen, die das Torwartspiel beeinflussen würden. „Als Torwart ärgert man sich schon, wenn man einen Elfmeter gehalten hat und den Nachschuss bekommt man rein. Die Änderung wäre für einen Torwart schon praktisch.“ Ähnlich sieht er es bei dem Vorschlag, für die Aufnahme eines Rückpasses einen Strafstoß anstatt bisher einen indirekten Freistoß zu verhängen. „Generell würde nichts dagegen sprechen. In 99 Prozent der Fälle sind die Torwarte sowieso in der Lage, den Ball mit dem Fuß zu klären“, sagt er.

• Lothar Alexi, Trainer des CSC 03 Kassel: „Im Amateurbereich könnte es durchaus sinnvoll sein, die Zeit von 90 auf 60 Minuten zu reduzieren, um Schlitzohrigkeit in Sachen Zeitspiel vorzubeugen. Bei den Profis halte ich es für Quatsch, da am Spielfeldrand sowieso 20 bis 30 Bälle zur Verfügung stehen und es schnell weitergeht“, sagt der Coach des Verbandsligisten.

Die mögliche Regeländerung, dass es beim Elfmeter keinen Nachschuss mehr geben soll, halte er für „gar nicht so dämlich. Die meisten Strafstöße sind irregulär, da sowohl Spieler der angreifenden als auch der verteidigenden Mannschaft zu früh in den Strafraum laufen.“ Und weiter: „Der Vorschlag, dass künftig nur noch der Kapitän mit dem Schiedsrichter sprechen darf, finde ich Quatsch. Verständnisfragen müssen immer erlaubt bleiben – für jeden Spieler.“

• Tobias Boll, Torjäger des SV Kaufungen: Den Vorschlag, dass es nur noch eine Netto-Spielzeit von 60 Minuten geben soll, findet der Angreifer des Verbandsliga-Aufsteigers nicht gut. „Das ganze Spiel, wie es mir riesig Spaß macht, würde kaputt gemacht werden. Ich bin ein Fan der klassischen 90 Minuten. Natürlich würden bei einer Nettospielzeit die Diskussionen über Zeitspiel und die Nachspielzeit wegfallen. Aber der Fußball lebt von Diskussionen.“

Allerdings steht Boll anderen Regeländerungen aufgeschlossen gegenüber – so wie der Idee, als ausführender Spieler einen Ball nach einem Freistoß mehrmals zu berühren. „Dadurch entstehen mehr Varianten. Ich bin ein Stürmer, der über die Schnelligkeit kommt und das Freistoß schießen anderen überlässt. Aber so könnte man sich den Ball selbst an einer Mauer vorbeilegen. Es ist keine schlechte Idee. Die Regel finde ich durchsetzbar“, sagt Boll.

• Ricarda Stern, Spielführerin der TSG Wilhelmshöhe: „Ich würde an der Spielzeit nicht so viel ändern, da 90 Minuten den Fußball ausmachen und traditionell sowie kulturell verankert sind. Bei 60 Minuten und dem Anhalten der Uhr bei Unterbrechungen würde man das Zeitspiel eindämmen, es stellt aber auch die Schiedsrichter vor neue Herausforderungen“, sagt die Kapitänin des Frauen-Verbandsligisten. Die 26-Jährige spricht sich zudem für die Abschaffung des Nachschusses beim Elfmeter aus. „Strafstöße sind für Torhüter extrem schwierige Situationen, die Erfolgsquote liegt für sie nicht mal ansatzweise bei 50 Prozent. Ein gehaltener Elfmeter würde dann mehr gewürdigt“, sagt Stern.

Von Torsten Kohlhaase und Manuel Kopp

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