Fast so, als ob es Winter wäre

Vor Ort: Skifahren und Biathlon gehen auch im Sommer

Immer schön locker bleiben: Jan König (links) und Louis Lohrmann vom Skiclub Helsa zeigen auf dem Grashang in Wickenrode ihre Slalomfertigkeiten.

Wickenrode/Niestetal. Von wegen Sommer: Klassische Wintersportarten lassen sich mit der richtigen Portion Enthusiasmus und der dazugehörigen Ausrüstung auch in der warmen Jahreszeit betreiben. Wir haben da zwei Beispiele.

Am Skihang

Fertig für die Abfahrt: Die 14-jährige Maria Lohrmann zeigt ihre Ausrüstung. Foto: Fischer

Leise surren die Rollen unter den Skiern. „Bio-Öl ist am besten“, sagt Ulf Lohrmann. Der 48-Jährige vom Ski-Club Helsa hat allen Grund zur Freude, denn am Samstag kamen Besucher aus Sachsen, dem Siegerland und aus Gießen, um am Skihang in Wickenrode Grasski zu fahren. Zusammen mit Karl-Heinz König und anderen Vereinsfreunden hat Lohrmann eine Sportart wiederbelebt, die in den 70-er Jahren einmal ganz groß in Nordhessen war. „Das waren schon rasante Rennen damals“, erinnert sich König, der im September 1974 am Hohen Gras seinen Hessenmeistertitel verteidigte. Inzwischen sind seine Kinder Nina und Jan in die Fußstapfen des 59-Jährigen getreten. Die fahren genauso wie Lohrmanns Kinder Maria und Louis auch im Winter Ski. Das ist am Skihang in Wickenrode auch durchaus empfehlenswert, denn die Geschwindigkeiten gehen schon mal über 50 Stundenkilometer hinaus. Schutzkleidung ist daher mindestens genauso wichtig wie im alpinen Skirennsport, denn das Grasskifahren „ist ziemlich schwierig“, wie die 14-jährige Nina König bei ihren Versuchen auf Gras erkennen muss.

Im Stadion 

Ungewohnte Szenen spielen sich derweil im Stadion am Park in Heiligenrode ab. Mitten auf dem Rasen steht eine Schießanlage. Die Deutschlandtour der Cross-Skate-Biathlen macht Station in Niestetal – zum ersten Mal überhaupt. Konzentriert und beinahe geräuschlos gleiten die Cross-Skater über die Tartanbahn. Selbst beim Schießen bleibt es ruhig, geschossen wird nämlich mit einem Lasergewehr, welche nur optisch an die Waffe des Winter-Biathlons erinnert. „Wir sind ein richtiger Nieschensport“, erklärt Jörg Zinserling, der das Cross-Skating im TSV Heiligenrode etablieren will. Außerdem plant er einen Trainerschein zu machen und Kurse anzubieten, denn: „Beim TSV bin ich noch alleine, in Nordhessen gibt es bis zu zehn aktive Cross-Skater.“

Die Wettkämpfe 

Unter dem Motto „Roll dich fit“ steht in Heiligenrode der Spaß an der Bewegung im Mittelpunkt. Um Spitzenleistungen und spannende Wettkämpfe geht es nur bedingt - „mehr Breitensport geht nicht“, sagt Jörg Zinserling, der selbst teilnimmt. „Zu uns kommen Durchschnittssportler, und alle sind Quereinsteiger“, beschreibt Cornelius Jorg, Organisator und Initiator der Deutschlandtour, das Teilnehmerfeld. Erfahrungen im Winter-Biathlon sind die Ausnahme, weiß auch Zinserling, der selbst seit fünf Jahren cross-skatet. „Wir haben ehemalige Ausdauersportler dabei, andere suchen auch einen Ausgleichssport.“ Für jedes Alter geeignet ist das Cross-Skating ebenfalls, erklärt Zinserling: „Die Gelenke werden geschont und die Ausdauer wird gefördert. Und niemand muss sich verausgaben, wenn er das nicht will,“

Auch in Wickenrode waren am Wochenende Zeiten und Platzierungen nicht besonders wichtig. „Es lohnt sich einfach, das Grasskifahren wiederzubeleben, denn es ist eine optimale Vorbereitung auf die Wintersaison, da die Bewegungsabläufe nahezu gleich sind“, sagt Ulf Lohrmann. Noch vor dem Winter hat Lohrmann allerdings einen anderen Plan: „Wir überlegen jetzt, ob wir uns um die Austragung des Deutschland-Pokals im September bewerben.“

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