Viele Facetten der Bewegung

Aura in der Rothenbach-Halle: Fesselnde Faszination von A bis Z

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Die Gruppe Lift am Hochportal-Pendel: Blancaluz Capella, Laura Smith, Rafael Moraes und Mark Pieklo.

Kassel. Mit Titeln für Shows ist das so eine Sache. Das Feuerwerks der Turnkunst 2018 aber wird seinem Motto „Aura“ zu hundert Prozent gerecht, von A bis Z. Der Duden beschreibt Aura mit den Begriffen Ambiente, Ausstrahlung, Fluidum, Präsenz, Stimmung und Zauber.

All das bietet Europas größte Sportschau einmal mehr in der ausverkauften Kasseler Rothenbach-Halle. 4300 Besucher sind gefesselt und beeindruckt vom spielerisch gelungenen, atemberaubenden Spagat zwischen Klassik und Moderne, zwischen Sport und Show, Artistik und Akrobatik.

Oft scheint es, als könnten die virtuosen Protagonisten der Schwerkraft tatsächlich trotzen. Wunderbar in Szene gesetzt von neuen optischen Effekten, die ebenso Premiere hatten wie die 570 Sitzplätze bietende neue Zusatztribüne, die schon nach wenigen Minuten Arena-Stimmung aufkommen lässt. In einem Programm, in dem selbst die Umbaupausen vom Schweizer Erwin mit Humor und Klasse sowie vom sportlich erstklassigen Turnkunst-Showteam zu Ereignissen genutzt werden.

Ein Programm, dessen enorme Lautstärke bisweilen stört. Das aber mit wenigen Sportgeräten auskommt und durch die vielen Facetten der Bewegung mit dem eigenen Körper fasziniert. Da sind sich José Martinez und Gaby Cardozo bei einer mitreißenden Bodengymnastik selbst genug. Ein Programm, das in gewohnter Feuerwerk-Tradition alte Geräte im neuen Kleid präsentiert. So, wie die 18 jungen Leute der MT Melsungen: Springseilspringen war gestern, Rope Skipping mit Tempo, Musik ist heute.

Tanz am Seil: Suren Bozyans und Karyna Konchakivskas.

Wie Suren Bozyans und Karyna Konchakivskas, die virtuos an zwei Enden eines Seils turnen und mit dem Kontergewicht förmlich spielen. Ein Höhepunkt, ebenso wie die Gruppe Jonglissimo, die dank großartiger Lichteffekte der Keulenjonglage zu ewiger Jugend verhilft. Fetzig, farbenfroh und fehlerlos – einfach famos.

Wie Jannis Rosendorf vom Niedersächsischen Turnerbund mit dem Beweis, dass Schwebebalken-Höchstleistungen mit Salti und Spagat nicht nur Frauensache sind.

Aber da gibt es natürlich auch die spektakulären Neuigkeiten, die mit einer, zwei und drei Personen begeistern: Solist Sergey Timofeev (Ukraine) mit Handstand-Equilibristik vom Feinsten auf einem zum Rombus umgebauten Cube-Würfel; Lea Jenner und Francis Perreault (Duo Unity) mit einem schwindelerregenden Liebesgeflüster in dem vom Rhönrad abgeleiteten Mono-Reifen. Und das Trio Artcore, das mit dem Luftring, einem Handstandspektakel und atemberaubendem Breakdance selbst kopfsteht und die Beobachter von den Sitzen reißt.

Rope Skipping: Die Gruppe der MT Melsungen.

Aber auch diesmal kommt der Sport nicht zu kurz. Weil Dauerbrenner Andreas Toba, vom Olympiaschock genesen, gemeinsam mit Helge Liebrich am Barren wirbelt, mit Lebensgefährtin Daniela Potapova eine wunderbare Kombination aus Pauschenpferd-Klasse und Rhythmischer Sportgymnastik schafft und mit Liebrich am Reck sowie mit Jana Zahlavova und Finja Säfken parallel am Stufenbarren spektakulär im Stakkato wirbelt. Da wissen die Beobachter gar nicht, wohin sie blicken sollen.

Ruslana und Taisiya Bazaliy (16), die Zwillinge aus der Ukraine, beeindrucken am Hochtrapez. Noah Chorny präsentiert Artistik, Kraft und Klamauk mit unglaublicher Leichtigkeit am schwankenden Laternenmast in fünf Metern Höhe. Das Quartett Lift (Blancaluz Capella, Laura Smith, Rafael Moraes, Mark Pieklo) zeigt am Hochportal-Pendel, wie sportlich Swingen interpretiert werden kann. Und die Six-Pack-Kerle von Motus and Friends aus Dänemark sorgen für hohes Tempo am Schleuderbrett und mit einem rasanten Flickflack-Spektakel auf der langen Sprungbahn.

Schließlich noch eine gute Nachricht: In Kassel läuft die Feuerwerk-Planung bereits bis 2024, aber das nächste Wiedersehen gibt’s am 7. Januar 2019. Das Motto dann: Connected – und alle, die am Dienstag da waren, werden diesem Feuerwerk verbunden bleiben.

Fotos von der HTV-Gala

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