Vom Fichtelberg nach Rügen

Nordhessisches Quartett bewältigt Deutschlands längsten Fahrradmarathon

Geschafft: Nach 612 Kilometern erreichten (von links) Dieter Gonnermann, Mario Leuchter, Rüdiger Schmidt und Roman Tendera das Ziel auf der Insel Rügen. Foto: privat/nh

Kassel. Mal eben mit dem Rad zum Baden fahren? Meist eine Sache von ein paar Minuten. Nicht so für Rüdiger Schmidt, Mario Leuchter (beide RSC Fuldabrück), Dieter Gonnermann (RC Wehretal) und Roman Tendera (PSV Grün Weiß Kassel).

Die Radsportler nahmen an der Fichkona, mit 612 Kilometern Deutschlands längstem Radmarathon, teil.

Morgens um zehn auf dem Fichtelberg: Die Veranstalter bimmeln mit einer Glocke, um die knapp 200 Teilnehmer zur Aufstellung zu bitten. „Ein Gänsehaut-Moment“, sagt Schmidt, der erstmals dabei ist. Die vier Nordhessen entscheiden sich, in der Leistungsgruppe zwei mitzufahren, die einen Durchschnitt von 30 bis 32 Kilometern pro Stunde anpeilt.

Es ist kalt: Fünf Grad, dazu Windstärken von bis zu 45 km/h. Durch das Erzgebirge geht es zum ersten Verpflegungsstopp nach Chemnitz. „Wir sind ganz schön schnell angegangen“, sagt Schmidt. „Zwischendurch habe ich gedacht, wir fahren, als läge das Ziel vor Augen.“ Dabei ist es noch weit. Seit zwei Monaten bereitete sich Schmidt vor. „Ich habe keinen Trainingsplan, sondern höre auf meinen Körper“, erklärt der 62-Jährige. Einheiten von bis zu 180 Kilometern ist er im Vorfeld gefahren.

Meist hängt jeder Fahrer seinen Gedanken nach, die Unterhaltungen im Feld sind eher kurz. „Wenn man in der Gruppe fährt, muss man sich konzentrieren“, erklärt Schmidt. „Wenn man das Geräusch einer Bremse hört, ist die Hand sofort am Hebel.“ Zu schnell kann aus einer Unachtsamkeit ein Sturz werden. Zum Glück passiert dem Quartett nichts.

Durch Potsdam wird das Feld von der Polizei eskortiert. Mitten in der Nacht erreichen die Fahrer Berlin. Hier gibt es einen etwas längeren Stopp. Es ist Zeit für einen Kleidungswechsel. Kurze Hosen werden gegen lange getauscht. Die Fahrt geht weiter durch die Nacht. Im Morgengrauen erreichen die Teilnehmer Stralsund, sehen schließlich endlich das Ziel: den Leuchtturm auf Kap Arkona auf Rügen. Es ist halb neun Uhr morgens. Die Nettofahrzeit liegt bei 19 Stunden und 48 Minuten. Das entspricht einem Durchschnitt von 30,8 km/h. Stolz machen die vier ein Zielfoto. Zum Frühstück gibt es Bratwurst und alkoholfreies Weizenbier, um die Reserven aufzufüllen. Zurück im Hotel überlegen die vier Männer schon, zu welchem Rennen sie als nächstes melden könnten. „Es gibt im Ausland ein Rennen über 850 Kilometer. Das werden wir noch in Erfahrung bringen“, grinst Schmidt. (ca)

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