Fifa-Skandal: Heimische Vertreter über den Offenen Brief des DFB-Präsidenten

Die Vorwürfe gegen hochrangige Fifa-Funktionäre wiegen schwer: Geldwäsche, Selbstbereicherung, Korruption.

Kassel. Fast täglich kommen neue Vorwürfe ans Licht. DFB-Chef Wolfgang Niersbach hat jetzt in einem Offenen Brief seine Reformvorstellungen bei der Fifa vorgestellt und an die rund 26 000 Fußballvereine in Deutschland geschickt. Wir haben mit heimischen Klubs darüber gesprochen.

• Gerhard Siewert (60), Vorsitzender des TSV Rothwesten: „Grundsätzlich begrüße ich den Brief. Denn unsere Mitglieder im Verein beschäftigt das Fifa-Thema sehr. Am schlimmsten ist es für uns im Verein, dass es in unserem Fußball offensichtlich nicht ehrlich zugeht. Deswegen finde ich den Vorstoß von Niersbach positiv. Denn bei der Fifa muss ordentlich aufgeräumt werden. Dennoch glaube ich nicht daran, dass es dazu ein Allheilmittel gibt. Dennoch ist es schön, dass Niersbach mit dem Brief versucht, einen Weg aufzuzeigen.“

• Klaus Siebott (70), Abteilungsleiter des SV Nordshausen: „Der Fußball darf nicht kaputt gemacht werden. Deshalb hoffe ich auf einen kompletten Neustart bei der Fifa, eine große Reform muss her. Ich finde es gut, dass die Machenschaften des Blatter-Imperiums endlich aufgedeckt werden. Niersbachs Vorstoß ist in Ordnung, aber es bringt nichts, wenn nur in Deutschland protestiert wird. Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass es auch sein Ziel ist, am Ende Fifa-Präsident zu werden.“

• Manfred Benda (57), Spartenleiter des SV Kaufungen: „Es ist schön zu sehen, dass sich der DFB-Präsident so einsetzt. Dieses Thema darf nicht totgeschwiegen werden. Aber das nehme ich nur zur Kenntnis, mehr nicht. Ändern wird es eh nichts. Die Fifa ist ein riesiger Sumpf, der für einen Neuanfang trockengelegt werden muss. Das System ist von Grund auf marode, und da hilft es bei Weitem nicht, eine Hand voll Leute auszutauschen.

• Peter Döhne (59), Vorsitzender des VfL Kassel: „Mit seinem offenen Brief an die Vereine erhofft sich Wolfgang Niersbach wohl die Unterstützung aller Vereine. Das ist schön und gut, aber wir verhältnismäßig kleineren Klubs haben ja keinen Draht zu ihm und es betrifft uns daher auch nicht direkt. Grundlegend ist es aber wichtig, dass etwas unternommen wird, um die Fifa neu aufzustellen. Neue Köpfe müssen her, es muss ein frischer Wind herrschen. Der gesamte Weltverband muss verjüngt werden.“

• Jörg Buchenau (52), stellvertretender Abteilungsleiter von Olympia Kassel: „Für den Verein bedeutet der Offene Brief erstmal gar nichts. Wir an der Basis sind von der Spitze so weit entfernt, da ist ein Kontakt zur Spitze nicht gegeben. Die Forderungen kommen jetzt viel zu spät. Schon bei der ersten Wahl Blatters kamen Gerüchte zu Unregelmäßigkeiten auf. Die Uefa und der DFB haben da jahrelang den Schlaf der Gerechten gehalten. Dennoch ist zu hoffen, dass jetzt Strukturen geändert werden, damit man Anti-Korruptions-Regeln auch in der Fifa umsetzt.“

• Willi Becker (63), Vorsitzender des FSC Lohfelden: „Der Offene Brief ist zu begrüßen. Aber für die Fifa sind zehn Punkte nicht genug. Das ist so ein Sumpf, da bräuchte es 100. Die Fifa ist aber von unserem Tagesgeschäft so weit entfernt, dass dies uns als Verein gar nicht betrifft. Für uns wäre es viel wichtiger, wenn Herr Niersbach einen Offenen Brief schreiben würde, wie die finanzielle Kluft zwischen Profibereich und Amateuren überwunden werden könnte.“

Hintergrund

In seinem Offenen Brief fordert DFB-Präsident Wolfgang Niersbach „einschneidende Veränderungen“ beim Weltverband Fifa. Wir haben die wichtigsten Aussagen herausgesucht:

• „Es muss zügig ein neuer Präsident gewählt werden, der für einen überzeugenden Neubeginn steht“.

• „Eine Aufarbeitung der Vergangenheit ist die Voraussetzung für neues Vertrauen in die Organisation“.

• „Ich plädiere für die Etablierung eines Integritätschecks, der durch die Ethikkommission vor der Wahl in das Exekutivkomitee durchgeführt wird“.

• „Ich spreche mich dafür aus, die IOC-Regel mit maximal zwölf Jahren für den Präsidenten der Fifa zu übernehmen“.

• „Für künftige Vergaben muss ein transparentes Verfahren entwickelt werden, dass sich eng an der technischen Bewertung orientiert und dadurch nachvollziehbar wird“.

• „Die Gewährleistung von Arbeitnehmerrechten und Sicherheitsstandards durch das Bewerberland muss schon im Prozess der Ausschreibung berücksichtigt werden“.

• „Die Fifa muss einschneidende Veränderungen auf den Weg bringen“.

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