Über Schweinehunde, Sportler und Straßenbahnen

Fitnessaktion 06:30: Das Protokoll der ersten Übungseinheit

Welch Start für unsere Fitnessaktion 06:30. 100 Frühaufsteher kamen am Dienstagmorgen auf den Basketballplatz in der Goetheanlage. Das Protokoll eines sehr frühen Termins.

5.50 Uhr: Das Zwitschern der Vögel deutet es an: Der Tag erwacht, die Dunkelheit der Nacht weicht. Der Wettergott hat ein Einsehen: Am Tag zuvor waren die Scheiben der Autos gefroren, heute ist es milder – beste Voraussetzungen für den Frühsport.

Aufgestanden, Wasser ins Gesicht, Müsliriegel gefuttert. Das ist hier nichts für Sportredakteure. Wir sind Spätarbeiter, Langschläfer. Ins 06:30-T-Shirt geschlüpft. Seltsam. Plötzlich ist da der Gedanke: Mach mit. Berichte nicht nur.

Alle Infos zu 06:30 Uhr gibt auf der Website www.sechs-dreissig.de

6.15 Uhr: Draußen herrscht die Ruhe vor dem Werktag, ein Radfahrer hier, ein Fußgänger dort – aber sonst? Nur um die Goetheanlage ist Betrieb. Aus jeder Richtung kommen Menschen in Trainingsklamotten, das Handtuch unter dem Arm. Manche joggen auch zum Basketballplatz am Ende der Anlage. Das Treffen derer kündigt sich an, die gewillt sind, ihren inneren Schweinehund zu überwinden – 06:30 startet in einer Viertelstunde.

Was für ein Gefühl das ist. So viele Menschen. So viel Erwartungsfreude. So viel gute Laune. Hallo!? Wisst ihr, wie früh es ist? Trotzdem: Das Logo auf meiner Brust fühlt sich jetzt richtig gut an. 

6.30 Uhr: Der Name ist Programm. 06:30 startet. Als Sascha Seifert, unser Fitnessexperte, die ersten Worte spricht, füllt sich der Basketballplatz mehr und mehr. Die Teilnehmerzahl steigt innerhalb von zwei Minuten noch einmal von 60 auf 100. Viele kommen auf den letzten Drücker. Morgens hat niemand eine Minute zu verschenken.

Imposant ist das. Wirklich imposant. All unsere Erwartungen übertroffen. Und alle warten jetzt auf das Startsignal. Wollen sich bewegen. Okay, ich mach dann auch mit. Wenigstens am Anfang. 

6.45 Uhr: Der Basketballplatz liegt in einer Art Kessel. Von der Goetheanlage aus lässt sich prima auf ihn blicken, und jetzt bietet sich ein tolles Bild: Im Kessel bilden 100 Frühsportler ein buntes Allerlei, sie recken sich, sie strecken sich. In dezentem Ton sind Hits zu hören, die noch einmal wacher machen. Fernab des Basketballplatzes fährt in Richtung Bebelplatz die Straßenbahn, die Menschen zu ihrem Arbeitsplatz bringt.

Ich breite mein Handtuch aus. Bin sein 3.30 Uhr wach. Aber hier, in der Gruppe geht das jetzt. Kniebeuge. Acht Durchgänge. Immer 20 Sekunden. Kann ich. Trainiere ich häufig. Ein paar Minuten später weißt du aber: Das wird anstrengend hier und heute. So früh am Morgen. 

6.55 Uhr: Aus dem Lautsprecher kommt nicht nur Musik, sondern auch das Signal für Anfang und Ende der Intervalle. Alle sind jetzt in Bewegung, im Rhythmus. Die Gesichter sprechen von Anstrengung, aber auch von Glück.

Bergsteiger jetzt. Puh, das geht schon wieder auf die Oberschenkel. Beim sechsten Durchgang fließt beim Nachbarn der Schweiß. Ich bin dann doch froh, dass ich mir Pausen nehmen kann. Muss ja Eindrücke notieren. 

7.05 Uhr: Die erste Übungseinheit endet mit viel Applaus. Auf den Straßen ist jetzt schon mehr los. Die Menge der Frühsportler löst sich auf – und geht fit in den Tag.

Wow. Was für ein Morgen. Ich habe jetzt nur die Hälfte des Programms absolviert. Aber eben auch eine Hälfte mehr, als ich völlig übermüdet gedacht hatte. Weil 06:30 Adrenalin frei gesetzt hat. Plötzlich war ich wach. Plötzlich wollte ich Bewegung. Wir waren schon 100. Und ich denke: Wir werden noch mehr.

Fitnessaktion 06:30: So war der Auftakt in der Goetheanlage

Frühsportaktion 06:30 an der Orangerie in Kassel

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