Interview: Er hat an jedem Kasseler Marathon teilgenommen – ein Ende ist nicht in Sicht

„Früher hießen wir Dauerläufer" - Lothar Schneider lief bereits 120 Marathons

Trophäensammler: Lothar Schneider und seine zehn Kasseler Medaillen. Foto: Scholz
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Trophäensammler: Lothar Schneider und seine zehn Kasseler Medaillen.

Kassel. In diesem Jahr fand in Kassel zum zehnten Mal der Marathon statt. Lothar Schneider ist von Anfang an dabei, obwohl alles mit einem Zufall begann.

1992 hörte Schneider in Berlin etwas über den Marathon und kam ins Nachdenken. Auf einem Bierdeckel rechnete er ein paar Zeiten zusammen – gelaufen war er schon als Jugendlicher und später auch beim Bundesgrenzschutz. 42,195 Kilometer müssten doch zu schaffen sein, war das Ergebnis seiner Berechnungen. 120 Marathons später liegt der Ruhepuls des 61-Jährigen bei 40 Schlägen pro Minute. In Kassel ist er alle zehn Marathons mitgelaufen. Wir sprachen mit ihm über seine Beweggründe.

Zehnmal sind Sie schon in Kassel mitgelaufen. Wird das nicht langweilig?  

Schneider: Laufen wird mir nie langweilig – egal wo. Kassel ist allerdings meine Heimatstadt geworden. Ich lebe freiwillig hier, weil ich mich hier wohl fühle. Der Marathon gefällt mir besonders gut, seitdem es eine Runde ist. Außerdem sind es nicht zu viele Höhenmeter, und natürlich motiviert mich auch das heimische Publikum.

Und auch am Zieleinlauf hat sich einiges geändert. Wie gefällt Ihnen das Auestadion? 

Schneider: Das ist für die Läufer und das Publikum toll. Ich selbst nehme mir im Stadion immer die Zeit, dass Publikum zu genießen.

Genießen? Das geht aber auf Kosten der Zeit, oder? 

Schneider: Zeiten haben für mich keine große Bedeutung. Mir geht es um den gesundheitsfördernden Aspekt des Laufens. So laufe ich meistens fünf Marathons im Jahr.

Wo sind Sie denn sonst noch gelaufen? 

Schneider: Boston, Athen, Berlin, Frankfurt, Münster, Arolsen. Alles hat seinen Reiz.

Aber Kassel bleiben Sie treu? 

Schneider: Auf alle Fälle. Ein Ende meiner Laufkarriere kann ich noch nicht sehen. Zum 90. Geburtstag werde ich mir allerdings eins von diesen E-Bikes wünschen (lacht). Vorher geht es hoffentlich noch eine Weile ohne Hilfe.

Und los: Die Marathon- und Staffelläufer beim Start auf der Damaschkestraße im vergangenen Jahr. Foto:  Fischer

Einen Marathon schüttelt man nicht aus der hohlen Hand. Wie läuft das mit dem Training? 

Schneider: Wegen der längeren Regenerationszeiten habe ich das Training eingeschränkt. Ich laufe meistens gar nicht, sondern trainiere durch Powerwalking. Außerdem profitiere ich von meiner langen Lauferfahrung. Früher hießen wir Dauerläufer.

Bundesweit geht der Trend zum Halbmarathon. Auch in Kassel starten nur wenige hundert Läufer auf der Langdistanz. Ist die halbe Strecke was für Sie? 

Schneider: Wenn bei einer Veranstaltung beides angeboten wird, laufe ich immer den Marathon.

Laufen Sie eigentlich vor etwas weg? 

Schneider: Keinesfalls. Ich laufe zu etwas hin – und zwar zu meiner Gesundheit.

Ist denn bei einem Ihrer Läufe schon mal was Besonderes passiert? 

Schneider: Dieses Jahr bin ich in Bad Arolsen aus gesundheitlichen Gründen die ganze Strecke gewalkt und habe dennoch viele Läufer überholt. Das hat schon Spaß gemacht.

Wie lange wollen Sie denn überhaupt noch laufen? 

Schneider: 2055 möchte ich wieder in Boston laufen. Da will ich dann die Alterswertung bei den 100-Jährigen gewinnen.

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