16-jähriger Philipp Büssemaker

„Für Angst habe ich keine Zeit“: Kasseler ist Junior-Meister im Rallycross

Kassel. Er tritt bei seiner ersten Rallycross-Saison an und mischt das Fahrerfeld direkt kräftig auf: Der 16-jährige Philipp Büssemaker aus Kassel ist deutscher Junior-Meister im Rallycross. Er zeigt uns unter anderem, wie so ein Rennwagen aufgebaut ist.

Wir haben mit dem jungen Rennfahrer außerdem über seine größte Leidenschaft gesprochen. Übrigens: Rallycross wird tatsächlich ohne "e" geschrieben (siehe Textende).

Der Fahrer

Wie kommt man eigentlich zum Rennsport? Alles begann bei einer etwas anderen Weihnachtsfeier – nämlich einer, die auf der Rennstrecke gefeiert wurde.

Die Mitarbeiter von Brandt Automobilservice nahmen den damals zwölf-jährigen Büssemaker mit und ließen ihn unter enger Aufsicht fahren. „Da haben sie gemerkt, dass ich das recht schnell begreife und dass mir nicht nur das Fahren, sondern auch das Schrauben Spaß macht.“ Das Werkeln hat er schon früh für sich entdeckt. Neun Jahre war er, als er anfing, mit seinen Großvätern – beide Maschinenbauer – an kleineren Motoren herumzutüfteln.

Seitdem hat ihn das Rennvirus gepackt: „Der Adrenalinkick beim Rennen ist schon super.“ Da passiere so viel auf einmal. Zeit für Angst bleibe da nicht. Respekt ja, Angst, auf keinen Fall. „Das bremst mich nur aus.“

Büssemakers schneller Erfolg ist aber nicht nur sein eigener Verdienst: „Ohne meine Familie, Freunde und das erfahrene Team Brandt wäre das alles gar nicht möglich“, betont er. „Ich bekomme viel Unterstützung und kann einiges lernen.“

Das Auto

Wenn Büssemaker von seinem knallgelben Seat Ibiza Cupra (Bj. 1998) spricht, leuchten dem 16-Jährigen die Augen. Den Renner hat er mit Hilfe seiner Teamkollegen von Brandt Automobilservice umgebaut. Ein ganzes Stück Arbeit: Einen anderen Motor (1400 Kubik, 101 PS), neue Rennreifen und einen Rennsitz bekam der Wagen, raus flogen Teppiche, die Sonnenblenden und allerlei Plastikverkleidungen. Das Ergebnis ist ein 900-Kilo-Bolide, mit dem Büssemaker sich den Pokal sicherte.

Das Training

Üben? Fehlanzeige: „Das hört sich vielleicht komisch an, aber ich trainiere eigentlich nur zwei bis drei Mal im Jahr“, sagt Büssemaker und zuckt mit den Schultern.

Was er aber macht, ist regelmäßig an seinem Seat zu schrauben. „Wenn ich das Auto kenne, kann ich besser einschätzen, wie es auf der Strecke reagiert“, erklärt der bodenständige Jugendliche. Für Hobbies neben dem Rennsport hat er kaum Zeit. Freunde treffen und mit ihnen Filme wie die „The-Fast-and-the-Furious-Reihe“ zu schauen, ist natürlich drin. Und auch seine Freundin sei ihm sehr wichtig.

Aber: Wenn Büssemaker oft bis in die Abendstunden schraubt, ist nicht für viel anderes Luft. „Das ist eben genau das, was ich möchte.“

Die Zukunft

Kommende Saison will er wieder bei Rallycross-Rennen antreten. Und beruflich hat er seine Nische gefunden: Gerade ist er im Praktikum bei einer Kfz-Werkstatt. Und später? Vielleicht macht er nach seinem Fachabitur eine Ausbildung, und sogar ein Maschinenbau-Studium. Deswegen ist er überzeugt: „Mit dem Rennsport mache ich jetzt genau das Richtige.“ Büssemakers großer Traum: „Einmal bei der Weltmeisterschaft mitfahren.“

Rally ohne e

Eine Rallycross-Saison – Rally schreibt sich hier tatsächlich ohne „e“ – hat fünf Rennen mit jeweils drei Qualifikationsläufen, die über die Startposition im Finallauf entscheiden. Fahrer bis 18 Jahre treten in der Produktionswagen-Klasse bis 1400 Kubikmeter an. Produktionswagen heißt, dass die Fahrzeuge zumindest in Sachen Leistung nicht allzu stark verändert werden dürfen. Die Rallycross-Strecken sind teils asphaltiert und teils mit Schotter bedeckt. Philipp Büssemaker bezeichnet Rallycross als „Kontaktsport“: Da gibt es immer mal wieder Zusammenstöße .

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