Mit 60 Jahren noch auf dem Trainingsplatz

Für KSV-Torwarttrainer Michael Gibhardt ist Bälle halten das Größte

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Immer gut festhalten: Torwarttrainer Michael Gibhardt vom KSV Hessen Kassel mit seinen „Azubis“ (hinten von links) Luke Schneider, Niklas Neumann (liegend) und Paul Kalbfleisch.

Kassel. Bekommt man von ihm eine Nachricht, ist sie unterschrieben mit „Michael Gibhardt, Torwarttrainer aus Leidenschaft“. Nach wie vor steht der 60-Jährige für den KSV Hessen Kassel jahrein, jahraus meist sieben Tage pro Woche auf dem Fußballplatz. Und das mit viel Spaß. Im Gespann mit Christoph Wiegand (37) arbeitet er mit 18 Torhütern etlicher Altersstufen.

Woher aber kommt Gibhardts Leidenschaft, der selbst viele Jahre lang das Tor verschiedener Klubs hütete und als 50-Jähriger noch ein Regionalligaspiel mit den Löwen beim SC Freiburg II bestritt? „Das Torwartspiel an sich fasziniert mich und was man dabei durch Bewegung und Abläufe organisieren kann. Ich lebe jede Situation des Keepers auf dem Platz intensiv mit“, sagt er.

Kaum nachvollziehen kann Gibhardt häufiger gewordene Lobeshymnen bei anscheinend tollen Paraden. Da hat er einen anderen Blick. „Ich sage oft, den musste der Schlussmann halten. Andererseits verstehe ich nicht, dass Torhüter oft gescholten werden, weil sie bei hohen Bälle nicht herauskamen. Denn das ist heute oft mit kaum kalkulierbarem Risiko verbunden.“

Die Leidenschaft, Bälle zu halten, immer wieder anzustacheln und das Leuchten in den Augen, auch den eigenen, zu erhalten, erachtet Gibhardt als Voraussetzung eines guten Torwarttrainers. „Es hilft zudem, wenn man selbst ein guter Keeper war. Wobei viele gute Schlussleute keine guten Torwarttrainer wären. Es reicht nicht, aus allen Lagen aufs Tor schießen zu können.“

Wie viel Anteil an der Torwartleistung der Trainer hat, vermag Gibhardt nicht zu beantworten. Nur so viel sagt er: „Die Freude über einen gehaltenen Ball ist größer als jede hohe Prozentzahl.“

Ob ein Schlussmann Talent hat, sieht Gibhardt recht bald. „An den Abläufen erkennt man das gleich. Nach zwei Trainingseinheiten sage ich ja oder nein. Für die weitere Entwicklung spielen dann viele Faktoren eine Rolle. Wie etwa die Frage, ob Fleiß und Besessenheit bleiben.“

Unter allen Torhütern imponierte Gibhardt am meisten Gordon Banks, der englische WM-Keeper von 1966. „Er war total fixiert, sehr präsent und hatte eine super Reaktion.“

Wie würde Gibhardt Manuel Neuer dazu bringen, wieder auf früherem Niveau zu spielen? „Er braucht Zeit und muss einfach dranbleiben. Die Nachwirkungen seiner Verletzung sind noch nicht vorbei.“

Was ihm der KSV bedeutet, drückt Gibhardt so aus: „Das ist meine Fußballheimat, die ich immer wieder lebe.“ Kaum verwunderlich, dass er Gedanken an seinen Rückzug mit den Löwen verbindet. „Ich hatte nach dem Abstieg aus der Regionalliga überlegt aufzuhören. Es ist ja nicht mehr alles bei mir so ganz beweglich“, sagt er und wendet den Blick doch wieder nach vorn: „Der Aufstieg wäre schon noch ein tolles Ziel. Aber eigentlich auch ein Anlass zum Aufhören. Und wenn es nur bei den Senioren wäre.“

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