Mitspieler aus Guinea sitzt im Gefängnis und soll abgeschoben werden

Fußballer von Dynamo Windrad kämpfen um Ibra

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Um ihn geht es: Soryba Drame, Spitzname Ibra, spielte bis vor Kurzem für Dynamo Windrad. Aktuell sitzt er in Abschiebehaft in Darmstadt.

Dynamo Windrad macht mobil. Der etwas andere Verein aus Kassel kämpft um Ibra – konkret handelt es sich um die zweite Herren-Fußballmannschaft. Denn ihr Mitspieler sitzt aktuell in einem Gefängnis in Darmstadt und soll am Freitag abgeschoben werden. Zunächst nach Spanien. Dort betrat der Flüchtling aus dem westafrikanischen Staat Guinea zuerst EU-Boden.

Max Winkler, Pressewart von Dynamo Windrad, erklärt, dass Ibra mit vollem Namen Soryba Drame heißt. Seit gut einem Jahr kickt er für die zweite Mannschaft in der Kreisliga B. Er habe sich damals als Ibra vorgestellt. „Mit Zlatan Ibrahimovic hat das aber nichts zu tun“, scherzt Winkler, obwohl der Ibra aus Guinea auch im Sturm spielt. Winkler beschreibt den Mitspieler als freundlich, fröhlich und höflich – „der mit dem süßen Lächeln.“ Er sei sehr engagiert gewesen und auffallend fair. „Und wenn wir nach Spielen und dem Training zusammensaßen, war Ibra dabei. Er war ein fester Teil der Mannschaft“, sagt Winkler.

Wie alt Ibra ist, wissen sie bei Dynamo nicht. Ebenso wenig hatten sie Ahnung davon, in welcher politischen Situation sich ihr Teamkollege befindet. Ibras Hintergrund sei nie Gesprächsthema gewesen. Die schockierende Nachricht kam am vergangenen Donnerstag. In die WhatsApp-Gruppe der Mannschaft schrieb Ibra sinngemäß: Hey Leute, ich sitze in Darmstadt im Gefängnis und muss wohl das Land verlassen. Alles Gute für euch!

Inzwischen haben sie sich bei Dynamo schlaugemacht: Ibra war über Marokko nach Spanien gekommen. Seine Flucht dauerte zwei Monate. Zwischendurch musste er arbeiten, um Schlepper zu bezahlen. Ein Boot brachte ihn über das Mittelmeer. Nachdem er sich nach Deutschland durchgeschlagen hatte, wurde sein Asylantrag abgelehnt. „Das hat uns aber nicht abgehalten, ihn herzlich zu begrüßen und ihm einen Spielerpass zu besorgen“, sagt Winkler.

Das Auswärtige Amt spricht von gefährlichen und instabilen Zuständen in Guinea. Dort hatte Ibra an Demonstrationen gegen die Regierung teilgenommen und musste miterleben, wie Freunde durch die Polizei zu Tode kamen. „Für uns ist es ein Schlag ins Gesicht, wenn aufgrund flüchtlingsfeindlicher Gesetze Menschen einfach verhaftet und abgeschoben werden sollen“, sagt Justus Ittner, Vorsitzender von Dynamo Windrad. Sie würden nun alles dafür tun, damit Ibra eine Bleibeperspektive in Kassel bekommt.

Bereits am vergangenen Freitag inszenierte der Verein spontan eine Kundgebung, an der 70 Menschen teilnahmen. Das Statement der Mannschaft wurde bei Facebook mehrfach geteilt. Dynamo erhielt viele Solidaritätsbekundungen – zum Beispiel aus Oldenburg, Hamburg und Leipzig. Für den heutigen Mittwoch ist in Kassel ab 18 Uhr eine Demonstration vom Halitplatz zur Ausländerbehörde geplant. Außerdem soll eine Petition an den hessischen Landtag gehen.

Winkler erinnert sich an einen ähnlichen Fall in Göttingen. Da wurde ein Spieler dank öffentlichen Drucks aus der Abschiebehaft entlassen. Dafür kämpft nun auch Dynamo Windrad.

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