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Fußballerin Ilayda Icier trägt vielleicht bald das Nationaltrikot

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Von: Wolfgang Bauscher

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Zupackend: Ilayda Icier, Torhüterin aus der Jugend des KSV Hessen Kassel, darf nach vielen Rückschlägen auf eine Berufung in die türkische U19-Nationalmannschaft hoffen. 3
Zupackend: Ilayda Icier, Torhüterin aus der Jugend des KSV Hessen Kassel, darf nach vielen Rückschlägen auf eine Berufung in die türkische U19-Nationalmannschaft hoffen. 3 © Andreas Fischer

Mehr Verletzungspech geht kaum. Zumal in der frühen Phase ihrer Laufbahnen. Die sich bei beiden Talenten des KSV Hessen Kassel seither unterschiedlich entwickelten. Während sich Berkant Icier (20) andere Ziele setzte, gelten die Ambitionen seiner Schwester Ilayda (17) nach wie vor dem Fußball. Mit der Teilnahme am Trainingslehrgang der türkischen Nationalmannschaft U 19 fanden diese nun einen ersten Höhepunkt.

Und mit der möglichen Berufung ins Team hoffentlich bald einen noch größeren.

Die in Lohfelden wohnenden Geschwister schwammen früher für die TSG Niederzwehren und fanden danach beim FSC Lohfelden und JFV Söhre zum Fußball. Später wechselten sie zum KSV Hessen. Ilayda hütete das Tor bei für Jungen und Mädchen und schaffte es in die weibliche Hessenauswahl U 16, Berkant etablierte sich in der U 15 und U 16 der Junglöwen. Es lief für die beiden, dann kamen die Rückschläge. Zwei Kreuzbandrisse und ein Schaden am Innenmeniskus mit Operationen sowie ein Handbruch bei Ilayda, ein Kreuzbandriss mit zwei Operationen und ein Meniskusschaden bei Berkant.

„Ich habe einen anderen Bezug zum Fußball als Ilayda. Träume von der Bundesliga wie sie hatte ich nicht“, sagt Berkant. Wieder spielen würde er schon gern, „jedoch nur hobbymäßig oder in unteren Klassen. Jetzt steht aber erst mal das Berufliche im Vordergrund“. Er macht eine Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten im Klinikum. „Danach will ich Medizin studieren. Arzt ist mein Traumberuf.“ Der vorläufige Abschied vom Fußball war für ihn „wie ein heftiger Niederschlag. Anfangs konnte ich das schlecht verarbeiten, brauchte Zeit. Eine Hälfte des Lebens fiel ja weg, ein Vakuum entstand“, betont er. Welche Alternativen er fand? „Ich habe unsere alte Dartscheibe vom Dachboden geholt und spiele. Und ich mache Kraftsport und Fitness.“

Dies alles ist kaum ein Ersatz für jemand, der direkt am Lohfeldener Nordhessenstadion mit dem Fußball aufwuchs. „Wir waren ständig dort. Nach der Schule wurde die Schwester gepackt, der Nachbar gepackt, der Ball gepackt und dann ging’s rüber zum Kicken“, berichtet Berkant Icier. Aber war dort immer geöffnet? „Nein, zur Not sind wir auch mal über den Zaun oder durch ein Loch geklettert.“

Für Schwester Ilayda begann dort, was sie nun womöglich in die türkische Nationalmannschaft führt. Nach all den Verletzungen war dies nicht zu erwarten. „Aber ich habe mich nicht unterkriegen lassen und trotz aller Zweifel immer am Ziel festgehalten. Zum Glück hatte ich große Unterstützung durch Familie, Ärzte und Therapeuten“, sagt Ilayda. Wie das Ziel hieß? „Ich war immer sehr ehrgeizig und hatte von klein auf schon den Wunsch, höherklassig zu spielen und es in die Nationalmannschaft zu schaffen. Egal, ob die deutsche oder die türkische.“

Auch in allen Zwangspausen war sie irgendwie auf dem Platz. „Ohne Fußball geht es nicht. Ich musste was tun. Wenn nicht mit den Füßen, dann eben mit den Händen. Da habe ich halt den Ball ständig an die Wand geworfen und wieder gefangen.“ Zudem erwarb sie die Trainer-B-Lizenz Frauen und Mädchen. Im Sommer will Ilayda Icier die Fachoberschule Gesundheit abschließen und dann eine Ausbildung zur Physiotherapeutin beginnen.

Bis dahin will sie sich sportlich weiter beweisen, zumal Anfragen höherklassiger Vereine eintreffen. Dass das Knie nicht mitmachen könnte, befürchtet sie nicht. „Wenn ich auf dem Platz stehe, zweifle ich keine Sekunde. Ich gehe auch wieder voll zur Sache, auch im Eins-gegen-Eins“, erklärt sie. Vater und Bruder schmunzeln dazu. „Sie ist extrem durchsetzungsfähig und schont weder sich noch den Gegner“, sagt Vater Serkan Icier, beim KSV in der Nachwuchsleitung tätig.

Und so ist die Welt für Ilayda in Ordnung. Sie überzeugte beim Lehrgang und darf wiederkommen. Zu zwei weiteren Trainingslagern. Überzeugt die 17-Jährige auch dort, könnte sie bald das Tor der türkischen U 19 hüten. Im April stehen drei Qualifikationsspiele für die Nations League an. Die Teilnahme wäre der zweite große Höhepunkt. Besonders nach all ihrem Verletzungspech. (Wolfgang Bauscher)

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