Interview-Serie Jugendsport im Lockdown

Fußballerin Paulina Platner: „In Corona-Pausen an Schwächen arbeiten“

Den Ball eng am Fuß: Paulina Platner, hier bei einem Lehrgang des DFB, spielt Fußball beim KSV Hessen Kassel.
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Den Ball eng am Fuß: Paulina Platner, hier bei einem Lehrgang des DFB, spielt Fußball beim KSV Hessen Kassel.

Der Nachwuchs leidet besonders unter Corona. Deshalb fragen wir in loser Reihenfolge bei jungen Sportlern nach, wie das Virus Leben, Sport und Freizeit verändert hat. Heute geht es weiter mit der Fußballerin Paulina Platner.

Kassel ‒ Sie ist wohl eines der größten Talente des vergangenen Jahrzehnts beim KSV Hessen Kassel. Paulina Platner ist das einzige Mädchen, das in der U15-Hessenliga unter lauter Jungs spielt. Trotz Corona-Pause hat sich die 15-Jährige prima entwickelt. Sie ist sowohl in Hessens höchster C-Jugend-Spielklasse (als Sechserin) als auch in der U16-Nationalmannschaft (Spielmacherin) eine absolute Leistungsträgerin.

Wie sah für dich vor Corona eine normale Sportwoche aus?
Montags hatte ich immer DFB-Stützpunkttraining in Bad Sooden-Allendorf, dann noch dreimal Training beim KSV Hessen – dienstags, mittwochs und freitags. Und am Wochenende ein Spiel. Zudem bin ich noch zur Basketball-AG in meiner Schule gegangen, und hatte dort auch mehrere Schulstunden Sport – aktuell sind es vier Stunden Leichtathletik.
Wie sieht dein Training jetzt in der zweiten Corona-Pause aus?
Sowohl im ersten als auch jetzt im zweiten Lockdown haben wir einen Wochen-Trainingsplan von der Nationalmannschaft bekommen. Zudem gibt es mit dem DFB Live Sessions. Außerdem gehe ich noch zusätzlich an der Werra laufen. Und ich spiele ein bisschen Fußball auf der Straße mit Schüssen gegen die Wand. So habe ich auch damals als kleines Kind mit dem Fußballspielen angefangen.
Was sind die Live Sessions des DFB?
Das sind Video-Konferenzen mit verschiedenen Inhalten. In der vergangenen Woche hatten wir zum Beispiel montags Körperwahrnehmung, am Dienstag Athletiktraining, am Mittwoch Sportpsychologie, am Freitag Techniktraining mit dem Ball und am Samstag Yoga.
Das hört sich sehr interessant an.
Ja, das stimmt. Wir können bei den Live Sessions viel ausprobieren. Wir haben zum Beispiel den Zugang zu einer Meditations-App bekommen. Vor der Yoga-Einheit sollten wir austesten, ob wir mit vorheriger Meditation die Übungen stärker wahrnehmen. Ein Ziel ist es, dass wir uns eigene Techniken zurechtlegen, um zum Beispiel nicht nervös in ein Spiel zu gehen.
Befürchtest du, dass die Corona-Unterbrechungen dich in deiner Entwicklung als Fußballerin behindern?
Ich denke, dass ich mich auch von März bis zum Saisonstart im September weiter entwickeln konnte. Ich kann mich auch im Lockdown ganz gut allein beschäftigen – mit Sport. Die Corona-Pause konnte man ganz gut nutzen, um an seinen persönlichen Schwächen zu arbeiten. Bei mir war das die Ausdauer. Wobei es natürlich echt schade ist, dass es jetzt eine erneute Pause gibt. Wir hätten normalerweise im November ein U16-Länderspiel gegen Dänemark gehabt. Das wäre schon cool gewesen.
Was sind die nächsten Ziele für dich?
Nächste Saison dürfte ich auch in der B-Jugend noch weiter bei den Jungs beim KSV Hessen spielen. In der A-Jugend dann aber nicht mehr. Wenn ich zu einem größeren Frauen-Team wechseln wollen würde, wäre zu überlegen, dass ich das noch vor der zwölften Klasse mache, um nicht mitten im Abi Schule und Wohnort wechseln zu müssen. Da steht aber momentan noch nichts fest.
Aber du willst schon erstmal viel auf die Karte Fußball setzen?
Ja, ich würde schon sehr gerne in der Frauen-Bundesliga spielen. Und es wäre auch ein großer Traum, es in das A-Nationalteam zu schaffen und bei einem großen Turnier mit dem DFB dabei zu sein. Aber ich finde es auch toll, wenn man mit dem Fußball viel rumkommt und Erfahrungen sammeln kann. Deshalb würde ich auch gern mal im Ausland Fußball spielen. Zum Beispiel in Paris. Die Stadt gefällt mir. (Sebastian A. Reichert)

Zur Person: Pauline Platner

Paulina Platner (15) begann das Fußballspielen beim TSV Gertenbach und SSV Witzenhausen. 2016 wechselte sie zum KSV Hessen Kassel, wo sie aktuell in der U15-Hessenliga spielt. Bei ihrem Debüt für das U15-Nationalteam im Dezember 2019 erzielte sie das Tor zum 3:1-Endstand in Belgien. Mit ihren Eltern wohnt Paulina in Witzenhausen-Blickershausen. Sie hat zwei ältere Schwestern (20, 25) und besucht die zehnte Klasse der Rhenanus-Schule in Bad Sooden-Allendorf. Die Gymnasiastin ist sportlich vielseitig interessiert (Basketball, Leichtathletik, Surfen, Snowboard, Ski) und lernte als Kind Klavier und Geige. (srx)

Kromp und Keppel schwärmen von Paulina Platner

Friederike Kromp, Trainerin U16-Nationalmannschaft: „Zuletzt in einem Lehrgangstest gegen den FC Bayern II hat Paulina eine herausragende Leistung gezeigt. Sie spielt für ihr Alter sehr reif und abgeklärt, löst auch unter Druck noch fast alle Situationen spielerisch. Paulina zeigt viel Ehrgeiz und Willen und hat sehr viel Potential. In den nächsten zwei, drei Jahren kann sie es in die Bundesliga schaffen.“
 
Christian Keppel, Trainer U15 KSV Hessen Kassel: „Paulina ist ein absolutes Vorbild für jeden Fußballer – immer engagiert, immer bei 100 Prozent, absolut zuverlässig. Und was ich am meisten mag – sie bleibt komplett auf dem Boden. Auf dem Platz hat sie eine gute Übersicht und ist sehr handlungsschnell. Wenn Paulina so weiter macht, steht ihr eine tolle Zukunft bevor.“

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