Interview

Groundhopper über Besuche in deutschen Fußballstadien

Alles im Blick: Groundhopper Jonas Schulte im Fußballstadion des CSC 03 Kassel an der Kasseler Jahnstraße, wo die Gruppenliga-Begegnung gegen die SG Breuna/Wettesingen/Oberlistingen auf seinem Besuchsprogramm stand. Foto: Schachtschneider

Kassel. Jonas Schulte liebt Fußball. Und die Orte, wo er gespielt wird. Vor allem in Deutschland findet der Groundhopper (siehe Hintergrund) immer wieder Stadien, die einen Besuch wert sind.

In Kassel standen natürlich das Auestadion und der KSV Hessen Kassel schon auf dem Programm. Zuletzt besuchte der 28-Jährige allerdings das Stadion an der Jahnstraße, die Heimstatt des CSC 03 Kassel. Wir sprachen mit Schulte über seine Leidenschaft.

Na, haben Sie das Flugticket nach Nordkorea schon gebucht? 

Schulte: Nein, in der Liga spiele ich nicht. Ich konzentriere mich vor allem auf die unterklassigen lokalen und regionalen Fußballereignisse in Deutschland.

Was wäre denn der ultimative Kick für Sie als Groundhopper? Gibt es einen Sehnsuchtsort? 

Schulte: Liverpool und das Stadion an der Anfield Road gehören auf alle Fälle dazu. Mich interessieren aber auch Stadionruinen, die mit Moos überwachsen sind, auch wenn dort gar keine Spiele mehr stattfinden. Dazu zählt das ehemalige Stadion Donnerschwee in Oldenburg.

Aber auch in der Region sind Sie schon fündig geworden. Was ist denn hier noch reizvoll? 

Schulte: Das Liemecke-Stadion in Wolfhagen. Die Haupttribüne ist der Blickfang schlechthin. Auch das Stadion in Stadtallendorf steht noch auf meinem Besichtigungsprogramm. Direkt hier in der Nachbarschaft ist aber auch das Parkstadion in Baunatal interessant. Eine Mega-Schüssel mit Zweitliga-Vergangenheit - da wird Fußball-Geschichte wieder lebendig.

Wie kommt man auf so ein skurriles Hobby? 

Schulte: Die Idee stammt aus einem Traum. Mein Vater wollte uns immer mit zu einem Bundesligaspiel nehmen. Weil das aber so lange gedauert hat, hatte ich in der Zwischenzeit schon von den großen Stadien geträumt. Da musste dann einfach auch in der Realität was passieren. Jetzt habe ich die Möglichkeit, mir die Fußballstadien anzuschauen, die ich sehen möchte. Groundhopping hat nämlich auch viel mit persönlicher Freiheit zu tun.

Aber extremes Groundhopping ist schon eine Vollzeitstelle. Wie machen Sie das? 

Schulte: In der Szene gibt es finanziell abgesicherte Privatiers aber vor allem auch Studenten und ganz normale Fußballfans. Viele sammeln Länderpunkte, mit denen sie sich dann vergleichen. Ich konzentriere mich vor allem auf Deutschland. Alles muss machbar und vor allem finanzierbar bleiben. Ich setze auf den Spaßfaktor und will mich nicht mit anderen messen. Mich interessieren auch die vergessenen Geschichten und nicht in erster Linie die Regeln.

Welche Regeln sind denn in der Szene besonders wichtig? 

Schulte: Im Stadion muss man ein Spiel bis zum Abpfiff gesehen haben, und es dürfen keine Freundschaftsspiele sein. Mir ist meine Freiheit wichtiger als diese Regeln, die ohnehin nirgendwo fixiert sind.

Nehmen Sie Vorschläge an? 

Schulte: Ja gern, meine Internetseite ist bewusst interaktiv angelegt. Und manche Einladungen nehme ich auch an.

Zur Person:

Jonas Schulte (28), lebt im Moment in Kassel, volontiert bei Radio ffh und hat Geschichte und Journalistik in Gießen studiert. Schulte ist liiert. Bisher hat er rund 150 „Grounds“ besucht.

Mehr über ihn und seinen Blog unter www.groundblogging.de, facebook.com/groundblogging und twitter.com/groundblogging

Hintergrund:

Groundhopping ist eine Sammelleidenschaft von Fußballfans, bei der es darum geht, Spiele in möglichst vielen verschiedenen Stadien zu besuchen. Die Szene ist weitgehend unorganisiert, einheitliche Regeln gibt es kaum. „Ground“ bezeichnet unter anderem das Spielfeld eines Stadions oder einer Halle. „To hop“ bedeutet hüpfen oder springen. Groundhopping meint also das schnelle Hüpfen von Stadion zu Stadion. Die erste Idee, Groundhopping organisiert zu betreiben, hatte der Brite Geoff Rose 1974. In der Fußballzeitschrift „Football League Review“ schlug er vor, für Fans, die alle 92 Stadien der vier englischen Profiligen besucht hatten, eine spezielle Krawatte zu produzieren.

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