Spieler von Fußball-Gruppenligist Eintracht Baunatal beweisen Vereinstreue

Es begann schon im Kindergarten

Die Fußball-Mannschaft von Eintracht Baunatal auf einem Mannschaftsfoto aus dem Jahr 2010
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Vor zehn Jahren Meister der Gruppenliga: Die A-Jugend von Eintracht Baunatal mit (hinten von links) Ömer Yagmur, Jonas Prauß, Kevin Lengemann, Pirajeev Selvachandran, Michael Grajossek, Niels Willer, Marcel Dumeier, Michael Kördel, Maurice Kraft, Trainer Manfred Katluhn, (vorn von links) Kevin Götting, Andreas Bürger, David Katluhn, Max Schafdecker, Jamie Scott, Malte Schulz, Michael Römer und Eray Agzikara.

Bis zur Corona-Pause sorgten sie mit sportlichen Erfolgen für Schlagzeilen und führen die Fußball-Gruppenliga 1 an. Doch das ist nicht das einzig Interessante am Team des GSV Eintracht Baunatal. Denn zahlreiche Spieler zeichnen sich durch Vereinstreue aus, viele trugen sogar bisher ausschließlich das Trikot der Großenritter.

Baunatal - „Das ist ein Glücksfall. Da kam vieles zusammen. Ich glaube kaum, dass man das noch mal so hinbekommt“, sagt Manfred Katluhn. Alles begann bei ihm im Garten mit vier Jungen, die sich aus dem Kindergarten kannten, darunter Katluhns Sohn David. Oft wurde gekickt, mehr Kinder kamen hinzu. „Irgendwann haben die Eltern keine Ruhe mehr gegeben. Die Jungs sollten bei der Eintracht eine Bambini-Mannschaft bilden“, blickt Katluhn zurück. Und zwar mit ihm als Trainer, zumal er bereits für ein weiteres Jugendteam mit seinem älteren Sohn Jörn verantwortlich zeichnete.

Mehr Kinder kamen hinzu wie etwa Torjäger Niels Willer und Andreas Bürger. Nach und nach wuchs die Mannschaft zusammen, Erfolge stellten sich ein. „Was auch daran lag, dass wir national und international viel mit Ernst Martin unterwegs waren“, sagt Katluhn. Martin, ehemaliger Spieler des KSV- Hessen, engagierte sich lange in der Jugendarbeit und organisierte viele Reisen. „Es ist ja auch schön, wenn man nicht immer nur gegen Teams aus der Nachbarschaft spielt“, sagt Katluhn, „selbst wenn wir manchmal als Ernsts Reisegruppe bespöttelt wurden“.

Der Trainer und seine Schützlinge blieben zusammen, auch als deren Wechsel zu den Senioren anstand. Erst 2017 beendete er sein Engagement. Verbunden bleibt er seinen groß gewordenen Jungs dennoch. „Das sind alles meine Söhne“, sagte er damals. Auch wenn die Bezeichnung „Söhne“ nicht ganz zutrifft. Denn mit Carolin Simon gehörte auch ein Mädchen dazu. Beim GSV begann die Nationalspielerin des FC Bayern mit dem Fußball.

Bei den Bambini begann auch Jamie Scott. Dass die Jungen zusammenwuchsen, ist für den Abwehrspieler kein Wunder. „Wir kannten uns aus der Schule, dem Dorf, teils waren wir sogar Nachbarn. So wuchsen Freundschaften, und wir hatten auch neben dem Platz viel Spaß zusammen“, sagt er. Zu anderen Vereinen zu wechseln, sei daher für fast alle kein Thema gewesen. „Erfolgreich Fußball gespielt haben wir auch und das Drumherum auf der Langenbergkampfbahn hat gestimmt. Wir lieben es so, wie es ist.“

Daran änderten auch die beiden Abstiege aus der Verbandsliga 2017 und 2019 nichts. „Wir spielen ja meist oben mit oder kämpfen gegen den Abstieg. Im Mittelfeld dümpeln wir nicht rum, das macht es interessant.“ Dass es bei der Eintracht zu heimelig zugehen könnte, glaubt Scott nicht: „Das ist hier keine Wohlfühloase. Die Jungs bleiben auch nicht deshalb, weil es woanders vielleicht unbequemer zugeht.“

Scott selbst gehört zu denen, die ihr sportliches Glück zwischenzeitlich woanders suchten. In C- und B-Jugend spielte er für den KSV Baunatal, kam dann aber zurück. Wie auch Eray Agzikara, der sich beim SV Türkgücü und BC Sport versuchte. „Dort hat es nicht so viel Spaß gemacht wie bei der Eintracht und gab weniger Zusammenhalt. Hier ist meine Familie und meine Heimat“, sagt der 28-Jährige. Wenn es so weit ist, wird er seine Karriere dennoch voraussichtlich nicht beim GSV beenden, sondern beim SSV 1951 Mattenberg, bis 2019 SSV 1951 Kassel. „Da spielen viele gute Freunde von mir. Denen habe ich das versprochen.“

Von Wolfgang Bauscher

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