Vor Ort: Kassel Titans bestreiten erstes Heimspiel der Saison in der Football-Oberliga gegen Kaiserslautern

Harte Jungs und ganz viel Herz

Festgemacht: Die Teams aus Kassel (in blau) und Kaiserslautern kämpfen um das Angriffsrecht. Am Ende trennten sich die Nordhessen im ersten Heimspiel mit 13:13 von den favorisierten Gästen. Fotos:  Schachtschneider

Kassel. Das Wolkenspiel über der Orangerie verheißt Regen. Es ist kalt. Auf der Hessenkampfbahn herrscht dennoch emsiges Treiben.

In einer Stunde ist Kick-Off, also frei übersetzt Anstoß: In der American-Football-Oberliga empfangen die Kassel Titans die Gäste der Kaiserslautern Pikes zum ersten von insgesamt fünf Heimspielen der neuen Saison.

DIE ZAUNGÄSTE

Gentiana Abazi und Besnik Syla luken durch den Zaun. Gerade haben die Beiden am Auedamm geparkt, wollen Spazieren gehen, als sie die Sportler auf dem Feld sehen. „American Football in Kassel?“, fragt Gentiana. „Das haben wir ja noch nie gesehen.“ Schnell machen sie einige Fotos mit dem Handy. Eine Familie mit Kinderwagen gesellt sich dazu, später halten drei Fahrradfahrer an.

DIE TEAMMANAGERIN

Neben dem Feld steht Nadine Siebrecht. Sie ist bereits seit drei Stunden an der Hessenkampfbahn. „An Spieltagen muss eine Menge koordiniert werden“, erklärt sie. „Der Platz muss abgekreidet, das Feld aufgebaut, Wasser besorgt und Obst geschnitten werden.“ 50 Spieler umfasst der Kader der Titans. Nadine engagiert sich dort seit vier Jahren, ist als Kassenwartin im Vorstand aktiv. Ihr Mann Philipp ist für die Defensivabteilung der Titanen zuständig. Während des Spiels filmt Nadine die wichtigsten Szenen, damit Cheftrainer Sefa Okumus Material für die Spielanalyse hat.

DER SPRECHER

Mit fünfzehn Minuten Verspätung laufen Titans und Pikes ein. Die Orangerie bietet eine tolle Kulisse, es bleibt trocken. Die Cheerleader der Dance Devils Melsungen stehen Spalier. Heute haben sie die Jacken angelassen. „Zu kalt für bauchfrei“, sagt Team Captain Jeanette Stöhr. Rockmusik dröhnt aus den Boxen. Zwei Fahnen mit dem Kassel-Wappen und dem Titans-Symbol wehen. Sprecher Ben Rim, ein Jugendspieler der Titans, erklärt den Zuschauern übers Mikro genau, was passiert.

DAS SPIEL

Die Gäste aus Kaiserslautern gelten als Ligafavorit. „Aber das zählt nicht“, sagt Receiver Benny Schütz. „Wir spielen, um zu gewinnen.“ Die Titans agieren mutig, es ist spannend: Zur Halbzeit steht es 6:6. Unter den etwa 100 Zuschauern sind auch die Familien der Spieler. Sandra Sauer, Mutter von Kevin Ekhorutomwen, drückt Daumen und hofft, dass sich keiner verletzt. „Angst um die Knochen hat man immer“, sagt sie. „Aber wir freuen uns, dass es wieder losgeht.“ Nadine Bensch nickt. Sie ist mit den Söhnen Lennard (6) und Thor (2) gekommen, um Papa Ingo Schmidt anzufeuern. Der ist seit acht Jahren dabei. Beim Tasche packen kontrolliert er dennoch lieber dreimal, ob er alles dabei hat. Es geht zur Sache, beide Teams schenken sich nichts. „Es gibt nichts Schöneres, als wenn zwei starke Männer ineinander scheppern“, sagt Nadine Siebrecht. Die Partie endet 13:13. „Ein starkes Unentschieden, ein guter Auftakt“, sagt Titans-Schriftführer Marc Möbus. Am Samstag steht das zweite Heimspiel gegen Haßloch an.

DAS ABBAUEN

Bis 19.30 Uhr ist das Abbauteam noch auf der Hessenkampfbahn im Einsatz. Dann wird gemeinsam angestoßen. Titan Andreas Meisinger gibt einen aus: Er hat geheiratet. „American Football ist auch ein bisschen Familie“, sagt Nadine Siebrecht. „Man muss mit ganz viel Herz dabei sein.“

Von Carina Wagener

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