Interview mit Bosna-Trainer Arslanovic, dessen Team nach 1:14 in der Relegation trotzdem wieder antritt

„Hat etwas mit Respekt zu tun“

Kassel. Relegationsspiele sind spannend. Oft äußerst ausgeglichen. Und hart umkämpft. Wenn das klassenobere gegen das klassentiefere Team spielt, entscheiden meist Nuancen um Auf- und Abstieg. Nicht so in der Entscheidung um die Ligazugehörigkeit zur Kreisliga A, Gruppe 1. Da gewann nämlich B-Ligist Waldau im Hinspiel mit 14:1 bei Bosna i Herzegowina. Das heutige Rückspiel (18.30 Uhr, Sportplatz an der Nürnberger Straße) ist also bedeutungslos. Warum Bosna trotzdem antreten wird, haben wir Trainer Camil Arslanovic gefragt.

Haben Sie das Ergebnis schon verdaut?

Camil Arslanovic: Das war schon ziemlich heftig, aber es gibt auch Gründe dafür. Zwei Spieler waren gesperrt, drei verletzt, drei weitere mussten arbeiten. So standen nur drei aus der ersten Mannschaft auf dem Platz, der Rest bestand aus unserem Altherren-Team.

Aber bei einem 1:14 hat dann ja gar nichts funktioniert.

Arslanovic: Das 0:1 ist blöd gefallen, den zweiten Gegentreffer haben wir uns selbst eingeschenkt. Als wir aber den Anschlusstreffer zum 1:3 gemacht haben, kam wieder Hoffnung auf. Der Knackpunkt war dann eine strittige Situation, als der Linienrichter die Fahne bei einem gegnerischen Angriff wegen Abseits hob, der Schiedsrichter aber nicht pfiff. Wir haben das zu spät realisiert, und wenig später stand es 1:4. Da war die Motivation so weit im Keller, und die Spieler hatten keinen großen Bock mehr.

Haben Sie nach der Partie daran gedacht, das Rückspiel abzusagen?

Arslanovic: Nein, auf keinen Fall. Wir sind faire Sportsleute und werden in Waldau antreten. Das hat ja auch etwas mit Respekt vor dem Gegner zu tun.

Jede Menge Lust werden Sie aber nicht haben, oder?

Arslanovic: Das wir dieses Ergebnis nicht mehr korrigieren können, ist uns klar. Aber wir wollen am Ende auch nicht den Eindruck erwecken, dass wir in dieser Relegation nur Kanonenfutter waren. Wir werden zeigen, dass wir auch anderen Fußball spielen können.

Was macht Sie da so optimistisch?

Arslanovic: Vier Spieler aus der ersten Mannschaft werden zurück ins Team kommen, da benötigen wir nicht mehr ganz so viel Hilfe aus der Altherren-Mannschaft.

Ohne die sie aber das Hinspiel gar nicht hätten spielen können.

Arslanovic: Das ist richtig. Ich ziehe den Hut vor dem Einsatz unserer Alten Herren. Das ist ein eingeschworener Haufen von Spielern, die uns wie selbstverständlich geholfen haben. Die sind immer da und beißen auf die Zähne, wenn es drauf ankommt. Das ist echt klasse.

Aber heute Abend bedarf es wohl etwas mehr als einer feurigen Kabinenansprache ihrerseits?

Arslanovic: Was heißt Kabinenansprache. Es wird mein letztes Spiel als Bosna-Trainer werden, also versuche ich die Jungs so zu motivieren, dass wir uns vielleicht noch mit einem Sieg verabschieden können.

Und wie geht es mit dem Verein dann in der kommenden Saison weiter?

Arslanovic: Wir wussten vor der Saison, dass der Abstieg nicht zu vermeiden ist. Obwohl wir im letzten Spiel der regulären Saison aus Personalmangel nicht antreten konnten, haben wir noch den Relegationsplatz erreicht. Das war gut, ändert am Ende aber auch nichts mehr. Für die kommende Spielzeit hat Bosna wieder eine erste Mannschaft und ein Altherren-Team gemeldet. Ob es dafür auch genügend Spieler gibt, wird sich zeigen. Vielleicht müssen wir auch ein Team zurückziehen.

Ein 1:14 wird es dann nicht mehr geben?

Arslanovic: Im Fußball ist vieles möglich, aber es sind meist besondere Umstände, die ein solches Ergebnis bewirken. Wir werden jedoch sicher nicht mehr allzu lange darüber nachdenken. FÜNF TIPPS

Von Torsten Kohlhaase

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