Vor 60 Jahren gab Günter Boller dem Bundestrainer in einem Brief Tipps für die WM

Sepp Herberger schrieb zurück

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Tolle Erinnerung: Günter Boller aus Kassel zeigt stolz den Brief und das Foto von Sepp Herberger. Beides schickte ihm der Bundestrainer.  

Kassel. Stellen Sie sich vor, Sie schreiben Fußball-Bundestrainer Joachim Löw einen Brief mit Tipps für die WM 2018, und der antwortet Ihnen. Unvorstellbar. Genau das hat der Kasseläner Günter Boller vor 60 Jahren erlebt.

1957, ein Jahr vor der WM in Schweden, wo die Nationalelf den Titel verteidigen wollte, hatte der Trainer Sepp Herberger nicht die Möglichkeit, an Informationen über die Form der Nationalspieler zu kommen wie heute. Daher schrieb ihm der besorgte Boller – eigentlich als Naturfreund und Wanderer bekannt. Und Herberger antwortete (siehe Kasten rechts) mit einem Brief, der heute vor 60 Jahren in Kassel ankam.

DER ANTRIEB

Seit dem WM-Titel 1954 herrschte in Deutschland eine Rieseneuphorie rund um den Fußball. Ein Jahr bevor der Titel verteidigt werden sollte, machte sich Boller Sorgen um den Leistungsstand der deutschen Mannschaft. Durch die Informationen, die er über die heimische Presse und das Radio bekam, wollte er dem Bundestrainer Vorschläge machen, welche Spieler dieser testen könnte, um sie in den Kader aufzunehmen.

DER BRIEF

Am 9. August 1957 schickte Boller einen Brief über den Deutschen Fußball-Bund an Herberger. Darin machte er zunächst dem Trainer deutlich, dass die deutschen Fans die Sorgen des Bundestrainers teilten, wenn es um die Titelverteidigung 1958 und die Zusammenstellung des Kaders ginge. Dabei machte Boller dem „Chef“ auch Vorschläge über Personal, Aufstellung und Spieler. Boller wies in diesem Zusammenhang auf die Problematik der Besetzung des Stopperpostens, aber auch die Zusammensetzung der Sturmreihe hin.

Auch mit kritischen Worten wie über das damals rückständige Spielsystem hielt Boller nicht hinter dem Berg. Bevor er zum Ende seiner Ausführungen kam, wünschte er sich ein Bild mit Autogramm. Seine Ausführungen schlossen mit folgenden Worten: „Auf jeden Fall wünsche ich ihnen alles Glück, was auch der Könner braucht, für die kommenden großen Aufgaben.“

DIE REAKTION 

„Mit einer Antwort des Bundestrainers hatte ich überhaupt nicht gerechnet,“ sagt der Pensionär noch heute. Doch die ließ gar nicht so lange auf sich warten. Herberger schrieb am 21. August 1957, Günter Boller holte den Brief am 24. August aus dem Kasten. Der Bundestrainer ging auf seine Vorschläge ein, war teilweise auch Bollers Meinung, wies allerdings noch auf die anstehenden Testspiele im September und Oktober hin.

Außerdem erfüllte er Bollers Wunsch bezüglich eines Fotos mit einer Widmung. Den Brief und das Bild hat der Kasseläner bis heute aufbewahrt und nun wieder gefunden. „Es war der Confed-Cup, der mich in den alten Unterlagen stöbern ließ“, sagt Boller, der immer noch großer Fan der Nationalelf ist.

Von Horst Schmidt

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