Außenseiter überraschte

Hermannias Handballer mischten vor 30 Jahren die Regionalliga auf

Erfolgsteam: Der SV Hermannia im Jahr 1989 mit (hinten von links) Frank Schiffmann, André Breiding, Stefan Willrich, Dietmar Rohde, Ralf Helbing, Matthias Henne, Trainer Michael Boldt, (vorn) Uwe Nagelschmitt, Frank Austermühl, Stefan Becker, Wolfgang Denk, Michael Leuschner und Jean-Claude Gutzeit.
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Erfolgsteam: Der SV Hermannia im Jahr 1989 mit (hinten von links) Frank Schiffmann, André Breiding, Stefan Willrich, Dietmar Rohde, Ralf Helbing, Matthias Henne, Trainer Michael Boldt, (vorn) Uwe Nagelschmitt, Frank Austermühl, Stefan Becker, Wolfgang Denk, Michael Leuschner und Jean-Claude Gutzeit.

Die Tabelle der Handball-Regionalliga Südwest, die vor 30 Jahren am 11. Dezember 1989 in der Ausgabe dieser Zeitung erschien, war schon eine besondere. 

Genau die Hermannen, deren Verein vor zehn Jahren Insolvenz anmelden musste, und die dann gänzlich von der sportlichen Bildfläche verschwanden. Im Jahr 1989 hatte das alles noch ganz anders ausgesehen. Es war schon eine kleine Sensation, als der SV Hermannia im Frühjahr den Aufstieg in die Regionalliga schaffte.

Ein Aufstieg, der eigentlich nicht geplant war. „Als wir aber zur Halbserie in der Oberliga vorn standen, haben wir uns den Aufstieg vorgenommen“, erinnert sich Stefan Willrich, der damals in der erfolgreichen Mannschaft spielte. Der Großteil der Akteure spielte schon seit der Bezirksliga zusammen und war gemeinsam in die Oberliga aufgestiegen. 

Früher Schulmannschaft betreut

„Wir waren schon eine verschworene Gemeinschaft“, sagt Willrich. Zwischendurch kam die erfolgreiche A-Jugend, die von Stefan Willrichs Vater Adolf trainiert wurde, dazu. Und dann auch Michael Boldt als Trainer, der hatte die Jugendspieler schon in der Schulmannschaft des Kasseler Goethegymnasiums betreut.

Auf den damaligen Hessenmeister und Aufsteiger aus der Nordstadt kamen in der neuen Klasse weitere Fahrten zu, ein ziemlicher Zeitaufwand für die lupenreinen Amateure. „Wir haben ja alle gearbeitet oder studiert“, sagt Willrich. Zweimal in der Woche war Training, jeweils zwei Stunden, für die „Auswärtsstudenten“ nur einmal am Freitag. „Michael Boldt hat uns im Training lang gemacht“, erinnert sich der heute 60-jährige Willrich. „Damit wir den Anforderungen der Regionalliga gewachsen waren.“

Spannende Saison

Hermannias Handballer mischten vor 30 Jahren die Regionalliga auf

Und das waren die Hermannen scheinbar, denn zum Abschluss der Serie wurden sie hinter Meister Wiesbaden und Groß-Bieberau Dritter – noch vor Melsungen und Gensungen. Zwischen Aufstieg und Saisonende lag eine spannende und reizvolle Saison. „Wir haben unsere Heimspiele in der Hegelsberghalle ausgetragen und die war immer proppenvoll“, sagt Willrich. Im März 1990 stellte sich der spätere Meister Wiesbaden zum Beispiel am Hegelsberg vor, mit dem 1978er-Weltmeister Manfred Freisler. 20:20 endete die Partie und die Stimmung in der Halle war grandios.

Bierreserven aufgefüllt

Und auch den Hermannen ist natürlich das passiert, was vielen Mannschaften, egal welcher Sportart, schon passiert ist. Nach der Toilettenpause auf der Heimfahrt von einem Auswärtsspiel hatten Stefan Willrich und sein Bruder Henning die Bierreserven aufgefüllt. Als sie zurückkamen, sahen sie nur noch die Rücklichter des Mannschaftsbusses. „Mein Frau Claudia hatte uns aber sofort als vermisst gemeldet, sodass der Bus noch in der Auffahrt wieder anhielt“, erzählt Willrich.

Noch heute trifft sich die alte Truppe von 1989 einmal im Jahr. Mal geht es zu den Final Four der Handballer, mal gehen die ehemaligen Hermannen gemeinsam essen. Also immer noch eine verschworene Gemeinschaft, die erst mit dem Aufstieg überhaupt überraschte und dann auch noch mit dem dritten Tabellenplatz.

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