Ex-Schlussmann arbeitet auch mit 71 noch als Torwarttrainer

Im Kicker war Kaiser ein Kaiser

Immer noch mit großer Leidenschaft bei der Sache: Horst Kaiser ist auch mit 71 Jahren Torwarttrainer und gibt seine Tipps an die jüngeren Generationen weiter.
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Immer noch mit großer Leidenschaft bei der Sache: Horst Kaiser ist auch mit 71 Jahren Torwarttrainer und gibt seine Tipps an die jüngeren Generationen weiter.

Der Bogen spannt sich weit. Als Sechsjähriger begann er beim BC Sport mit dem Kicken, heute, mit 71, steht er noch immer an mehreren Tagen die Woche auf dem Fußballplatz. Nicht mehr als Spieler, aber als Torwarttrainer.

Damals bei den Sportianern war Horst Kaiser „der jüngste Fußballer in Kassel. Ich brauchte sogar ein Attest von den Eltern“. Mit 14 ging er zum KSV Hessen und stand mit den Junglöwen dreimal im Endspiel um die Hessenmeisterschaft. „Zweimal gegen Eintracht Frankfurt, einmal gegen den OFC. Gewonnen haben wir nie.“

Bei einem der Finals begegnete Hoddel, wie Kaiser genannt wird, Bundestrainer Helmut Schön. „Er fand mich ganz gut. Aber er meinte auch, ich müsse noch wachsen, um was zu werden“, erinnert sich der Vellmarer. Wie sich herausstellte, lag „der Lange“ richtig. „Mir fehlten einige Zentimeter, um weiter nach oben zu kommen“, sagt Kaiser. Später spielte er unter anderem in der damaligen 1. Amateurliga für den SV Hermannia und den Spielverein 06.

Seine schlimmsten Böcke schoss Kaiser nach der Geburt von Sohn Markus. „Das war samstags – und sonntags verloren wir bei Olympia 2:7. Ich hatte gefeiert und kam erst morgens nach fünf aus dem Club 21“, berichtet er. Wobei er sich gut an die milde Beurteilung in dieser Zeitung erinnert: „Da stand, ich hätte bei zwei Toren keine gute Figur gemacht. Es waren aber mindestens fünf.“

Zu seinen Höhepunkten gehört das Freundschaftsspiel gegen Eintracht Braunschweig. Am 2. Mai 1972 gastierte der Bundesligist mit vielen Stars beim Spielverein 06, und Kaiser brachte sie mit zur Verzweiflung. Besonders Ex-Nationalspieler Bernd Gersdorff war angetan. „Vor seinem Elfmeter sagte er, ich hätte so gut gehalten – und hat mir die Ecke verraten. Ich war dann rechtzeitig dort, aber der Ball ging sogar am Tor vorbei“, sagt Kaiser. Mit seiner starken Leistung landete er dann auch im Sportmagazin Kicker mit dem Titel: „Kaiser war Kaiser“.

1987 stieß er zum OSC. Seine zweite Frau Gabi kommt aus Vellmar, der Wechsel lag nahe. Nach weit über 600 Spielen als Torhüter stieg er nun ins Trainergeschäft ein. Zunächst trainierte Kaiser die Zweite des OSC. „Irgendwann hat Trainer Bernd Hüter mich gefragt, ob ich nicht bei ihm in Sand den Torwarttrainer machen möchte“, erzählt er. Er mochte, und fand später nach einer Zwischenstation bei Karl-Heinz „Ede“ Wolf in Grebenstein zurück zum OSC. Nach erfolgreichen Jahren mit Trainer Mario Deppe folgte er diesem im Winter 2018 zum SSV Sand, wo das Gespann heute noch wirkt. „Wir arbeiten jetzt seit 13 Jahren zusammen. Das ist wie eine Ehe“, scherzt Kaiser.

Wie lange der 71-Jährige braucht, um zu erkennen, ob aus einem seiner Lehrlinge etwas werden kann? „Nur eine Trainingseinheit. Dann weiß ich, ob er Torhüter wird oder Schiedsrichter“, sagt er und meint dies nicht despektierlich. Unter seinen Fittichen hatte Kaiser viele gute Schlussmänner.“ „Aber keinen wie Topper“, betont er.

Die Rede ist von Tobias Orth, derzeit wieder Schlussmann des OSC. Beide verbindet ein enges Verhältnis. „Topper ist sowas wie mein Pflegesohn und wohnt ja sogar bei uns“, sagt Kaiser. Dabei hatte es Orth nicht leicht, als er 2009 zum OSC kam. „Anfangs dachte ich, er wäre von der Hüfte abwärts gelähmt. Aber wir haben intensiv gearbeitet, auch allein. Vor Wut hat er oft die Bälle über den Zaun geschossen. Aber er musste sie natürlich selbst holen und ärgerte sich dann noch mehr.“ Während Hoddel sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Ans Aufhören denkt Kaiser nicht. „Das würde ich nur, wenn es körperlich nicht mehr geht und ich die Jungs nicht mehr besser machen kann.“

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